«Solche Situation nie dagewesen»
Die lang anhaltende Hitzeperiode setzt dem Wald zu. Die Limmatwelle war mit Förster Peter Muntwyler in Spreitenbach unterwegs.
Erster Halt ist die Aufforstungsfläche Althard: Im Hintergrund rauschen die Fahrzeuge auf der Autobahn vorbei. Die grosse Fläche zeigt sich trocken. «Hier haben wir enorm viele Ausfälle», sagt Peter Muntwyler. Die Ersatzaufforstung für eine Rodungsfläche sei herrlich angewachsen, konnte von der Winterfeuchtigkeit profitieren. Doch dann kamen die Hitze und die Trockenheit. In diesem Bereich hat das Team des Forstbetriebs Heitersberg verschiedene Pflanzen wie den Wolligen und den Gemeinen Schneeball im Strauchgürtel angepflanzt. Auch Holunder, obwohl etwas heikel, dazu klimaresistentere Vogelbeeren, Föhren und als Versuch Seidelbast wurden auf der grossen Fläche angepflanzt. «Allem Bewährten muss man die Möglichkeit geben, sich anzupassen. Dies aber unbedingt in Kombination mit neuen Arten», findet er.
Diese Situation, lang anhaltende Trockenheit kombiniert mit grosser Hitze, sei so noch nie dagewesen, erklärt der Förster. Damit einhergehend wachsen die Unsicherheit und die Herausforderungen. Bei allem Negativen möchte Peter Muntwyler auch das Positive hervorheben. «Ich bedanke mich bei der Bevölkerung für die Einhaltung des Feuerverbotes im Wald. Auch, dass sich die Leute an das Feuerwerksverbot am 1. August hielten, zeigt, wie bewusst den Menschen die Situation ist.»
«Möchte zum Nachdenken anregen»
«Der Gesundheitszustand des Waldes ist besorgniserregend», meint er weiter. Dennoch wolle er keine Panik auslösen, sondern einfach darauf aufmerksam machen. «Ich möchte zum Nachdenken und noch besser zum Handeln anregen. Hilfreich ist sicher, sein eigenes Konsumverhalten zu überdenken und wenn möglich anzupassen.»
Wir fahren entlang dem Limmatuferweg. Die Natur reagiert. Pflanzen wachsen vorsichtiger, machen mehr Wurzeln und weniger Kronen. Und selbst mit diesem «Training», so Muntwyler, sehe es trotzdem an vielen Orten braun aus.
Auch wenn genügend Wasser im Boden wäre: Die Trockenheit und die Hitze sind so gross, dass die Bäume nicht nachkommen, Wasser zu transportieren und zu verdunsten. Peter Muntwyler zieht den Vergleich mit einer Tomate: Auch wenn man ihr jetzt Wasser gäbe, dann lasse sie ihr Laub hängen.
Jetzt sei aber die Situation im Wald noch schlimmer: Die Bäume haben nichts zu trinken. Da gibt es solche, welche sich einigermassen helfen können: Einige Bäume könnten die Spaltöffnung schliessen, dort, wo die Transpiration stattfindet, also der Gasaustausch, wo Sauerstoff und Zucker produziert werden. So wird der ganze Prozess heruntergefahren. Andere Bäume, welche das nicht so gut könnten, haben Nährstoffe aus den Blättern zurückgezogen und lassen sie fallen – damit sie nicht stehend verdursten. Auf dem Vita-Parcours-Weg sind einige Teilstücke mit Laub übersät – wie wenn es schon Oktober wäre.
Auch für Förster ist Risiko gross
Die Förster tauschen sich untereinander aus, beraten, wie sie die Leute informieren sollen. «Auch für uns ist es risikoreich. Es gelten waldübliche Gefahren, ein Ast kann abbrechen», sagt er. Er rät, die nötige Aufmerksamkeit walten lassen.
Peter Muntwylers schätzt, dass es Jahre braucht, bis sich der Wald wieder erholt hat. Für die Bevölkerung könnten zwei Wochen Dauerregen den Eindruck erwecken, dass dies schon reiche. Doch bei den Bäumen und Pflanzen, «für all das, was die Füsse im Boden hat», brauche es bedeutend mehr, so Muntwyler und macht ein Beispiel: «Mit zwei Monaten Dauerregen, sodass der Boden das Wasser auch aufnehmen kann, würden sich die obersten Kapillaren auffüllen, sodass der Boden wieder feucht ist.»
Buche ist besonders betroffen
Auch Förster Moritz Fischer, der für die Gemeinden Wettingen, Würenlos und Neuenhof verantwortlich ist, zeichnet dasselbe Bild: «Auch bei uns gibt es sehr deutliche Anzeichen für die momentan vorherrschende Trockenheit und Hitze im Wald.» Besonders sei die Hauptbaumart Buche betroffen, sagt er. In der Gemeinde Neuenhof sind Kuppen am Chrüzli- und am Buechberg betroffen. In Wettingen und Würenlos dagegen seien es die Südhänge, an welchen die Buchen ebenfalls von vorzeitiger Laubverfärbung und Laubabwurf betroffen seien.
«Welche Schäden genau entstanden sind, werden wir im nächsten Frühling feststellen können», erklärt der Förster. Das Ausmass der Schäden hänge auch mit dem Wetter im Herbst, Winter und Frühling zusammen. «Der nächste Sommer wird ebenfalls entscheidend sein, je nach Hitze und Trockenheit.» Es sei ihre Hauptaufgabe, die Leute zu diesem Thema aufzuklären und zu sensibilisieren.








