Exotische Gerichte von Lili Pfenninger

Lili Pfenninger aus Würenlos macht sich mit einem eigenen Lokal im Limmattal selbstständig – und startet dabei eine kulinarische Offensive für die Philippinen.

Die Würenloserin Lili Pfenninger eröffnete in Schlieren das philippinische Restaurant Lili’s Filipino Food & Variety.Severin Bigler
Die Würenloserin Lili Pfenninger eröffnete in Schlieren das philippinische Restaurant Lili’s Filipino Food & Variety.Severin Bigler

«Als ich das erste Mal Rahmschnitzel für meinen Mann kochte, war es um ihn geschehen. Er fragte mich sofort, ob ich seine Frau werden will», sagt Lili Pfenninger und lacht. Mittlerweile sind sie und ihr Mann Erich seit über 30 Jahren verheiratet. Die guten Rezepte scheinen ihr also nicht ausgegangen zu sein.

In den Genuss von Pfenningers Kochkunst kommt nun auch die Limmattaler Bevölkerung. Am 7. Januar eröffnete sie mit Unterstützung ihres Mannes und der beiden erwachsenen Kinder Sarah und Samuel an der Zürcherstrasse 44 in Schlieren ihr eigenes Restaurant mit dem Namen «Lili’s Filipino Food & Variety». Damit erfüllt sich für die 56-Jährige aus Würenlos ein lang gehegter Wunsch. «Es war schon seit einiger Zeit mein Traum, mich selbstständig zu machen.»

«Kochen ist meine Berufung.»

Nachdem sie von 2019 bis Ende 2022 im philippinischen Restaurant Papa Oro’s in Baden wirkte, sei es an der Zeit gewesen, ihr eigenes Ding durchzuziehen, findet Pfenninger. Tag und Nacht habe sie auf allen möglichen Plattformen nach einem geeigneten Lokal gesucht. Fündig wurde Pfenninger schliesslich in Schlieren. Wo früher Pizzas und Paninis über die Theke gingen, tischt sie heute Spezialitäten aus ihrer philippinischen Heimat auf. Dazu gehört etwa das Nationalgericht Chicken Adobo: ein Eintopf aus Pouletfleisch, das in Sojasauce und Zuckerrohressig mit Pfeffer, Lorbeer, Knoblauch und Ingwer gegart wird.

Typisch für den Inselstaat in Südostasien ist auch das spanisch inspirierte Gericht Tocino. Dabei handelt es sich um Schweinefleisch, das mit Ananassaft mariniert wird und eine starke rötliche Farbe aufweist. «Diese erzeugt man mit Annatto-Samen, einem natürlichen Färbemittel», erzählt Pfenninger. Serviert werden auch die philippinischen Frühlingsrollen Lumpia. In «Lili’s Filipino Food & Variety» gibt es sie gefüllt mit gehacktem, gewürztem Rindfleisch oder vegetarisch mit einer Füllung aus Rüebli, Kabis, Glasnudeln, Pilzen und Süsskartoffeln. Neben Fleischgerichten legt Pfenninger auch Wert auf vegetarische und vegane Mahlzeiten. «Viele Leute verzichten heutzutage auf tierische Produkte. Ich bin darin geübt. Als ich klein war, kam bei uns fast jeden Tag Gemüse und Reis auf den Tisch», sagt Pfenninger, die auf der Insel Mindanao aufgewachsen ist. Als Beilage haben die Gäste die Wahl zwischen weissem Reis, gebratenem Reis oder dem philippinischen Nudelgericht Pancit.

Hausgemachte Cupcakes finden sich auf der Dessertkarte

Wer Lust auf exotische Desserts hat, ist in «Lili’s Filipino Food & Variety» ebenfalls an der richtigen Adresse. Kuchen aus der Yamswurzel und aus Reis stehen auf der Menükarte. Zudem bietet Pfenninger Cupcakes an, die von einer befreundeten Landsfrau gefertigt werden. «Mir ist es wichtig, dass ich mit meinem Laden andere Filipinos dazu ermutige, ihr kulinarisches Talent zu zeigen.»

Sie will ihre Landsleute inspirieren

Dass die Küche aus ihrer Heimat in der Schweiz bisher relativ unbekannt ist, findet Pfenninger schade. «Das ist mitunter ein Grund, warum ich das Restaurant eröffnet habe. Ich möchte die philippinische Küche und Kultur präsentieren. Wir können mit anderen asiatischen Kochnationen wie Thailand oder Korea mithalten, doch dafür müssen wir uns zu erkennen geben.»

Die perfekte Anfängerküche für asiatisches Essen

Der Vorteil von Filipino-Food ist, dass es aufgrund der westlichen Einflüsse während der spanischen und amerikanischen Kolonialherrschaft nicht so exotisch und vor allem kaum scharf sei. «Für den westlichen Gaumen ist die philippinische Küche also eigentlich die ideale Anfängerküche, was asiatisches Essen anbelangt», sagt Pfenninger.

Ein Blick ins neue Restaurant

Zum Restaurantbetrieb gehört auch ein Catering-Service. Geplant ist zudem eine Zusammenarbeit mit dem Lieferdienst Uber Eats. Wiederkehrende kulturelle Themenabende in der Gaststätte in Schlieren sollen das gastronomische Angebot abrunden. «Die Filipinos sind so gut integriert. Die eigene Kultur geht verloren. Das will ich mit diesen Anlässen ändern.» Der philippinischen Gemeinschaft im Limmattal einen Treffpunkt zu bieten, ist Pfenninger ein wichtiges Anliegen.

Der Start scheint der Gastgeberin geglückt zu sein. «Die ersten zwei Wochen verliefen gut. Viele Leute, die in der Umgebung wohnen und arbeiten, haben uns besucht», erzählt Pfenninger. Ihr Ziel ist es, sich in Schlieren zu etablieren. Dazu hat sie bis Anfang 2024 Zeit. Danach müssen das ganze Gebäude und weitere sieben umliegende Häuser, die zum Schindler-Areal gehören, einem 92-Millionen-Franken-Bauprojekt weichen. Pfenninger hofft, dass sie auch danach wieder ein Restaurant in der Umgebung findet, damit künftig niemand mehr auf die philippinische Esskultur im Limmattal verzichten muss.

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