Ex-Armeechef tritt am ersten «Tägi-Talk» auf

Am nächsten Dienstag findet zum ersten Mal ein «Tägi Talk» statt. Der ehemalige Chef der Schweizer Armee, Thomas Süssli, spricht über die Schweiz in einer «unordentlichen Weltordnung».

«Wir haben schon lange geplant, zu verschiedenen Themen Vorträge durchzuführen und so neue Personenkreise anzusprechen», sagt Roland Kuster. Der ehemalige Wettinger Gemeindeammann hilft in seiner Rolle als Verwaltungsratspräsident der Tägi AG beim Organisieren dieser Anlässe mit. Dass als erster Redner Thomas Süssli, der ehemalige Chef der Schweizer Armee, auftritt, ist kein Zufall. Wettingen ist Süsslis Heimatort. Kuster hat ihn an einem militärhistorischen Anlass in Wettingen kennengelernt: «Wir wünschen uns beide eine gut ausgebildete und ausgerüstete Schweizer Armee.»

Süssli wird zum Thema «Die Schweiz in einer unordentlichen Weltordnung» referieren. Für ihn ist klar: Die Zeitwende ist längst eingetreten. «Die bisherige regelbasierte internationale Ordnung ist in Frage gestellt oder ganz ausser Kraft. China, Russland, aber auch die USA üben direkte Machtpolitik aus», erklärt er. Die Schweiz sei nicht in einer Transition, sondern einer neuen, multipolaren Ordnung. Für ein kleines Land wie die Schweiz, welches bisher auf multilaterale Verhandlungen und Regeln angewiesen war, stelle sich die Frage, wie sie sich positionieren solle. «Aussitzen ist keine Option, denn die Welt wird nicht mehr so sein, wie sie es einmal war», sagt er. Der kanadische Premier Mark Carney habe es in Davos treffend gesagt: «Nostalgie ist keine Strategie.»

«Hoffnung ist keine Strategie»

In seinem Vortrag will sich der 59-Jährige auf «die drei grossen Pole dieser multipolaren Welt» konzentrieren. Die Ereignisse in Venezuela, im Nahen Osten, im Südchinesischen Meer und sogar in der Ukraine seien eine direkte Folge daraus. «Ich werde die neue Weltordnung erläutern aus politischer, wirtschaftlicher und technologischer Sicht, dann auch die Konsequenzen für die Schweiz und schliesslich drei mögliche Szenarien für die Zukunft aufzeigen.» Ziel seines Vortrags sei es, zum Handeln aufzurufen. «Hoffnung ist keine Strategie.»

Süssli war sechs Jahre lang Chef der Armee und trat Ende 2025 zurück. In diese Zeit fiel mit der Corona-Pandemie die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine weitere grosse Herausforderung war der Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar 2022. Wegen der dadurch verschlechterten Sicherheitslage in Europa setzte er sich dafür ein, die Armee verteidigungsfähig zu machen und die internationale Kooperation zu stärken. Zudem baute er das Cyberkommando auf. In seinem Abschiedsinterview sagte er gegenüber SRF, dass die Lage für Europa gefährlicher geworden ist. «Desinformation, Cyberangriffe, Sabotage und Spionage sind in Europa Alltag geworden.»

Künftig gibt er sein Wissen in Geopolitik, Cyber, Digitalisierung und Leadership auf Mandatsbasis weiter. Wer den ehemaligen Armeechef persönlich treffen will, hat am nächsten Dienstag Gelegenheit dazu. Im Anschluss an den Vortrag gibt es eine moderierte Fragerunde.

Dienstag, 10. März, 19 Uhr Einlass; 19.30 Uhr Beginn Referat, Tägi Wettingen. Eintritt frei, im Anschluss gibt es einen Apéro.

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