Konstruktivität wird verlangt
Nach dem BNO-Nein will der Gemeinderat das Vertrauen zurückgewinnen. Kritiker bleiben skeptisch.
Ende April 2025 erteilten die Würenloserinnen und Würenloser der Bau- und Nutzungsordnung (BNO)eine Abfuhr. Für den damalige Ressortverantwortlichen Consuelo Senn (FDP) war die Rückweisung mit ein Grund, nicht mehr für eine weitere Amtsperiode als Gemeinderat anzutreten. Thomas Zollinger (SVP) übernahm als neu gewählter Gemeinderat Anfang Jahr das Ressort Hochbau. Die Revision der 23 Jahren alten BNO obliegt allerdings neu dem Gesamtgemeinderat und wird von Ammann Möckel und Ressortvorsteher Zollinger geführt. «Der Aufwand für dieses Projekt ist so gross, dass das nicht jemand alleine machen kann, und es kann auch nicht alleine dem neuen Ressortchef Hochbau zugemutet werden. Der Gemeinderat hat im Spätherbst deshalb eine Steuergruppe eingesetzt», begründet Möckel.
Neben ihm gehören der Steuergruppe Gemeinderat Thomas Zollinger, Beraterin Kathrin Härdi, der ehemalige Aarauer Stadtbaumeister Felix Fuchs, der Würenloser Bauverwalter Markus Roth und seine Stellvertreterin Andrea Hofbauer an. Sie bereiten unter anderem die Ausschreibung der Planerarbeiten vor.
Rückblick und Neustart
Im Oktober 2025 hatte der Gemeinderat die Bevölkerung zu einem Workshop mit dem Titel «Rückblick und Neustart» eingeladen, rund 50 Personen hatten teilgenommen. Ziel des Workshops war es, die Bedürfnisse der Bevölkerung abzuholen und Vertrauen aufzubauen. «Wir haben insbesondere die Kritik am Ergebnis und am bisherigen Ablauf der Nutzungsplanungsrevision entgegengenommen. Diese wertvollen Hinweise und Erkenntnisse fliessen in die Ausschreibung für die Planer ein», so Anton Möckel. Dadurch sollen die Fachbüros die Arbeit besser einschätzen können.
An einem Infoanlass im November hatte der Gemeinderat über den Workshop und das weitere Vorgehen informiert. Zwischenzeitlich sei der Ausschreibungsentwurf einer Gruppe von Bürgern, die sich am Workshop beteiligt haben, zugestellt worden. Der Entwurf der Planerausschreibung werde im Laufe der Woche mit ihnen besprochen. Anschliessend will der Gemeinderat die Unterlagen für die öffentliche Ausschreibung verabschieden.
Kritikpunkt Informationsfluss
Das ist nicht genug, findet Adrian Güller, der sich mit einer 31-köpfigen Gruppe vor einem Jahr stark gemacht hat, dass die neue BNO abgelehnt wird. «Viele Bürgerinnen und Bürger haben den Eindruck, dass Informationen nur selektiv weitergegeben werden. Nicht alle Betroffenen werden gleich informiert, kritische Stimmen bleiben aussen vor, und wichtige Anliegen der Bevölkerung finden zu wenig Gehör», schreibt er der Limmatwelle. Das sorge für Frust, Unsicherheit und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.
Der Gemeinderat dementiert: Die Partizipation und Kommunikation würden explizit in den Ausschreibungsunterlagen gefordert. «Die Abstimmung erfolgt mit dem Ziel, dass raschmöglichst weitergearbeitet werden kann und genügend Zeit und Ressourcen vorhanden sind, um eine mehrheitsfähige BNO zu erhalten», so Möckel. Die Kritiker selbst hätten die «Delegierten» bestimmt, welche die Unterlagen vorab erhalten sollen. «Wir haben aber inzwischen den Kreis der Personen erweitert und sie mit den Ausschreibungsunterlagen bedient. Dass nicht die ganze Bevölkerung in diese Vorarbeiten einbezogen werden kann, ist selbsterklärend.»
Güller kontert: «Dies hat erst stattgefunden, nachdem ich ein Mail geschrieben habe und der Gemeinderat von meinem Leserbrief Kenntnis genommen hat.»
Der Gemeinderat will das Geschäft an der Sommergemeinde vom 2. Juni mit einem Verpflichtungskredit vorlegen und danach mit der Bevölkerung und den Fachpersonen in den erneuten BNO-Prozess einsteigen.
Kurswechsel gefordert
Güller findet, dass aus den bisherigen Fehlern kaum gelernt wurde: «Der Prozess wirkt weiterhin intransparent und schlecht abgestimmt – und das bei einem Thema, das tief in Eigentumsrechte und Lebensrealitäten eingreift.» Der Würenloser bemängelt auch die Kommunikation. Das sei keine Frage von Experten oder zusätzlichen Studien. «Die Bevölkerung darf erwarten, vollständig, ehrlich und rechtzeitig informiert zu werden – besonders dann, wenn öffentliche Gelder eingesetzt werden und weitere Kredite im Raum stehen.» Für Güller ist klar: Will der Gemeinderat das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückgewinnen, braucht es einen echten Kurswechsel: «Offene Information, ernsthafte Mitsprache und Respekt gegenüber den Menschen, die diese Gemeinde tragen und finanzieren. Ohne diesen Wandel droht die BNO-Revision erneut zu scheitern – auf Kosten der Bevölkerung.»
Dazu Möckel: «Wir setzen alles daran, die Wünsche nach Transparenz bestmöglich einzubauen.» Bewusst habe man die Bevölkerung aufgefordert, ihre Anliegen in Workshops und in Arbeitsgruppen kundzutun. Es brauche aber auch Verständnis für prozessuale und planerische Vorgänge, welche gegeben sind und im ganzen Kanton Aargau gleich angewendet werden müssen. «Einseitige und tendenziöse Meinungsäusserungen in Leserbriefen sind hingegen wenig dienlich, sondern verunsichern die Bevölkerung und erschweren einen positiven Prozess», so Möckel. Er bittet die Bevölkerung, sich bei Unklarheiten umgehend an die Gemeinde zu wenden oder sich in einer Arbeitsgruppe, die es noch zu bilden gilt, zu beteiligen, «um eine zielgerichtete und qualitative BNO zu erhalten, welche unser schönes Dorf verdient.» Schliesslich haben alle das gleiche Ziel: Die Nutzungsplanungsrevision in absehbarer Zeit erfolgreich abzuschliessen. «Umso wichtiger ist jetzt eine allseits konstruktive Haltung.»


