Würenlos
24.02.2021

Er schlichtete bereits Streit über den Wolken

Martin Rellstab will Streit kommunikativ und kreativ lösen. (Bild: zVg)

Martin Rellstab will Streit kommunikativ und kreativ lösen. (Bild: zVg)

Martin Rellstab aus Würenlos kandidiert für das Friedensrichteramt. Als Pilot und ehemaliger Kundenberater einer Bank weiss er, wie man Konflikte löst.

Von: Sibylle Egloff

«Ein friedliches Zusammenleben liegt mir am Herzen», sagt Martin Rellstab. Das ist der Grund, warum sich der 43-Jährige aus Würenlos für die Ersatzwahl des Friedensrichteramtes für die Gemeinden Wettingen, Würenlos, Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach und Bergdietikon zur Verfügung stellt. Er kandidiert neben Andrea Kleger (GLP) als Nachfolger von Friedensrichterin Manuela Ernst (GLP), die nach erfolgreicher Wahl in den Grossen Rat ihr Amt abgibt.

Er habe schon immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gehabt, sagt Rellstab, der als Kandidat der SVP antritt. Sein Schwiegervater motivierte und inspirierte ihn, sich zur Wahl zur Verfügung zu stellen. «Er war selbst 16 Jahre lang Friedensrichter in Aarau und steht mir mit Rat und Tat zur Seite.»

Den Wunsch, Friedensrichter zu werden, hegt Rellstab bereits seit einiger Zeit. Die letzte Wahl verpasste er knapp. «Ich habe nun fast vier Jahre warten müssen, um mich zu melden», sagt er. Für die Aufgabe habe er die nötige Ausbildung, genug Lebenserfahrung und einen gesunden Menschenverstand, ist er sicher. «Ich habe während meines Betriebsökonomiestudiums oft das Schweizerische Obligationenrecht und das Zivilgesetzbuch gewälzt und verfüge daher über ein gutes Rechtsverständnis», so der zweifache Familienvater.

In Abu Dhabi und im Cockpit bewältigte er Konflikte

Seine spätere Tätigkeit als Kundenberater einer Bank in der Schweiz und in Abu Dhabi lehrte ihn zudem, mit Konflikten umzugehen. «Als Kundenberater kriegst du alles ab. Die Kunden sitzen mit dir am Tisch und nicht mit dem CEO der Bank», sagt Rellstab. Um dafür gewappnet zu sein, absolvierte er wiederkehrend zahlreiche Kommunikations- und Feedbackschulungen. Mittlerweile hat er den Aktenkoffer aber mit der Pilotenuniform getauscht. Seit elf Jahren fliegt Rellstab als Pilot für die Swiss. «Es war schon immer mein Traum, Pilot zu werden. Doch als ich die Ausbildung in Angriff nehmen wollte, durchkreuzte das Swissair-Grounding im Jahr 2000 meine Pläne», erzählt Rellstab, der in Grüt im Zürcher Oberland aufgewachsen ist. Als Swiss die Ausbildung acht Jahre später wieder anbot, packte er seine Chance.

Streit schlichten musste er auch in diesem Beruf bereits einige Male. «Es ist wichtig, dass Probleme am Boden gelöst werden. Doch es kam auch schon vor, dass es im Flugzeug Unstimmigkeiten gab und man dann aus dem Cockpit heraus die Situation lösen musste», sagt Rellstab. Doch auch dafür werde man geschult.

Seit dem Ausbruch der Coronapandemie im März 2020 hat er nur noch selten abgehoben. «Ich habe Kurzarbeit, mache aber oft Übungen im Simulator. Es ist wichtig, dass wir die Flugroutine nicht verlieren», sagt Rellstab. Dass er bei normalem Flug- und Reisebetrieb zu wenig Zeit für das Friedensrichteramt haben könnte, findet er nicht. «Ich bin während Langstreckenflügen zwischendurch drei Tage am Stück unterwegs, dann aber auch wieder drei Tage lang zuhause. So kann ich mir die Termine und die Zeit gut einteilen. Zudem kann ich mich auch im Ausland in den Hotels auf die Fälle vorbereiten», sagt Rellstab, der in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Motorrad fährt.

«Das Amt hat nichts mit Politik zu tun»

Da ihn nicht nur die SVP, sondern auch die FDP und die CVP unterstützen, rechnet er sich gute Chancen aus. «Wichtig ist mir aber, unvoreingenommen zu sein. Das Amt hat nichts mit Politik zu tun. Die Herkunft und das Geschlecht der involvierten Personen spielen keine Rolle. Mein Ziel ist es, objektiv zu urteilen», sagt Rellstab.

Ihm ist es ein Anliegen, dazu beizutragen, dass Konflikte kommunikativ, kreativ und ohne rechtliche Schritte gelöst werden können. «Ich möchte Leuten auf einem einfachen Weg mit einer Sitzung helfen können. Ein Rechtsstreit kostet Geld, Ressourcen und Nerven.»