Jugendliche nach gelöstem Konflikt wieder motiviert

Neue Regeln, neue Angebote, neue Stimmung: Nach einer schwierigen Zeit ist im Jugendtreff wieder Ruhe eingekehrt. Warum der Ausschluss älterer Schüler wirkte – und was das für jüngere bedeutet.
«Jugendtreff Spreiti» steht auf dem Plakat an der Glastür des Schulhauses Glattler. Im Untergeschoss sind mehrere Töggelikasten neben einer beleuchteten Bar verteilt. Im ganzen Raum stehen mehrere Sofas. Daneben stehen Stehleuchten und kleine Tischchen mit Kunstpflanzen. Anfang Jahr wurde ein neuer Boden verlegt. «Uns ist es wichtig, dass es freundlich aussieht», sagt Jelena Perez, Bereichsleiterin der Jugendarbeit.
«Denn die Broken-window-Theorie hat sich bewahrheitet, ist mal etwas kaputt, folgt meist das nächste», erklärt Jugendarbeiterin Virginia Imhof, wieso man so grossen Wert auf eine gepflegte Einrichtung legt. Perez zeigt auf die Blumendeko auf dem Tischchen. «Vor einem Jahr wäre so etwas nach einem Abend defekt gewesen.»
Auch Lehrpersonen schlugen Alarm
«Vor einem Jahr» – dieser Satz wird von den beiden Frauen mehrmals genannt. Als Perez im Februar 2025 die Bereichsleitung übernommen hat, sei das Klima «schwierig» gewesen, beschreibt Perez diplomatisch und findet im persönlichen Gespräch noch deutlichere Worte dafür. Zwar seien zwischen 50 und 70 Jugendliche an die wöchentlichen Jugendtreffs gekommen. Vorwiegend männliche 3.-Oberstufe-Schüler. «Sie hielten sich kaum an Regeln, beschädigten Mobiliar und tyrannisierten die anderen.» Jüngere oder weibliche Besucherinnen kamen kaum mehr. «Einige Querschläger wollten die Macht an sich reissen.» Imhof bestätigt, was ihre Chefin sagt. Sie arbeitet seit vier Jahren als Jugendarbeiterin in Spreitenbach und war froh um den Wechsel, den Perez initiierte. Die Situation war nicht nur im Jugendtreff «unerträglich». Auch Lehrpersonen hatten Alarm geschlagen. Mit dem Projekt «Chance Spreiti» hat die Gemeinde reagiert (die Limmatwelle berichtete). Seit Herbst 2024 erarbeiten verschiedene Fachpersonen aus der Gemeinde Massnahmen. Um Erfolg zu haben, muss man früh ansetzen, nicht erst im Jugendalter. Das war eine der Erkenntnisse, die eine Analyse des Ist-Zustands ergab. Zudem: Erziehungsberechtigte und kultureller Hintergrund müssen miteinbezogen werden.
Sitzstreik als erste Massnahme
Die Jugendarbeiterinnen entschieden, nicht so weiterzumachen. Sie warteten im März 2025 vor verschlossener Tür auf die Jugendlichen. Beim Apéro diskutierten sie mit ihnen über gegenseitige Erwartungen. Gemeinsam einigte man sich auf Verhaltensregeln. Als sie nach einem Monat den Treff wieder öffneten, ging es gut – einmal. Danach artete es wieder aus. Die Jugendlichen warfen Essen herum. Die Jugendarbeiterinnen brachen den Wiedereröffnungsanlass ab, schickten die Jugendlichen heim. Sie entschieden, die ganze Gruppe der 3.-Oberstufen-Schüler auszuschliessen.
