Wettingen
24.02.2021

Sie sieht sich als Vermittlerin

Andrea Kleger will die Perspektiven der Parteien erweitern. (Bild: Sibylle Egloff)

Andrea Kleger will die Perspektiven der Parteien erweitern. (Bild: Sibylle Egloff)

Andrea Kleger aus Wettingen bewirbt sich als Friedensrichterin. Sie punktet mit ihrer Erfahrung als Geschäftsführerin und ihren Kenntnissen in interkultureller Kommunikation.

Von: Sibylle Egloff

Nach acht Jahren Wohnsitz in Wettingen will sich Andrea Kleger für die Gemeinde und die Region einsetzen. «Das Friedensrichteramt bietet sich dafür an. Mir liegt es, zu vermitteln und verschiedene Perspektiven einzunehmen», sagt die 41-Jährige. Deshalb will sie die Nachfolge von Parteikollegin Manuela Ernst (GLP) antreten, die nach erfolgreicher Wahl in den Grossen Rat ihr Amt abgibt. Neben ihr kandidiert auch Martin Rellstab (SVP) aus Würenlos für die Ersatzwahl des Friedensrichteramtes für die Gemeinden Wettingen, Würenlos, Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach und Bergdietikon.

Geeigneter politischer Einsatz als Mutter und Managerin

Seit 2019 ist Kleger Mitglied der GLP-Ortspartei. «Als dreifache Mutter ist mir wichtig, dass das Amt nicht auf Kosten der Familienzeit geht. Ich bin jedoch Geschäftsführerin einer eignen Firma und kann meine Arbeitszeit flexibel einteilen und entsprechend meine Aufgaben als Friedensrichterin priorisieren», sagt Kleger. 2012 gründete die Maschinenbauingenieurin mit einem Kollegen in Wettingen ein Softwareunternehmen, das Firmen auf dem Weg zur Digitalisierung hilft. «Das Geschäft läuft gut, deshalb habe ich die Möglichkeit, mich nun lokal einzubringen.» Vom Friedensrichteramt hörte sie erstmals, als sie sich bei ihrem Beitritt zur GLP mit der aktuell noch amtierenden Friedensrichterin Manuela Ernst austauschte. «Die Aufgabe reizte mich, vor allem weil man unparteiisch an die Sache herangehen muss», sagt Kleger. Zudem entspreche diese Arbeit ihrem Naturell. «Ich löse gerne innert nützlicher Frist Fälle und suche nach Lösungen. In der Politik dauert es teilweise Jahre, bis man etwas bewirken oder verändern kann. Als Friedensrichterin sehe ich das Resultat meiner Arbeit bereits nach ein paar Stunden.»

Mit ihrer Kandidatur bringt Kleger zudem ihre Wertschätzung für die Milizpolitik zum Ausdruck. «Ich bin ein Fan dieses Systems und halte es für den richtigen Weg. Die enge Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Sozialem ist eine Stärke der Schweiz.» Es sei wichtig, dass nicht nur Berufspolitiker und im Falle des Friedensrichteramtes nur Juristen diese Aufgaben übernehmen würden.

Zugute kommt Kleger ihr zweijähriges Nachdiplomstudium in interkultureller Kommunikation. «Meine Ausbildung beinhaltete Themen wie Siedlungsbau, Vermeidung von Gettoisierung und den Stellenwert der Kultur für die Gesellschaft», sagt die Firmengründerin. Diese Kenntnisse seien ihr bei der Friedensrichterarbeit bestimmt dienlich, findet Kleger. «Es hilft mir, zu verstehen, woher die Leute kommen, wie ihre Situation aussieht und vor allem, was sie vom direkten Austausch erwarten.» Im besten Fall könne sie nicht nur die einzelnen Perspektiven der beiden Parteien nachvollziehen, sondern diese erweitern, damit beide die anderen Seiten verstehen.

Gemeinsam hinsitzen, statt andere urteilen zu lassen

Klegers Ziel ist es, dass die zerstrittenen Parteien selbst eine Lösung finden, mit der beide leben können. «Heutzutage wünschen Leute oft einen juristischen Entscheid. Ich finde es wichtig, dass man gemeinsam hinsitzt und den Konflikt löst, statt jemanden anderen darüber urteilen zu lassen.» Sie nehme dabei die Aufgabe der Vermittlerin ein. Die Erfahrung und Fähigkeit dazu habe sie sich nicht nur als Geschäftsführerin, sondern auch während ihrer jahrelangen ehrenamtlichen Arbeit für die Pfadi angeeignet.

Die Mutter und Managerin, welche neben der GLP von der SP und den Grünen unterstützt wird, rechnet sich gute Chancen für die Wahl aus. «Es wird wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen», sagt Kleger. Insgeheim hofft sie auf ihren Sieg. «Ich würde mir wünschen, dass eine Frau dieses Amt besetzt. Man hört immer wieder, dass sich zu wenige Frauen in der Milizpolitik zur Verfügung stellen. Auch das habe ich mir zu Herzen genommen. Jetzt liegt es an den Stimmberechtigten.»