«Das letzte Wort»

Melanie Bär Redaktionsleiterin
Melanie Bär Redaktionsleiterin

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass überdurchschnittlich viele Artikel über Gastrobetriebe erscheinen? Es wird berichtet, wenn ein Pächter wechselt, wenn Sterne verteilt werden oder wenn ein Beizer ums Überleben kämpft. Nicht nur im Print, sondern auch am TV oder online. Es gibt Restauranttester, Kochduelle und haufenweise Influencer, die ihre Kochtipps zum Besten geben.

Warum? Weil diese Beiträge gelesen, geschaut und gelikt werden. Das wurde uns Schreibenden kürzlich an einer Redaktionssitzung wieder einmal eingetrichtert. Warum sie so beliebt sind, blieb hingegen unbeantwortet. Glaubt man ChatGPT, wird mit Gastrogeschichten ein breites Spektrum an menschlichen Bedürfnissen abgedeckt: Erlebnisse, Emotionen, sozialer Treffpunkt etwa.

Essen weckt auch positive Erinnerungen. Beim Spreitenbacher Gemeindepräsidenten Markus Mötteli sind es die hausgemachten Rauchwürstli der Familie Gsell im Restaurant Heitersberg (Artikel S. 7), beim «Rössli»-Koch Hugo Gomes (Artikel S. 10/11) der frisch zubereitete Fisch seiner Mutter in Portugal und bei mir der weltbeste Gugelhopf meiner Grossmutter.

Vielleicht sind die Gründe auch ganz einfach: Essen gehört zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen. Und in schöner Umgebung, in guter Gesellschaft etwas Feines zu essen, tut nicht nur dem Magen, sondern auch der Seele gut. Was auch immer die Gründe sind, warum Gastrobeiträge beliebt sind; ich bin dankbar, wenn ich ab und zu einem Koch über die Schultern schauen oder eine Pächterin interviewen darf. Das inspiriert mich, selber wieder mal ein neues Gericht auszuprobieren oder ein neues Restaurant zu testen. Vielleicht ist das ja auch bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, der Grund, warum Sie lieber Gastrogeschichten lesen, als all die anderen Schlagzeilen. Feedback an:

melanie.baer@chmedia.ch

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