15.04.2020

Schlafberaterin: «Wir wachen etwa 28-mal pro Nacht auf»

Mechthild Meier Fischer ist Geschäftsführerin der  «fischerwohnen AG» in Würenlos. zVg

Mechthild Meier Fischer ist Geschäftsführerin der «fischerwohnen AG» in Würenlos. zVg

Ein gesunder Schlaf stärkt das Immunsystem, das weiss Mechthild Meier Fischer. Sie ist Geschäftsführerin der «fischerwohnen AG» in Würenlos und ausgebildete Schlafberaterin der Interessengemeinschaft Richtig Liegen und Schlafen (IG RLS).

Von: Melanie Borter

Frau Meier Fischer, stimmt es tatsächlich, dass ein guter Schlaf das Immunsystem stärkt?

Ja, es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Immunsystem sich nachts besonders gut erholt. Das merken wir, wenn wir krank sind und dann einen deutlich grösseren Schlafbedarf haben. Der Schlaf ist in der Wissenschaft ein grosses Thema, bei dem noch viele offene Fragen geklärt werden müssen. 

Was weiss die Wissenschaft denn heute über den Schlaf?

Der Körper arbeitet, während wir schlafen: Das Gehirn sortiert die Erfahrungen vom Tag, die Bandscheiben und das Immunsystem erholen sich.

Passiert das nur, wenn wir gut, lange oder besonders tief schlafen?

Wir schlafen während einer Nacht nie gleich tief, sondern in 80- oder 90-Minuten-Rhythmen. Das sind Zyklen, die von leichtem Schlaf bis zum Tiefschlaf und wieder zum Leichtschlaf führen. Muskuläre Erholung und Immunsystemreparatur passieren im Tiefschlaf, Gefühle sortieren wahrscheinlich in der REM-Phase, dann träumen wir. Damit unser Körper nicht tut, was wir träumen, ist in dieser Phase unsere Muskulatur total erschlafft. Nach etwa vier bis fünf Zyklen sind wir in der Regel ausgeruht. Was viele nicht wissen: Wir wachen pro Nacht etwa 28-mal auf. Aber nur so kurz, dass wir das gar nicht im Gedächtnis speichern. Wenn wir beim Liegen Schmerzen haben, zum Beispiel durch Druckstellen beim Gesäss, in den Schultern oder durch Nackenverspannungen, dann noch häufiger.

Welche Körperhaltung ist denn besonders gut?

Ich empfehle die Seitenlage. Wichtig ist, dass der Körper im Bett gut gestützt ist und die schweren, breiten Körperstellen wie etwa das Gesäss oder die Schultern gut einsinken können.

Und wenn man nun mal ein Rückenschläfer ist?

Dann ist eine gute Unterstützung im Kreuzbereich wichtig, damit ein Hohlkreuz nicht verstärkt wird. 
Abgesehen von der Körperhaltung, was kann man tun, um gut zu schlafen? In einem ersten Schritt empfehle ich allen, sich grundsätzlich mal darauf zu achten, welchen Stellenwert der Schlaf für sie hat. Und dann gilt: Je entspannter ich in den Schlaf hineinkomme, desto entspannter kann ich auch schlafen.

Gibt es denn Tricks, wie ich entspannt einschlafen kann?

Am besten setzt man sich zehn Minuten vor dem Einschlafen hin, atmet ruhig und versucht, seine ganze Muskulatur zu entspannen. Und dann ist es wichtig, dass wir in einer geeigneten Haltung einschlafen. Bedenkt man, dass wir vier- bis fünfmal in der Nacht in einen Tiefschlaf fallen, in dem wir absolut bewegungslos liegen, so wird klar, wie wichtig eine bequeme Körperhaltung ist.

Nun ist es so, dass momentan viele von Sorgen geplagt sind. Diese verschwinden nicht durch eine entspannte Körperhaltung. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, eine ruhige Schlafatmosphäre zu schaffen. Die Arbeit sollte weg vom Bettbereich, ob das nun der Berg Wäsche oder der Computer ist. Übrigens gehört das blaue Licht, das zum Beispiel von Tablets, Handys kommt, absolut nicht in unser Schlafzimmer. Denn dieses gaukelt unserem Körper vor, es sei Tag. Versuchen Sie, eine Viertelstunde vor dem Schlafengehen die Arbeit und die Sorgen mit einem geeigneten Abendritual loszuwerden. Zum Beispiel mit einem Tagebucheintrag, so kann man sich die Sorgen von der Seele schreiben. Oder mit Entspannungsübungen, zum Beispiel einer mentalen Körperreise, bei der Sie Ihre volle Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Körperstelle richten, die Füsse, dann die Waden und so weiter. 

Kann man seine Sorgen so ganz vergessen?

Das muss nicht sein. Die Sorgen und Gedanken dürfen kommen, aber man soll sie vorbeiziehen lassen. Ziel ist es, nicht an ihnen hängenzubleiben. Vielleicht hilft es, wenn man weiss, dass es auch eine biologische Erklärung dafür gibt, dass schlechte Gedanken einem am Abend und in der Nacht noch trüber vorkommen. Das Hormon Melatonin, das der Körper produziert, damit wir müde werden, macht uns auch trübsinnig. Wenn ich das weiss, kann ich darauf zählen, dass ich das Problem am Tag sowieso viel besser lösen kann als am Abend oder in der Nacht. 

Sie sind nicht nur Schlafberaterin IG RLS, sondern auch Geschäftsführerin des Einrichtungshauses «fischerwohnen AG». Auch sie mussten den Laden an der Landstrasse 78 in Würenlos schliessen. Ganz ehrlich. Schlafen Sie zurzeit gut?

(Lacht) Ja, ich bin Gott sei Dank eine gute Schläferin. Das hat vermutlich auch mit meiner Ausbildung zu tun. Doch am Tag beschäftigt mich die Situation sehr. Der Werkstattteil unserer Firma funktioniert noch, aber es ist sehr, sehr ruhig.

Dafür bieten sie neu telefonische Schlafberatungen an. Kosten die etwas?

Nein, die kosten nichts. Wir sehen das als eine Dienstleitung. Denn dadurch, dass wir nicht nur Möbel verkaufen, sondern uns dieses Spezialwissen zum Schlafen aufgebaut haben, kommen Kunden extra deswegen zu uns. 

Zur Person

Mechthild Meier Fischer (52) ist ausgebildete Schlafberaterin der Interessengemeinschaft Richtig Liegen und Schlafen (IG RLS) und auch Feng-Shui-Beraterin. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann die «fischerwohnen AG» in Würenlos. Sie wohnt mit ihrem Mann und der Tochter in Würenlos. 
Telefonische Schlafberatung unter 056 424 17 33.