Gold für Tennis-Talent

Der Würenloser Elias Sekinger holt am Sonntag Gold an der U12-Schweizer-Meisterschaft in Luzern. Der 10-Jährige hat ein klares Ziel: Er will dereinst mit den Weltbesten Tennis spielen.
Elias Sekinger ist am Montag in Biel und spielt am internationalen Juniorenturnier «Tennis Europe». Sein Vater reicht ihm das Handy, um die Fragen der Limmatwelle zu beantworten – ein eigenes Smartphone hat der 10-Jährige noch nicht. Einen Tag vorher spielte der Würenloser Primarschüler in Luzern und wurde U12-Schweizer-Meister. Das Finalspiel sei eine relativ einseitige Angelegenheit gewesen, schreibt der Aargauer Tennisverband in einer Medienmitteilung: «Elias Sekinger setzte sich mit 6:1, 6:4 durch und gewinnt damit zum ersten Mal die Goldmedaille an Schweizer Meisterschaften.» Sein Gegner war Artemij Ivan Elvis Schmidt, der beste Schweizer Spieler mit Jahrgang 2014.
«Ich hatte den besseren Tag», sagt Elias Sekinger nach dem Sieg bescheiden. Ein bisschen nervös sei er aber schon gewesen, das sei er immer. «Aber gestern nicht so stark, weil mein Gegner besser klassiert war, deshalb war ich nicht unter Druck, ich hatte nichts zu verlieren.» Wenn er ganz früh am Morgen spielen müsse, sei er am nervösesten. «Ich will dann unbedingt spielen und mag deshalb gar nichts essen.» Elias Sekinger antwortet klar und souverän, als wäre er gewohnt, Interviews zu geben. Das sei aber nicht so, sagt er: «Es ist erst das zweite Interview. Einmal durfte ich mit dem deutschen Tennisspieler Yannick Hanfmann ein paar Bälle schlagen, da wurde ich danach auch interviewt.»
Jüngerer gewinnt gegen Älteren
Mit dem Sieg an der Juniorenmeisterschaft am vergangenen Wochenende ist seine Bekanntheit gestiegen. Auf Instagram bedankt er sich bei seinem Gegner Artemij Schmidt für das faire Finale, der Beitrag wurde bis am Dienstagmorgen 47-mal gelikt. «Meine Schwester und meine Mutter betreuen den Instagramkanal», sagt der Spieler des TC Würenlos, der sich lieber auf dem Tennisplatz als in den sozialen Medien aufhält.
Im nationalen Ranglistensystem von Swiss Tennis hat sich Elias Sekinger bereits von Regional R9 auf R3 gespielt. Somit ist er nicht mehr weit entfernt von der besten Klassierung R1 unter den Amateuren und der einzige mit Jahrgang 2015 mit dieser sehr guten Rangierung.
Der Junge tut auch einiges für seinen Erfolg. Fünfmal pro Woche trainiert er, meistens in Leuggern, einmal in der Tennisacademy in Basel. Zu viel werde es ihm nie. Auf die Frage, was er ausser Tennis spielen sonst noch mache in seiner Freizeit, antwortet er ernst: «Ich muss noch Hausaufgaben machen, essen und schlafen. Und manchmal schaue ich ein bisschen Fernsehen, mehr Zeit habe ich aber auch nicht.»
Strukturierter Tagesablauf
Tatsächlich ist sein Alltag ziemlich durchgetaktet und nur dank dem Einsatz seiner ganzen Familie möglich. «Die Kinder haben für meine Frau und mich erste Priorität, wir fördern sie und stecken selber zurück», bestätigt sein Vater, Anton Sekinger. Auch die beiden 15- und 17-jährigen Töchter spielen Tennis. «Wir freuen uns über ihre Fortschritte, wollen aber keinen Druck ausüben», sagt der Vater und fügt an: «Wenn sie aufhören wollen, dann können sie das tun. Für uns hat die Schule erste Priorität.»
Er will Tennisprofi werden
Im Moment denkt Elias jedoch keineswegs ans Aufhören – im Gegenteil: «Ich möchte unbedingt Tennisprofi werden.» Mit dem U12-Schweizer-Meister-Titel hat er einen weiteren Schritt auf diesem Weg getan. Er will weiter trainieren, sagt er und fügt an, dass ihm das einfach Spass mache.
Bereits als Zweijähriger stand der Würenloser auf dem Tennisplatz. «Viele spielen super, die wenigsten schaffen es an die Weltspitze, die Chance ist extrem klein, aber die Chance besteht», ordnet sein Vater Anton Sekinger ein. Er und seine Frau geben alles, damit der 10-Jährige diese Chance nutzen kann. So wie heute, als er extra freinahm, um ihn ans internationale Juniorenturnier nach Biel zu begleiten. Es hat sich gelohnt: Der Sohnemann kam an den «Tennis Europe» einen Tag nach dem U12-Schweizer-Meistertitel eine Runde weiter.


