Würenlos
21.04.2021

Projekt Deponie «Steindler» wird gestoppt

Deponie «Steindler» Ursprünglich war geplant, 1,6 Millionen Kubikmeter unverschmutzten Aushub auf 17 Hektaren abzulagern. (Bild: Archiv)

Deponie «Steindler» Ursprünglich war geplant, 1,6 Millionen Kubikmeter unverschmutzten Aushub auf 17 Hektaren abzulagern. (Bild: Archiv)

Der Gemeinderat legt bei der Realisierung der Aushubdeponie «Steindler» einen Marschhalt ein. Nun wird ein Mediationsverfahren eingeleitet.

Von: Melanie Bär

Würenlos zieht die Notbremse und stoppt die Weiterarbeit im Projekt Deponie «Steindler». Damit das Vorhaben zustande kommen könnte, wäre eine Anpassung des kantonalen Richtplans und später auch eine Zonenplanänderung nötig. Diese müssen von der Gemeindeversammlung genehmigt werden. Dies, weil sich das Gebiet der geplanten Deponie in der Landwirtschaftszone befindet und in eine Spezialzone umgeändert werden müsste. Nach der Zonenplanänderung hätte auch gegen die Baubewilligung Einspruch erhoben werden können.

Aufgrund der grossen Kritik im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens erachtet der Würenloser Gemeinderat das Vorhaben als nicht mehrheitsfähig (siehe nebenstehende Gemeinderatsnachrichten, Anm. der Red.). Tatsächlich sprechen die Zahlen des von Mitte September bis Dezember 2020 durchgeführten Mitwirkungsverfahrens für sich: Über 3000 Eingaben aus der Bevölkerung gingen ein. Nur gerade 13 davon waren positiv.

Der Würenloser Gemeinderat entschied deshalb vergangeneWoche, den Antrag auf Richtplananpassung auf unbestimmte Zeit zu sistieren. Nach wie vor sieht er als Alternative den Standort «Gchütt».

Mediation soll verhärtete Fronten erweichen

Die potenzielle Betreiberin der Aushubdeponie, die Dereba AG, will nun eine Mediation einberufen und mit den Gegnern der Deponie das Gespräch suchen. Der Verwaltungsratspräsident der AG, Urs Meier von der Eduard Meier AG in Wettingen, rechnet trotz der vielen negativen Eingaben mit guten Chancen, so eine konsensfähige Lösung zu finden. Meier sagt auf Anfrage, dass sie bereit wären, Kompromisse einzugehen.

Sollte ein mehrheitsfähiges Vorhaben draus resultieren, wäre auch für den Gemeinderat eine Fortsetzung des Verfahrens denkbar. Andernfalls würde er endgültig gegen das Vorhaben entscheiden, schreibt der Gemeinderat in nebenstehender Mitteilung weiter.

Auch der Verband Baden Regio, der sich bei der Suche von Aushubdeponieplätzen einsetzt, begrüsst das Mediationsverfahren. Verbandspräsident Roland Kuster: «Ich finde es gut, wenn die Projektentwickler und Gegner aufeinander zugehen, zusammensitzen und einander zuhören.»

Die ersten Planungen wurden vor neun Jahren gemacht

Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Bereits im Jahr 2012 schlossen sich sechs im Aushubgeschäft in der Region tätige Firmen zusammen. Dies, nachdem der Kanton sie über den immer knapper werdenden Platz in den Kiesgruben informiert hatte.

Zu den beteiligten Firmen gehören auch die beiden im Limmatwelle-Gebiet tätigen Unternehmen Tägerhard Kies AG Wettingen und Viktor Weber AG aus Spreitenbach. Die sechs Unternehmen gründeten vor knapp neun Jahren die Dereba AG. Ihr Ziel: Geeignete Standorte für Aushubdeponien zu finden, diese zu planen, zu erwerben und zu betreiben. Die AG übernimmt auch die Koordination mit öffentlichen Ämtern und Institutionen.

Bildung von Arbeitsgruppen mit Planungsverbänden

Weil die regionale Aushubentsorgung von öffentlichem Interesse ist, bildete sich im 2013 eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus dem Planungsverband Baden Regio, der Fachstelle des Departements Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau sowie der Dereba AG.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort östlich des Bareggtunnels prüften sie das Gebiet «Steindler/Teuermoos» in Würenlos, das an der Furttalstrasse, an der Grenze zu Zürich, liegt. Genauso wie die ebenfalls auf Würenloser Boden gelegenen Gebiete «Gchütt» und «Pfaffebüel». Der Würenloser Gemeinderat als Vertreter der betroffenen Standortgemeinde wurden im 2015, sowie die betroffenen Grundeigentümer etwas später, von der Arbeitsgruppe darüber informiert. Aufgrund der Vertraulichkeit des laufenden Verfahrens wurde die breite Öffentlichkeit hingegen nicht involviert.

Eine Kehrtwende machte drei Jahre später die Fachstelle des Kantons Aargau: Sie definierte den Standort «Gchütt» als ungeeignet, weil er in der Lägernschutzzone liegt. Daraufhin wurde nur noch der Standort «Steindler/Teuermoos» weiterverfolgt.

Behörden waren nicht alle gleicher Meinung

Im 2019 äusserten sich die vom Projekt betroffenen Behörden dazu. Während sich der Kanton Aargau, der Verband Baden Regio und die Gemeinde Würenlos für den Standort «Steindler» aussprachen, wurde er vom Kanton Zürich, der Planungsgruppe Furttal und der Gemeinde Otelfingen kritisiert. Insbesondere der Mehrverkehr und der Eingriff in die Landschaft gefielen ihnen nicht. Daraufhin wurde die Deponie um 12 Prozent verkleinert. Der Kanton Zürich zeigte sich versöhnlich. Otelfingens Gemeindepräsidentin kritisiert hingegen nach wie vor die Landschaftsverträglichkeit, den Mehrverkehr und die mangelnde Kommunikation.

Auch in der Bevölkerung begann sich Widerstand zu regen. Es wurde eine IG «Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teuermoos» gebildet. Im November 2020 stellte sie mit roten Ballonen die Grösse der Deponie auf dem geplanten Gelände dar. Die IG stört sich an der Höhe des Aushubbergs, die nicht in die Natur eingepasst sei. Als Alternative schlug sie vor, die umliegenden, bereits bestehenden Kiesgruben zu füllen. Noch im November sahen sie als weitere Option den Standort im Gebiet Lugibach. «Mittlerweile sehen wir aber überhaupt keinen Bedarf mehr für überirdischen Deponieplatz im Kanton Aargau», sagt Roger Moser von der IG. Entsprechend begrüsse die IG sehr, dass der Gemeinderat eine Kehrtwende mache.

Mitwirkungsverfahren verdeutlicht kritische Haltung der Bevölkerung

Ganz anders schätzen das die Initianten ein: Gemäss einem im Juni 2020 veröffentlichten Planungsbericht der Region Baden-Brugg ist nur noch kurzfristig genügend Auffüllvolumen für unverschmutztes Aushubmaterial vorhanden. Ab dem Jahr 2025 seien zusätzliche Standorte für Ablagerungsmöglichkeiten in Baden-Brugg erforderlich.