Vereinsfinanzen als politisches Geschäft

Wettingen stimmt am 27. November über die «Initiative für ein lebendiges Wettingen» ab. Eine Kampfabstimmung wird nicht erwartet. Trotzdem ist sie wichtig.

Die «Initiative für ein lebendiges Wettingen» will die Vereinsfinanzierung festigen. Severin Bigler
Die «Initiative für ein lebendiges Wettingen» will die Vereinsfinanzierung festigen. Severin Bigler

Die «Initiative für ein lebendiges Wettingen» steht am 27. November an. Gegner und Befürworter teilen sich in zwei klare Lager auf. «Die Initiative will verhindern, dass weiterhin nach Belieben Abbau an Kultur, Sport, Bibliothek, Leistungen fürs Alter und Freizeitangeboten betrieben werden kann», sagt Leo Scherer, ein Urgestein des Wettinger Einwohnerrates für die Fraktion WettiGrüen. Als eine «Verwässerung der Gewaltentrennung» sieht das Ganze Martin Fricker von der SVP.

«Vereine werden ausgehungert»

Ginge es nach dem überparteilichen Initiativkomitee, würde sich die Gemeinde durch Annahme dazu verpflichten, einen Richtwert für die Förderung von Musikschule, kulturellen Aktivitäten, Bibliothek, Sport- und Freizeitangeboten und Leistungen für Betagte finanziell zu fördern. Viele Vereine könnten ohne diese Unterstützung nicht oder nur knapp überleben, ist man sich hier sicher. Die Verteilung der Gelder wird nach einem Richtwert visiert.

Kari Gruber von der Musikgesellschaft Harmonie Wettingen-Kloster berichtet, dass sein Verein finanziell ausgehungert würde. «Bald können wir uns keinen Dirigenten mehr leisten.» Wichtig für die Initianten: Die Initiative würde nicht nach mehr Geld verlangen, sondern nach einer gerechteren Verteilung. Christa Camponovo weist auf ein weiteres Detail der Vereinsfinanzierung hin. Viele Vereine würden nur vom Kanton unterstützt, wenn sie zeitgleich von der Gemeinde unterstützt werden. Das sei beispielsweise bei der Zauberlaterne der Fall. «Wenn diese Gelder gestrichen werden, fällt auch der namhafte Beitrag des Kantons weg.»

«Auf lange Sicht nicht bezahlbar»

Fricker hingegen sieht nicht viel Gutes in der Initiative. «Auf lange Frist wird dieses Geld in anderen Kassen fehlen. Wettingen kann sich eine solche Verfassungsänderung nicht leisten.» Zudem sehe er eine «Verwässerung der Gewaltentrennung». Es sei unsinnig, in der Gemeindeordnung starre Ausgabenprozente vorzuschreiben. «Die Initiantinnen und Initianten streuen der Bevölkerung Sand in die Augen», ist für ihn klar.

Ganzer Abstimmungskampf ist

 

wie ein Endspurt

Dass die Initiative zustande kommt, wissen Initianten und Gegner erst seit Oktober. So sind wohl auf beiden Seiten keine zu grossen Kämpfe zu erwarten. Die Initianten planen, Flyer in die Haushaltungen zu senden, kleine Plakate an Kandelaber anzubringen und die Vereine direkt anzuschreiben. «Wir werden schon unterwegs sein», meint Mitinitiantin Christa Camponovo. Die richtungsweisende Abstimmung ist am 27. November.

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