Würenlos
03.06.2021

Sie vereint Kinder und Senioren

Das Waldsofa samt Feuerstelle, das Anja Dillinger errichtet hat, ist der zentrale Platz.Sibylle Egloff

Das Waldsofa samt Feuerstelle, das Anja Dillinger errichtet hat, ist der zentrale Platz.Sibylle Egloff

Das Waldsofa samt Feuerstelle, das Anja Dillinger errichtet hat, ist der zentrale Platz.Sibylle Egloff

Anja Dillinger eröffnet eine generationenübergreifende Spielgruppe. Damit will sie ihrer Heimat Würenlos einen Mehrwert bieten.

Von: Sibylle Egloff

Ein paar Hundert Meter im Würenloser Wald nach der Huba Control präsentiert sich links des Weges ein Tannenwäldchen. Von Weitem zu erkennen ist ein grosser Kreis aus Ästen und Zweigen. Anja Dillinger schreitet dem holzigen Machwerk entgegen. Der Boden unter den Füssen fühlt sich weich wie ein Teppich an.

«Das Moos und die Nadeln bilden einen idealen Fallschutz», sagt Dillinger, als sie vor der Feuerstelle in der Mitte des Kreises anhält. Um ihn herum verteilt stehen 20 kleinere und grössere Baumstrünke. «Sie sind als Sitzgelegenheit für die Kinder und Senioren gedacht», erklärt die 35-jährige Würenloserin. Das Waldsofa dient als zentraler Platz für die Waldspielgruppe, die sie im August zusammen mit ihrem Mann Peter eröffnen wird.

Selbstvertrauen stärken und Lebensenergie tanken

Waldspielgruppen gibt es in der Umgebung und in der ganzen Schweiz einige, doch keine setzt dabei auf die Präsenz von Seniorinnen und Senioren. «Diese beiden Generationen, die eigentlich am meisten Zeit haben, können viel voneinander profitieren», findet Dillinger. Kinder würden Berührungsängste abbauen, ihr Selbstvertrauen stärken sowie ihre sprachlichen Fähigkeiten im Umgang mit älteren Menschen verbessern. Senioren wiederum würden von der Lebensenergie der Kinder angesteckt und hätten eine neue Aufgabe. Aufgrund dieser positiven Effekte will Dillinger die beiden Generationen nun mit diesem Vorhaben vereinen.

Auf die Idee brachte sie eine deutsche Fernsehsendung namens «Wir sind klein und ihr seid alt». Im sechswöchigen Projekt verbrachten je zehn Kinder sowie Seniorinnen und Senioren täglich Zeit miteinander. «Die Sendung und das Konzept haben mich sehr berührt und ich fragte mich, wie man das dauerhaft umsetzen könnte», sagt Dillinger.

Drei Jahre später steht sie kurz vor dem Ziel. Neben der generationenübergreifenden Waldspielgruppe, die jeden Vormittag und an drei Nachmittagen stattfindet, wird sie an zwei Morgen auch eine Innenspielgruppe in den Räumen der reformierten Kirche in Würenlos anbieten. Neben ihr werden sich ihr Mann und zwei weitere Spielgruppenleiterinnen um die Kinder kümmern. Ein Morgen in der Innenspielgruppe kostet samt Znüni 32 Franken, ein Halbtag in der Waldspielgruppe mit Verpflegung 42 Franken. «Aus Sicherheits- und Qualitätsgründen haben wir in beiden Spielgruppen jeweils zwei ausgebildete Leiterinnen, deshalb sind die Preise etwas höher», erklärt Dillinger. «Ich möchte faire Löhne zahlen können», sagt sie.

Die Spielgruppe ist für sie ein Herzensprojekt

Ums Geldverdienen geht es Dillinger nicht. «Diese generationenübergreifende Spielgruppe ist ein Herzensprojekt. Im Vordergrund stehen die Freude und die gute Gemeinschaft. Kinder und Senioren sollen Spass miteinander haben und möglichst wenige Vorgaben erhalten.» Dillingers Ziel ist es zudem, einen Mehrwert für ihre Heimat Würenlos zu schaffen. «Es wäre natürlich toll, wenn aus diesem Projekt auch privat Freundschaften und Beziehungen entstehen würden. Doch ich bin schon nur glücklich, dass das Projekt im Sommer starten kann, und freue mich auf die gemeinsame Zeit mit den Kindern und den Senioren.»

Noch ein paar administrative Dinge muss sie bis zum Start im Sommer erledigen. Vor Ort im Wald ist bereits das meiste bereit. Dillinger zeigt auf die selbst gebauten Schaukeln neben dem Waldsofa. «Nun müssen wir die Baumstrünke für den Parcours noch im Boden versenken. Zudem will ich beim Waldsofa eine Garderobe mit Holztafeln erstellen», sagt Dillinger. Fertig sind auch die sechs bemalten Steine, welche die Verhaltensregeln im Wald festhalten. Dazu gehört etwa, keine Tiere zu quälen, keine Pflanzen auszureissen und nichts aus dem Wald zu essen. Eltern können sich an den Tagen der offenen Türe am 5. Juni in der Innenspielgruppe und am 6. Juni in der Waldspielgruppe selbst ein Bild vom Projekt machen. Bisher scheint Dillingers Idee gut anzukommen. «Es haben sich bereits sechs Senioren gemeldet, die dabei sein möchten. So wie es aussieht, können wir mit mindestens drei Gruppen starten», sagt die zweifache Mutter.

Das Wetter im August ist bekanntlich schön, doch irgendwann werden der Herbst und der Winter in der Waldspielgruppe anklopfen. Für Dillinger stellt schlechte Witterung kein Problem dar. «Wir befinden uns in einem Tannenwald, der grösstenteils vor Regen, aber auch vor starker Sonneneinstrahlung schützt.»

Tannen und eine Blache sollen vor Regen schützen

Wenn es ganz fest schütten sollte, habe man die Möglichkeit, eine Blache über dem Feuer und dem Waldsofa aufzustellen. «So könnten wir uns dann immer noch im Trockenen verpflegen und beisammensitzen», sagt Dillinger. Wenn dies jedoch gar nicht gehe oder es eine Sturmwarnung gebe, würde die Waldspielgruppe auf einen Innenraum ausweichen.

Diesen muss Dillinger aber erst noch suchen. Ihr schwebt überdies bereits vor, das Angebot auf weitere Gemeinden im Limmattal auszuweiten und die Generationenspielgruppe in Altersheimen zu realisieren. «Dann hätten auch weniger mobile Seniorinnen und Senioren die Gelegenheit, davon zu profitieren», sagt Dillinger. Doch zunächst freue sie sich, dass ihr Traum nun kurz vor der Erfüllung stehe. Sie sagt: «Dass ich mein Herzensprojekt zuerst in meinem Dorf Würenlos umsetzen kann, bedeutet mir sehr viel.»

Tage der offenen Tür

Samstag, 5. Juni, 12 bis 17 Uhr, reformierte Kirche Würenlos.

Sonntag, 6. Juni, 10 bis 17 Uhr, Würenloser Wald nach der Huba Control.