Auch Otelfingen ist im Rennen

Barbara Schaffner, Gemeindepräsidentin Otelfingen. Yves Roth/Archiv

Barbara Schaffner, Gemeindepräsidentin Otelfingen. Yves Roth/Archiv

Standorte, wo Hitachi ihren Hauptsitz bauen könnte.Quelle: AZ/OSM, Lizenz Odbl 1.0/Kate:let

Standorte, wo Hitachi ihren Hauptsitz bauen könnte.Quelle: AZ/OSM, Lizenz Odbl 1.0/Kate:let

Die Hitachi Energy will ihren Hauptsitz verlegen. Nun ist klar: Neben Wettingen ist auch Otelfingen im Rennen um die mögliche Ansiedlung.

«Das Hitachi-Projekt passt in unsere Industriestrategie», sagt Barbara Schaffner (GLP). Auf Anfrage bestätigt die Gemeindepräsidentin von Otelfingen, dass der Gemeinderat die Bevölkerung vor einer Woche über das Interesse des Konzerns am Standort des ehemaligen Jelmoli-Verteilzentrums im Industriegebiet informiert hat. «Die Bevölkerung hat sehr positiv reagiert», sagt die Politikerin. Gemäss einem Bericht des «Badener Tagblatts» könnte Hitachi Energy auf dem rund 11 Hektaren grossen Areal – bestehend aus dem ehemaligen Jelmoli-Verteilzentrum sowie angrenzenden unbebauten Parzellen – einen Campus für mehrere tausend Mitarbeitende realisieren. Eigentümerin der Flächen ist die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site.

Bereits Anfang Jahr hatte die Gemeinde Wettingen informiert, dass der Tech-Konzern eine mögliche Ansiedlung im Gebiet Tägerhardächer prüft. Dort könnte auf rund 10 Hektaren bis 2035 ein neuer Schweizer Hauptsitz mit einem Campus für etwa 3000 Mitarbeitende entstehen. Klar war, dass Wettingen nicht der einzige Standort ist, der geprüft wird. Nicht klar war jedoch, dass Otelfingen der zweite Standort in der Schweiz ist. «Wir sahen keinen Bedarf, früher zu kommunizieren», sagt Schaffner. Anders in Wettingen: Weil dort für die Ansiedlung eine Umzonung nötig wäre, wurde früh informiert.

Ehemaliges Jelmoli-Verteilzentrum

«Bei uns ist das Gebiet bereits klar für die Industrienutzung vorgesehen», sagt Schaffner. Entsprechend sei kein aufwendiges Planungsverfahren nötig, sondern ein reguläres Baubewilligungsverfahren.

In Wettingen regt sich derweil Widerstand aus Nachbargemeinden – unter anderem wegen des Eingriffs in die Landschaftsspange Sulperg-Rüsler, zusätzlichen Verkehrs und Druck auf den Wohnungsmarkt. Letztere Bedenken bleiben grundsätzlich auch bei einer Ansiedlung in Otelfingen ein Thema. Auch Schaffner geht davon aus, dass sich das Projekt auf den Verkehr auswirken wird, sieht jedoch kein Problem auf der Furttalachse. «Hitachi würde zu einem grossen Teil Logistikbetriebe ersetzen und kaum Schwerverkehr bringen. Zudem könnte die Anbindung an den öffentlichen Verkehr mit dem bestehenden Bahnhof im Industriegebiet nicht besser sein.»

Eine Herausforderung bleibt: Das bestehende Jelmoli-Gebäude steht teilweise unter Schutz und kann nicht vollständig abgerissen werden. Die Aussenhülle sowie gewisse Innenbereiche müssen erhalten bleiben. Kritik kommt in Otelfingen von den heutigen Mietern im Jelmoli-Gebäude. Sie fürchten um ihre Standorte, zeigen laut Schaffner jedoch keinen eigentlichen Widerstand, sondern fordern Alternativlösungen. Die Eigentümerin Swiss Prime Site plant dazu eine separate Informationsveranstaltung.

Höhere Steuern

Für Schaffner ist klar: «Unsere Vorzüge sind das bereits eingezonte Industriegebiet.» Roland Kuster hingegen sagt im Interview gegenüber dem «Badener Tagblatt»: «Das Unternehmen ist ja bereits im Aargau tätig, konkret in Wettingen und Baden.» Für den Standort im Aargau spreche auch, dass Zürich vor einem Jahr tiefere Unternehmenssteuern an der Urne abgelehnt hat und somit im Aargau tiefere Steuern anfallen.

Neben den Steuern führt Kuster auch die sehr gute Verkehrsanbindung und die Möglichkeit ins Feld, in Wettingen auf der grünen Wiese neu zu bauen, während in Otelfingen bestehende Strukturen berücksichtigt werden müssten. Welche Gemeinde den Zuschlag erhält, ist noch offen. Laut Schaffner strebt Hitachi Energy jedoch einen raschen Entscheid an. «Damit der Zeitrahmen eingehalten werden kann, braucht es Gewissheit.»

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