Kein Gespräch mit Fremden führen

Wie sollen sich Kinder verhalten, wenn sie von Unbekannten angesprochen werden? Schulleiter und Polizisten geben nach einem Vorfall Auskunft.

Polizistin Sabine Richner schult Schüler nicht nur im Verkehr. Melanie Bär/Archiv
Polizistin Sabine Richner schult Schüler nicht nur im Verkehr. Melanie Bär/Archiv

Eine unbekannte Frau hat in Spreitenbach im Januar zweimal Unterstufenschülern Süssigkeiten angeboten. Nach diesen Vorfällen sensibilisieren Schulleitung und Regionalpolizei Kinder und Eltern erneut für das Thema. In einem Elternbrief rät Beat Schenk, Schulleiter der Primarschule Seefeld: «Nichts nehmen, sich auf kein Gespräch einlassen, davonlaufen, den Eltern den Vorfall erzählen.»

Die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal, die von Schenk über die Vorfälle informiert wurde, rät Ähnliches. «Wir schulen die Kinder bereits im Kindergarten, sich gar nicht erst auf ein Gespräch einzulassen, wenn sie von einer unbekannten Person angesprochen werden, sowie den Vorfall der Lehrperson oder den Eltern zu melden», sagt Sabine Richner. Sie ist Gruppenchefin für die Verkehrsinstruktion bei der Repol und instruiert die Kinder bereits im Kindergartenalter. Sie lehrt ihnen nicht nur den Umgang im Verkehr, sondern eben auch mit fremden Personen. «Wichtig ist auch, dass der Polizei bei verdächtigen Vorfällen schnell Meldung gemacht wird, damit wir zeitnah handeln können.»

Regionalpolizei hat keine verdächtige Person gefunden

Nachdem die Repol durch die Schulleitung über den Fall in der Primarschule Seefeld informiert wurde, hat sie mehrmals am Mittag patrouilliert. Allerdings ohne eine aufs Profil passende Person anzutreffen. Wie Roland Jenni, Chef der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal, gegenüber dem «Badener Tagblatt» sagte, sei auch unklar, welche Absichten die unbekannte Frau verfolge. Derzeit sei kein strafbares Verhalten erkennbar.

Dass die Eltern trotzdem besorgt sind, hat Schulleiter Beat Schenk nach Erscheinen des «BT»-Artikels gemerkt. Er hat seine Empfehlung im Umgang mit solchen Situationen deshalb auch den Eltern der Dritt- bis Sechstklässler weitergeleitet.

Auch Sabine Richner hat Verständnis für die Achtsamkeit der Eltern. «Wichtig ist, dass nicht nur wir, sondern auch die Eltern ihre Kinder schulen, von fremden Personen nichts anzunehmen, nicht in ein Auto einzusteigen und solche Vorfälle zu melden.» Richner rät, Kinder wenn möglich in Gruppen zur Schule gehen zu lassen und ihnen auch sogenannte Fluchtpunkte aufzuzeigen. «Orte, an denen sie Hilfe holen können, wenn sie sich beispielsweise verfolgt fühlen.» Ein solcher Fluchtpunkt könne zum Beispiel ein Laden auf ihrem Schulweg sein, in dem sie sich an die Kassiererin wenden könnten. Aufbauschen oder Angst machen sei hingegen übers Ziel geschossen, so Richner. Die Polizistin hat schon erlebt, dass ein Grossvater, der seine Enkelin im Kindergarten abholte, als «fremder Mann, der Kindern auflauert» wahrgenommen wurde und für blühende Fantasien der Kinder sorgte. «Nicht immer wird die Situation richtig eingeschätzt. Im Zweifelsfall soll man sich aber lieber einmal zu viel als zu wenig bei der Regionalpolizei melden.»

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