Mit Gelassenheit zum Sieg

Giuseppe Branchina vom Qwan-Ki-Do-Club Spreitenbach holt sich an den Weltmeisterschaften der vietnamesischen Kampfsportart eine Goldmedaille.

Kampfkunstsportler Giuseppe Branchina ist der erste Schweizer Qwan-Ki-Do-Weltmeister. (Bild: Philippe Neidhart)
Kampfkunstsportler Giuseppe Branchina ist der erste Schweizer Qwan-Ki-Do-Weltmeister. (Bild: Philippe Neidhart)

«Nein, das hätte ich wirklich nicht erwartet», sagt der frischgebackene Edelmetall-Athlet Giuseppe Branchina bei einem Treffen an einem Freitagabend im Training in der Turnhalle Boostock. Gerade einmal einen Monat ist es her, dass er hier mit dem Titel des Weltmeisters im Einzeln-Quyen der Schwarzgurtträger ausgezeichnet wurde – als erster Schweizer überhaupt. «Die ersten paar Tage habe ich es überhaupt nicht realisiert – ganz ehrlich. Mittlerweile ist es mir mehr und mehr bewusst geworden.» Eigentlich hätte die Qwan-Ki-Do-Weltmeisterschaft ja im deutschen Cottbus stattfinden sollen, aufgrund der momentanen Situation wurde sie jedoch per Videoübertragung und mit reduziertem Programm durchgeführt.

Traditionsreiche Kampfkunst

Bereits als Kind versuchte sich Branchina in verschiedenen Kampfsportarten wie beispielsweise dem Karate – doch wirklich Gefallen daran finden konnte er nicht. Als ein Kollege allerdings mit einem Vo Phuc – dem traditionellen schwarzen Anzug des Qwan Ki Do – auftauchte, war sein Interesse aufs Neue geweckt. «Kurz darauf ging ich in ein Probetraining und nun bin ich hier», erinnert sich Branchina.

Bei der Sportart handelt es sich um eine Mischung aus vietnamesischen und chinesischen Kampfkünsten, die vor rund 40 Jahren vom vietnamesischen Sportwissenschaftler Pham Xuân Tong ins Leben gerufen wurde.

Doch auch wenn es sich um eine vergleichsweise junge Disziplin handelt, reichen ihre Wurzeln weit in die bewegte Geschichte Vietnams und Chinas zurück. Gekämpft wird sowohl mit Waffen als auch mit blossen Händen – Branchina jedoch haben es besonders die sogenannten Quyens angetan – also genau festgelegte Bewegungsabfolgen, eine Art versteckter Kampf, der gegen bis zu vier imaginäre Gegner ausgefochten wird: «Das ist meine grösste Stärke und Leidenschaft.»

Um die komplexen Abläufe zu beherrschen, investierte er unzählige Stunden; Branchina trainiert am Mittwoch und Freitag in Spreitenbach, am Donnerstag steht jeweils das Training mit der Nationalmannschaft in Zürich auf dem Programm. «Für die Weltmeisterschaft habe ich zusätzlich jeden Abend zu Hause auf der Terrasse geübt. Dort war es teilweise richtig kalt», erzählt er. Doch Kälte scheint dem jungen Erwachsenen nicht viel auszumachen – gelassen steht er barfüssig in der Halle, spricht ruhig und überlegt, immer mal wieder blitzt ein schelmisches Lächeln über seine Lippen.

Meisterschaft und Lehrabschluss

Ist Stress für ihn ein Fremdwort? «Klar gibt es schwierige Momente, ich bin im letzten Lehrjahr als Zahntechniker und die Lehrabschlussprüfung fiel mit der Weltmeisterschaft zusammen», sagt Branchina. Doch da gebe es nur eines, «Step by Step – dran bleiben und dran glauben». Und wahrlich, viel Zeit zum Ausruhen hat er nicht, bis Weihnachten will er die Prüfung zum Meistergrad 1.Dan ablegen.

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