Zusammenarbeit mit der Schule
«Wir merkten, dass wir an sie nicht rankommen, und konzentrierten uns auf die jüngeren Jugendlichen», sagt Perez. Sie begann, mit der Schule zusammenzuarbeiten und so die Anonymität der Kinder aufzuheben. Die Jugendarbeiterinnen sassen mit den jüngeren Jugendlichen zusammen. Diese wollten, dass der Jugendtreff wieder öffnet. Doch die Jugendarbeiterinnen liessen sich Zeit, gingen über die Bücher und entwickelten zusammen mit den Jugendlichen neue Angebote. «Wir waren dankbar um die Rückendeckung der Behörden. Sie erlaubten uns, nicht mehr alle aufnehmen zu müssen.»
Neue Angebote für die Jüngeren
Im Mai starteten sie mit dem ersten neuen Angebot: «Spiel und Grill». Im Garten des Jugendhauses, das sich neben dem Jugendtreff befindet, trafen sie sich zum Grillieren und Spielen mit den Kindern bis zur 6. Klasse. Später machten sie einen Familienanlass daraus, luden auch Eltern dazu ein.
Es wurden weiter Angebote für verschiedene Altersklassen, für Mädchen und für Jungs geschaffen.
Auch ein Jugend-Café, wo Hausaufgaben gemacht werden können, und der Boys-, Girls- und Jugendclub. Aufs neue Schuljahr hin öffnete auch der Jugendtreff wieder. Allerdings mit unterschiedlichen Öffnungszeiten für die 4.- bis 6.- und die 7.-9.Klässler. «Es hat funktioniert. Selbst als Jüngere und Ältere am Eröffnungsanlass nach der Bodensanierung gemeinsam im Treff waren.» Perez vermutet, dass es mit der Abwesenheit der ehemaligen 9.-Klässler zusammenhängt. «Es tönt vielleicht komisch, aber ich hatte Tränen in den Augen, als ich sah, wie die älteren Jungs den jüngeren Mädchen Platz machten, damit sie in Ruhe Billard spielen konnten. Ein solches Miteinander wäre früher undenkbar gewesen», sagt Perez.
Jugendliche engagieren sich
Sind damit alle Probleme gelöst? Die Jugendarbeiterinnen schütteln den Kopf. «Es dauert länger. Und wir müssen achtsam sein, damit wir merken, wenn es in die falsche Richtung kippt», sagt Perez. Sie will das Positive und die Mitwirkung künftig noch mehr stärken und bei negativer Entwicklung gegensteuern.
Ideen für künftige Projekte mit den Jugendlichen hat sie noch viele. Zum Beispiel «Clean Force». Damit will sie Jugendliche auf Littering sensibilisieren und dazu beitragen, dass Jugendliche in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden. «Denn Spreitenbach hat so viele tolle, interessierte, kooperative und engagierte Jugendliche», so Perez.
Ein Team von vorerst sechs Jugendlichen sammelt dreimal im Jahr Abfall zusammen. Am Waldreinigungstag hatten sie einen weiteren Einsatz. Auch am Tabakpräventionsprojekt «Step to drop» beteiligen sie sich und sammeln mit den Jugendlichen Zigarettenstummel ein. Denn nicht nur im Jugendraum soll es sauber und freundlich sein, sondern in der ganzen Gemeinde, finden die Jugendarbeiterinnen.
Angebote der Jugendarbeit
Treffangebot «Jats» mit Kiosk, Spiel und Spass, jeden Mittwoch im Jugendtreff an der Haufländlistrasse 18: 14–16 Uhr für die Mittelstufen- und 16–18 Uhr für die Oberstufenschüler.
Jugendcafé mit gemütlichem Zusammensein, Beratungsangebot, Aufgabenhilfe, Bewerbungshilfe, Kiosk: jeden Freitag im Jugend-Club, Haufländlistrasse 28, von 15 bis 18 Uhr für alle Schüler.
Familienevent «Spiel und Grill» mit Spielanimation und Kioskbetrieb, einmal im Monat.
«Clean Force», dreimal pro Jahr, erstmals am 9. Mai. (zVg)


