Asiatische Hornisse breitet sich rasant aus
Die Asiatische Hornisse ist auch in der Region auf dem Vormarsch. Warum jetzt auch die Bevölkerung gefragt ist.
«Die ersten Asiatischen Hornissen sind in Wettingen gesichtet worden», postet ein Imker vergangene Woche auf Facebook. Auch der Kommunikationsdienst des Kantons schlägt Alarm. «Die invasive Asiatische Hornisse breitet sich auch im Kanton Aargau weiter aus», schreibt er vor einer Woche in einer Medienmitteilung. Er ruft darin die Bevölkerung zur Mithilfe auf: Wer verdächtige Insekten oder Nester entdeckt, soll sie fotografieren und über die nationale Meldeplattform www.asiatischehornisse.ch melden. Gemäss einer publizierten Karte des Kantons wurden dieses Jahr in Wettingen und Spreitenbach bereits Nester von Asiatischen Hornissen entdeckt.
Der Neuenhofer Stefan Forrer ist froh, dass der Ernst der Lage endlich erkannt wird. Für den Zuchtchef beim Badener Bienenzüchterverein ist klar: «Es handelt sich nicht um ein imkerisches Problem wie viele denken, sondern um eine gesellschaftliche und ökologische Herausforderung.»
Asiatische Hornisse ist ein Vielfrass
Im Vergleich zur Europäischen Hornisse benötigt die Asiatische auf derselben Fläche mehr als fünfzehnmal so viele Insekten als Nahrung. Diese fehlen dann für Vögel und andere Insektenfresser. Auch Wild- und Honigbienen stehen auf dem Speiseplan der Asiatischen Hornisse, was zur Reduktion der einheimischen Insekten- und Artenvielfalt und zu weniger Bestäubungen führt.
Ein weiteres Problem: Erwachsene Hornissen ernähren sich von zuckerhaltigen Flüssigkeiten. Bei weiterer Verbreitung und hoher Häufigkeit kann die Asiatische Hornisse im Obst- und Weinbau zum Schädling werden, warnt der Kanton.
2025 erstes Nest in Neuenhof gefunden
Eine Neuenhoferin entdeckte vergangenes Jahr an ihrem Bananenbaum mehrere Asiatische Hornissen. Die Bewohner fanden in einem Baum in der Nähe der Wohnung in über 30 Metern Höhe das Sekundärnest, wie Forrer weiss. Üblicherweise bauen die Insekten im Frühjahr zuerst ein Primärnest und ziehen aus Platzgründen im Sommer in grössere Sekundärnester in eine Baumkrone um.
«Von diesem Nest aus jagten die Hornissen direkt vor meinem Bienenstand», sagt Forrer. Sie bevorzugen bedeckte Wetterlagen. Etwa 70 jagende Exemplare entdeckte Forrer an einem solchen Tag. Seine Bienen reagierten mit einer Flugstarre. «Ich war selbst überrascht. Zuvor hatte ich nur einzelne Individuen gesehen, plötzlich fand ich eine derart grosse Gruppe beim Jagen.» Er brachte eine Voliere an. Das Gitter beeinträchtigte die Sicht der Asiatischen Hornisse und erschwerte das Jagen.
«Augen offen halten»
Der Kanton ruft dazu auf, Funde umgehend zu melden, damit sie von Spezialisten im Auftrag des Kantons fachgerecht entfernt werden können. Von Insektenfallen rät er hingegen ab. Da es keine spezifischen Fallen für die invasive Art gibt, würden damit auch die erhaltenswerten Insekten gefangen und so heimischen Arten und somit auch der Ökologie geschadet.
Im Vergleich zur herkömmlichen Hornisse ist diejenige aus Asien viel aggressiver und jagt in einem grösseren Umkreis. Der Einstich sei schmerzhaft, aber nicht gefährlicher als der anderer Wespenarten, ausser für Allergikerinnen und Allergiker, so der Kanton.
Wie schnell sich die Asiatische Hornisse vermehrt, bekam Forrer diese Woche selbst zu spüren. In Neuenhof wurden am 1. und 4. Mai erneut Primärnester gemeldet. Ganz in der Nähe von Forrers Bienen. «Ich werde die Augen offen behalten und mich wappnen», sagt er und hofft, dass auch die Bevölkerung sensibilisiert ist und allfällige Funde schnell meldet.






