In der Jubla Freunde fürs Leben gefunden

10500 Kinder und Leiter von Jungwacht und Blauring reisen für ihr nationales Pfingstlager vom 7. bis 9. Juni nach Wettingen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – mittendrin Co-Präsidentin Olivia Klein.

Olivia Klein organisiert als Co-Präsidentin das nationale Pfingstlager von Jungwacht Blauring mit, das in Wettingen stattfindet. Melanie Bär

«Wir hatten einen kleinen Zwischenfall in der Pause», sagt Olivia Klein, kurz nachdem sie ihr Velo im Tägi abgestellt hat. Deshalb musste die Primarlehrerin zügig fahren, um es von Nussbaumen trotzdem rechtzeitig zum Interview nach Wettingen zu schaffen. Doch flexibles Reagieren ist die 26-Jährige gewohnt. Diese Fähigkeit hat sie sich nicht erst als Lehrerin angeeignet, sondern schon während ihrer Zeit im Blauring. 18 Jahre lang war sie aktiv im Kinder- und Jugendverband; zuerst als Teilnehmerin und dann als Leiterin. Mittlerweile leitet sie auch Kurse – in einem Modul geht es um Sicherheit im Wasser.

«Blauring war für mich eine Lebensschule und hat mein Leben massgeblich geprägt, wohl deshalb bin ich auch Lehrerin geworden», sagt sie. Als Mädchen habe sie es geliebt, mit ihren Gruppengspänli unter freiem Himmel zu übernachten, am Lagerfeuer zu sitzen oder während der Gruppenstunden zu basteln. «An die Pyjamaparty im Jugendhüsli erinnere ich mich noch heute zurück», sagt sie und lacht. Ebenso an die eigene Leiterzeit: «Obwohl wir noch jung waren, durften wir selber mitgestalten und Verantwortung übernehmen.»

Ein Highlight? Olivia Klein überlegt, erzählt, dass sie immer wieder Zirkus als Motto des Sommerlagers vorgeschlagen hatte, aber nie Gehör fand. «Das wäre jetzt eher eine Frusterfahrung», sagt sie und fügt lachend an: «Aber es wurde Jahre später dann doch noch zum Highlight, als wir in einem Ausbildungskurs einen Zirkus aufbauten.»

 

Lebensfreu(n)de

Zu einem Höhepunkt wird wohl auch das bevorstehende nationale Pfingstlager werden, vermutet Klein, die in Wettingen aufgewachsen ist und nun in Ennetbaden wohnt. «Es ist wirklich so, wie das Verbandsmotto lautet, ich habe in der Jubla Lebensfreunde gefunden.» Sagt es und zeigt auf ihren Pullover, auf dem das Wort Lebensfreu(n)de eingestickt ist. Ein Teil der Freundschaften, die sich als damals 9-Jährige in der Gruppenstunde bildeten, halten noch immer. «Viele der Ehemaligen helfen im OK mit. Der Wettinger Anteil ist überdurchschnittlich hoch. Auch aus meiner eigenen ehemaligen Blauringgruppe helfen einige mit.»

Seit mehr als drei Jahren ist das 100-köpfige Organisationskomitee am Vorbereiten. Etwa 59000 ehrenamtliche Stunden werden sie für die Durchführung des Lagers leisten. Seit anderthalb Jahren steht Klein dem OK zusammen mit einem ehemaligen Jubla-Leiter aus dem Kanton Luzern vor. Es werden Personen aus 17 und somit allen Kantonen anreisen, in denen der Jugendverband tätig ist. Nur etwa alle zehn Jahre wird eine solche Grossveranstaltung durchgeführt. Gemäss Verbandsmedienmitteilung wird sie sogar von Bundesrätin Viola Amherd unterstützt, die sich einst im Blauring Glis engagiert hat: «Kinder und Jugendliche lernen in der Natur Teamgeist, Selbstvertrauen und den respektvollen Umgang miteinander – das sind Erfahrungen, die fürs Leben prägen.»

 

Viel Arbeit im Voraus

«Jetzt geht es nicht mehr lange», sagt Olivia Klein, als sie Ende Februar auf dem Parkplatz vor dem Sportzentrum Tägerhard steht und auf die dahinterliegende Wiese zeigt. «Hier auf dem Rasen werden Bodenplatten verlegt und eine Bühne aufgestellt und dort bei der Kiesgrube entsteht die Zeltstadt.» Eine grosse Zeltstadt, die genug Platz für die 261 lokalen Gruppen bietet, die am grössten Schweizer Zeltlager in diesem Jahr teilnehmen. «Es war schwierig, einen Ort zu finden, der die nötige Infrastruktur bietet, gut am öffentlichen Verkehr angeschlossen und gross genug ist», sagt Olivia Klein.

3 Millionen Franken beträgt das Budget für die drei Tage. «Die höchsten Ausgaben sind unter anderem Essen und Zugfahrt», so Klein. Mit Crowdfunding, Sponsoring und Teilnahmegebühren von 90 Franken sowie Beiträgen von Jugend+Sport will man die Ausgaben decken. Aus zeitlichen und logistischen Gründen wird «nur» das Essen für die 400 bis 600 freiwilligen Helfer selbst gekocht; die Verpflegung der über 10500 Teilnehmenden wird geliefert.

Wie viele andere OK-Mitglieder nimmt auch Klein unbezahlten Urlaub, um beim Aufbau zwei Wochen vorher mitzuhelfen: Nicht nur die Zeltstadt, grosse Blachenzelte und ein einzigartiges Eingangstor werden auf dem Gelände rund ums Tägi aufgebaut, sondern auch zahlreiche sanitäre Anlagen, Schattenspender, Infopoints und Ateliers. Die Jubla und andere Kinder- und Jugendverbände sind bekannt dafür, dass sie die Lager mottoentsprechend dekorieren. «Unser Motto lautet Jublasurium, das Lager wird sozusagen zu einer Insektenkonferenz, wo spielerisch thematisiert wird, dass die Umwelt aus dem Gleichgewicht geraten ist und wir Insekten nun nach Lösungen suchen», sagt Olivia Klein. Mit dem vegetarischen Essen und der Anreise zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr setzt man bereits ein Zeichen, sagt die junge Frau, ehe sie aufs Fahrrad steigt und nach Hause fährt. Schliesslich will sie nicht nur für Jubla-Kinder ein Vorbild sein.

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