«Das letzte Wort»

«Glück ist nicht selbstverständlich», sagte Stefan Kalt letzte Woche am Interview mit der Limmatwelle. Der Ex-RVBW-Direktor hat vergangenes Jahr einen Aortariss überlebt – nur etwa eine von zehn Personen übersteht einen solchen Schicksalsschlag. Kalt sieht sein Leben nun aus einer anderen Perspektive. Während des Gesprächs gestand er aber auch, dass er nicht weiterleben wollte, als er halbseitig gelähmt und fast blind von der Operation aufwachte.
Wie schafft man es, in einer solchen Krise optimistisch zu bleiben, weiterzukämpfen? Ursprünglich war mit dem griechischen Wort «krisis» ein medizinischer Wendepunkt gemeint; der Patient überlebt oder stirbt. Diese Entscheidung traf Stefan Kalt nicht selbst, wohl aber, was er aus seinem «zweiten Leben» macht, wie seine Frau das Überleben nennt. Sie motivierte ihn, auf seine Fortschritte zu achten. Um selbst stark zu sein, hat sie die Tränen als Ventil für ihre Traurigkeit zugelassen, «danach war ich wieder stark und dankbar, dass er lebt».
Als ich mich nach diesem Interview mit dem Knatsch um die Würenloser Bau- und Nutzungsordnung in Würenlos befasste, kam mir das im Vergleich zu Kalts Lebensgeschichte nichtig vor. Es ist keine Krise, geht nicht um Leben und Tod. Umso mehr sollte es doch möglich sein, sich nicht in Emotionen zu verstricken, einen Konsens zu finden, anstatt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Ich gebe zu, auch ich gehöre zu den emotionalen Menschen, die nicht immer kühlen Kopf bewahren. Doch solche Schicksale holen mich auf den Boden zurück. Auch die Würenloser könnten daraus lernen. Dem Frust ein Ventil geben und dann mit konstruktiver Haltung weitermachen und dabei auch die Fortschritte würdigen. Letztlich ist es im Interesse aller Beteiligten, dass die zweite BNO-Patientin nicht auch noch stirbt.Feedback an:
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