Das letzte Wort

Melanie Bär, Redaktionsleiterin
Melanie Bär, Redaktionsleiterin

«Glaube an dich, male dir dein Ziel vor Augen und gehe mutig deinen Weg – denn am Ende zählt, dass Herz und Seele genährt sind von dem, was dich wirklich erfüllt», sagt Natascha Brêchet am Ende des Interviews (S. 17). Über 50 Jahre hat es gedauert, bis sie ihrem eigenen Ratschlag gefolgt ist und ihren Traum vom eigenen Blumengeschäft mit Café verwirklicht hat. Als Jugendliche wurde ihr davon abgeraten, Floristin zu werden. Ein «brotloser Job» sei das, wurde ihr gesagt. Sie gehorchte, wurde Lehrerin und begann ein Sportstudium. Doch ihr Herz gab keine Ruhe, bis sie – nach vielen Umwegen – vor drei Jahren in Würenlos den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Natascha Brêchet verdeutlicht für mich, dass es nicht einfach ist, herauszufinden, was man wirklich will, und schon gar nicht, das auch umzusetzen. Sicherheit und Ansehen standen dem Herzenswunsch lange im Weg.

Das fiel mir ein, als mir der 21-jährige Dhiaan kürzlich sein Herz ausschüttete. Er arbeitet auf einem anderen Kontinent als Lehrerassistent und bekam die Möglichkeit, ein Studium als Lehrer zu beginnen. Eine tolle Chance für ihn, der ohne Unterstützung und in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Als er mir sagte, dass ihm der Job im Klassenzimmer überhaupt nicht gefällt, schluckte ich erst einmal leer. Ich wusste, dass die Leute, die ihm zum Job verholfen hatten, über einen Abbruch enttäuscht wären. Ihn als undankbar und unüberlegt abstempeln. Er eine Chance vergibt. Als er mich um meine Meinung bat, ging mir das alles durch den Kopf. Ich antwortete nicht, sondern fragte ihn nach seinem Ziel. Seine Augen begannen zu leuchten, als er mir von seinem Kindheitstraum erzählte, «traffic officer» zu werden. Und falls das nicht klappe, wolle er eine Handwerksausbildung machen. Er hat sein Ziel klar vor Augen, ist bereit, den Weg dorthin zu gehen. Hoffentlich findet er – wie Natascha Brêchet–, was ihn wirklich erfüllt.Feedback an:

melanie.baer@chmedia.ch

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