Enorme weibliche Vorarbeit

Annemarie Dauwalder kämpft gemeinsam mit vielen anderen Würenloserinnen für das neue Altersheim. Auch Margaritha Markwalder, die vor über 50 Jahren nach Würenlos zog, will endlich ein Alterszentrum.

Annemarie Dauwalder (l.) und Margaritha Markwalder hoffen seit 50 Jahren darauf, dass Würenlos ein Alterszentrum bekommt. Rinaldo Feusi
Annemarie Dauwalder (l.) und Margaritha Markwalder hoffen seit 50 Jahren darauf, dass Würenlos ein Alterszentrum bekommt. Rinaldo Feusi

Ein Schreiben, unterzeichnet von einem guten Dutzend Würenloserinnen, erreichte die Redaktion der Limmatwelle. Es stammt von Frauen, die schon seit 50 Jahren für ein Altersheim kämpfen. Eine der Unterzeichnerinnen ist Annemarie Dauwalder. Zusammen mit Margaritha Markwalder äussert sie sich im Doppelinterview zur erneuten Abstimmung über die Finanzierungstranche für das Alterszentrum.

Limmatwelle: Die Arbeit von Würenloser Frauenvereinen generierte in den letzten fünf Jahrzehnten grosse Geldsummen für ein zukünftiges Altersheim. Doch wird dieses jemals zustande kommen? Dauwalder: Das wird die Abstimmung zeigen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Seit über 50 Jahren ist das Altersheim Würenlos ein Thema. Haben Sie vor einem halben Jahrhundert gedacht, dass das so lange dauern wird?Markwalder: Dass ich dasselbe sagen werde wie die Leute vor 50 Jahren, hätte ich nie gedacht. Dauwalder: Es floss unheimlich viel Frauenarbeit in die Altersheimprojekte. Aber dass es so lange dauern wird und wir jetzt wieder abstimmen müssen, ist bedenklich.

Wie kam es denn zu diesem weiblichen Effort?Dauwalder: Es war eine grosse Solidarität im Dorf spürbar. Alle halfen sich gegenseitig, um etwas für die Zukunft zu schaffen. Das Dorf und damit auch wir Frauen kamen zusammen. Der reformierte Frauenverein, der katholische Frauenbund und damals noch die Landfrauen arbeiteten für das gemeinsame Ziel, ein Altersheim zu unterstützen. Wir stellten uns dabei immer vor, etwas zur Gestaltung eines zum Beispiel «stillen Raumes» beitragen zu können. Das war unser Antrieb.

Die Frauen erarbeiteten 230 000 Franken zu einer Zeit, in der die Arbeit von Frauen noch einen ganz anderen Stellenwert hatte als heute. Vergisst man das bei dieser Abstimmung?Markwalder: Sie müssen verstehen: Es waren komplett andere Zeiten. Frauen durften arbeiten, aber die Lohnbeutel durften nur von ihren Männern entgegengenommen werden. Es waren nicht «die guten alten Zeiten». Jeder Rappen dieses Geldes ist hart erarbeitet worden. Man muss das Ganze unter Einbezug des Zeitgeistes sehen. Dauwalder: Frauen unterschrieben in der Regel auch noch keine Verträge. Auch wenn es um eigene Dokumente ging. Die Zeit war eine andere. Umso erstaunlicher, wie viel Solidarität sich durch die Idee eines Altersheimes in der Bevölkerung verbreitete und welche Schritte nach vorne gemacht wurden.

Man kämpft auch heute noch um das Alterszentrum. Wie fühlt sich das an? Dauwalder: Es kommt mir vor, als kämpften im Dorf zwei Lager gegeneinander, die vor wenigen Jahren noch zusammenarbeiteten: die Einsprecher gegen die Fürsprecher.

Was, wenn es wieder nicht zu einem Altersheim kommt? Dauwalder: Ich werde vielleicht kein neues Altersheim mehr erleben. Aber ich hoffe nicht, dass das noch viele andere nach mir sagen müssen. Markwalder: Für mich wäre es ein Schlag ins Gesicht. Nach all den Jahrzehnten des Kampfes. Es wäre furchtbar für mich.

Es gab mehrere Projekte. Wieso machen Sie sich aber für dieses stark?Markwalder: Ich habe 20 Jahre lang in der Spitex gearbeitet und ich versichere Ihnen: Sobald das Alter zunimmt, nimmt die Mobilität ab. Und dann will man in einem Zentrum sein und nicht ab vom Schuss. Die Zentrumswiese mit dem Coop und der Erschliessung wäre perfekt. Vor allem für uns Frauen ist Einkaufen etwas so Schönes und Wichtiges. Nur die paar wenigen Worte mit der Kassiererin oder dem Kassierer zu wechseln, kann schon ein grosser Einfluss auf das Gemüt und den Geist haben.Dauwalder: Das «Margerite»-Projekt ist für mich das beste. Es liegt zentral, ist entgegen gewissen Behauptungen planerisch rechtsgültig von drei Seiten her erschlossen, rund herum lebt es und die Anbindung an den ÖV wäre auch super. Deshalb ist es für mich zwingend, dem Zusatzkredit am 12. März zuzustimmen.

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