Würenlos
30.06.2021

Er hilft mit Klängen aus Schottland

Als «Argoviapiper» versprüht der Würenloser Roger Speckert mit seinem Dudelsack schottisches Lebensgefühl. Seine Auftrittsgagen spendet er krebskranken Kindern.

Von: Sibylle Egloff

Roger Speckert ist Schottland-Fan. Das verrät die blaue Flagge mit dem Andreaskreuz, welche vor seinem Haus in Würenlos weht. Bereits einige Male hat er den Norden von Grossbritannien besucht. Seine Freude für die Region bringt er aber auch musikalisch zum Ausdruck. Seit mehr als zehn Jahren spielt der 52-Jährige leidenschaftlich schottischen Dudelsack.

«Als ich als Kind in einer Abendunterhaltungssendung zum ersten Mal die Royal Scots Dragoon Guards mit ihren Dudelsäcken spielen hörte, war ich sofort begeistert. 2010 fasste ich mir dann endlich ein Herz und begann, Unterricht zu nehmen», erzählt Speckert. Bald darauf trat er verschiedenen Dudelsackbands in der Schweiz bei.

Dudelsack spielenist wie Ausdauersport

Sein Repertoire konnte er in den letzten zehn Jahren stark ausbauen. Doch die meisten Zuhörer würden sich stets die gleichen Stücke wünschen, so Speckert. «‹Amazing Grace› und ‹Highland Cathedral› sind am beliebtesten», sagt er. Diese Lieder würden beim Publikum und auch bei ihm selbst Emotionen auslösen. Das Instrument gefällt Speckert. «Es ist brachial und doch sehr speziell. Bei anderen Blasinstrumenten erzeugt man nur beim Blasen einen Ton. Der Dudelsack spielt, solange er Luft hat. Deshalb kann man keine Pausen einlegen, sondern muss mit Verzierungsnoten arbeiten.» Atemnot verspürt der Würenloser während des Spielens nicht. «Es ist reine Übungssache. Man kann es mit Ausdauersport vergleichen. Daher ist es wichtig, dass man täglich oder zumindest drei-, viermal pro Woche eine halbe Stunde musiziert.»

Zum Dudelsack gehört auch eine feierliche Uniform

Das schottische Lebensgefühl vermittelt Speckert an Auftritten nicht nur akustisch, sondern auch visuell. Traditionell spielt er in einer schottischen Uniform samt Kilt. «Den bekanntesten nennt man ‹full dress no. 1›, der an den militärischen Stil anlehnt und sehr festlich daherkommt», sagt der Musiker. Seit April tritt er auch als Solist unter dem Namen «Argoviapiper» an Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Beerdigungen und anderen Festen auf.

Das hat seinen Grund. «Ich habe mich dazu entschlossen, einen grossen Teil meiner Gagen einem guten Zweck zu spenden», sagt Speckert. Der Dudelsackspieler unterstützt mit seiner Passion das Projekt Mutperlen. Dabei werden krebskranke Kinder und Jugendliche mit Mutperlen auf ihrem schweren Weg begleitet. «Die Kinder bekommen je nach Therapie und Behandlung unterschiedliche Perlen, die sie in einer Schnur einfädeln können. Diese dienen als Belohnung, Kommunikationsmittel und Erinnerung», erklärt Speckert. Er hofft nun, dass er fleissig auftreten und so ganz vielen Kindern eine Freude bereiten kann. «Das Dudelsackspielen ist mehr als ein Hobby. Es bedeutet für mich, anderen zu helfen.»