«Wir haben nie aufgegeben»

Die Schwestern Brigitte Carlyle und Marion Wey betreiben das Spielwarengeschäft Playland in zweiter Generation und zelebrieren heuer das 60-jährige Bestehen. Wie sie es trotz vieler Herausforderungen zum Jubiläum geschafft haben und wie es weitergeht.
Ballone mit den Zahlen 6 und 0 sowie Jubiläumsangebote weisen auf den runden Geburtstag des «Playland» an der Staffelstrasse 61 beim Rabenkreisel in Wettingen hin. «Wir sind stolz, dass wir unser 60-Jähriges feiern können», sagt Brigitte Carlyle. Sie engagiert sich seit 50 Jahren im Spielwarenladen und führt ihn seit 2005 mit der Unterstützung ihrer jüngeren Schwester Marion Wey.
Das Jubiläum sorgt für Gesprächsstoff im Fachgeschäft neben der Landstrasse. «Die Leute können es kaum glauben, dass es uns schon so lange gibt», erzählt Brigitte Carlyle. «Viele wollen wissen, wie wir das geschafft haben.» Sie wisse es manchmal selbst nicht, sagt die 65-Jährige und lacht. Denn: «Uns stand das Wasser schon einige Male bis zum Hals.» Doch: «Wir haben nie aufgegeben.» Geholfen habe sicherlich, dass man ein Familienbetrieb sei, sagt Carlyle. «Meine Schwester und ich führen den Laden mit Herzblut und zählen nicht alle unsere Überstunden oder gehen für acht Wochen in die Ferien.»
Gegründet haben das Spielwarenfachgeschäft ihre Eltern Rosmarie und Bruno Bodenmann am 16. Februar 1966. «Noch heute gibt es Kundinnen und Kunden, die unseren Laden nicht ‹Playland›, sondern ‹Bodenmann› nennen», sagt Brigitte Carlyle und lacht. So hiess das Geschäft in der Anfangszeit.
Shoppi-Eröffnung mit Auswirkungen
Obwohl sich das «Playland» über all die Jahre behaupten konnte, hatte es einige Herausforderungen zu meistern. Carlyle erinnert sich an die Eröffnung des Shoppi 1970. «Alle rannten nach Spreitenbach ins erste Einkaufszentrum der Schweiz. Das haben meine Eltern zu spüren bekommen.» Zu schaffen machte dem Geschäft auch, als Detailhändler wie Migros und Coop Spielwaren, Papeterie-Artikel und Kleider in ihr Sortiment aufnahmen.
Monatlich wiederkehrende Rabattschlachten von Discountern oder der Black Friday sind Carlyle ein Graus. «Als kleines Fachgeschäft können wir mit diesen Preisen nicht mithalten. Wir haben Miete und Löhne zu bezahlen», sagt die 65-Jährige, deren Team aus vier Angestellten besteht.
Schwierig sei auch die Corona-Zeit gewesen, als man den Laden vom einen auf den anderen Tag habe schliessen müssen. «Wir mussten kreativ werden und räumten unser Schaufenster leer, um der Kundschaft, die draussen wartete, die Spielwaren zu zeigen», erinnert sich Carlyle.
Für Veränderungen sorgten auch die Vorlieben und das Kaufverhalten der Kundschaft. «Früher wurde mehr gespielt. Heute gibt es so viele andere Freizeitaktivitäten. Da überlegt man zweimal, ob man Spielzeug anschafft.» Dieser Zeiterscheinung zum Opfer fielen die Modelleisenbahnen, für die das «Playland» an der Staffelstrasse gleich neben dem heutigen Geschäft einen eigenen Raum eingerichtet hatte. 2013 schloss Carlyle diese Abteilung schweren Herzens. Sie ist nach wie vor der Meinung: «Ein klassisches Spielwarengeschäft sollte Modelleisenbahnen haben. Aber wenn die Kinder nicht mehr damit spielen, bringt es nichts.»
«Uno» hält sich hartnäckig
Die einst beliebten Holzbauernhöfe und Puppenhäuser seien von «Lego», «Duplo» und «Playmobil» abgelöst worden. Hartnäckig gehalten hat sich hingegen «Uno». «Es gehört seit mehr als 30 Jahren zu den beliebtesten Kartenspielen.» Auch das Gesellschaftsspiel «Catan», das Brettspiel «Brändi Dog» oder neuere Spielklassiker wie «Skyjo», «Kluster», «The game» und «Phase 10» seien gefragt. Und auch der neue 100. «Globi»-Band, der ab sofort im «Playland» erhältlich ist, sei sehr beliebt. «Trotz Computern, Tablets und Playstation konnten sich Brett- und Kartenspiele bis heute durchsetzen», sagt Carlyle. «Gesellschaftsspiele sind wichtig für den Zusammenhalt in der Familie», findet sie. Statt vor dem Handy oder Laptop zu sitzen, würden diese Spiele die Gelegenheit bieten, dass die Familie am Tisch zusammenkommt und aktiv Zeit miteinander verbringt – «etwas, das immer rarer wird».
Smartphone und Computer belasten aber nicht nur die Familien, sondern auch das Fachgeschäft. «Der Online-Handel schadet uns», sagt Carlyle. Doch viele Kundinnen und Kunden wüssten die persönliche Beratung im «Playland» auch zu schätzen. «Einen Teddybären kann man online nicht anfassen und ein Spielzeugauto vor dem Bildschirm nicht ausprobieren», sagt Carlyle. Der Kontakt zu den Menschen sei die Stärke eines Fachgeschäfts. Für die Geschäftsinhaberin ist es schön, dass sie viele Familien in den vergangenen 50 Jahren begleiten durfte. «Kunden, die früher als Kinder zu uns kamen, treffen wir heute mit ihren Enkeln an.»
Und wie geht es nach dem runden Geburtstag weiter? «Wir werden angesichts unseres Alters sicherlich nicht mehr zehn oder fünf Jahre anhängen», sagt die 65-Jährige. «2026 und 2027 würden für meine Schwester und mich noch passen.» Wenn sich bereits vorher jemand für das Fachgeschäft interessiere, sei man aber offen für Gespräche.
Dass ihre Töchter oder ihre Neffen den Laden einmal übernehmen werden, steht ausser Frage. «Alle haben andere berufliche Richtungen gewählt.» Und: «Sie haben gesehen, wie viel Arbeit und Präsenzzeit dafür nötig ist.» Trotzdem würde Carlyle sich wünschen, dass es in irgendeiner Art weitergeht. «Ich bin in diesem Betrieb gross geworden, habe hier meine Ausbildung und meine ganze berufliche Laufbahn verbracht. Ich hätte Freude, wenn die Staffelstrasse 61 ein Spielwarengeschäft bleibt.»


