Die Auswanderin

Diese Inkalilien wachsen wie viele Lilienarten wild. bär

Diese Inkalilien wachsen wie viele Lilienarten wild. bär

Dassies, auch Klippschliefer genannt, sieht man überall in Südafrika. bär

Dassies, auch Klippschliefer genannt, sieht man überall in Südafrika. bär

Silvermine-Damm mit dem durch Eisen gefärbten Wasser im Table Mountain National Park. bär

Silvermine-Damm mit dem durch Eisen gefärbten Wasser im Table Mountain National Park. bär

Im Weingut Cape Point Vineyards in Noordhoek. Melanie Bär

Im Weingut Cape Point Vineyards in Noordhoek. Melanie Bär

Vom Pipetrack-Wandweg aus sieht man den Strand von Camps Bay, die 12-Apostle-Bergkette und den Tafelberg mit der Bergstation, das Wahrzeichen Südafrikas, das wegen seiner flachen Oberseite nicht zu verkennen ist. Jijo Ganesan

Vom Pipetrack-Wandweg aus sieht man den Strand von Camps Bay, die 12-Apostle-Bergkette und den Tafelberg mit der Bergstation, das Wahrzeichen Südafrikas, das wegen seiner flachen Oberseite nicht zu verkennen ist. Jijo Ganesan

Pamela Nayler im Wohnzimmer ihres Hauses in Constantia, einem Vorort von Kapstadt in Südafrika.Jijo Ganesan

Pamela Nayler im Wohnzimmer ihres Hauses in Constantia, einem Vorort von Kapstadt in Südafrika.Jijo Ganesan

Killwangen–Spreitenbach–Kapstadt. Zweimal ist Pamela Nayler von der Schweiz nach Kapstadt ausgewandert. Nun will sie für immer bleiben.

«Kägi fret», antwortet Pamela Nayler per WhatsApp auf die Frage, was ich ihr von der Schweiz mitbringen soll. Die Waffeln aus dem Toggenburg gibt es in Südafrika nicht. «Dafür den besten Cheesecake», sagt die Schweizerin, als sie mich Ende Februar in ihrem Haus in Constantia empfängt. Es ist sommerlich warm, barfuss geht Pamela Nayler durch das riesige Wohnzimmer, zeigt auf ein Bild mit drei dunkelhäutigen Frauen. Es stammt vom Südafrikaner Ramotoana Mokgomme. Nayler hat das Bild während der Pandemie gekauft, um den Künstler zu unterstützen. Auch ein goldener Baum der Dietiker Künstlerin Anna Helfer hängt im stilvoll eingerichteten Haus. Sie besuchte einige Vernissagen von ihr in der Schweiz. «Man würde es vielleicht nicht erwarten, aber es gibt auch hier viel Kulturelles. Ich besuche Konzerte, Aufführungen und Ausstellungen.»

Noch etwas anderes schätzt sie in Kapstadt: die Natur. «Wir haben etwa 300 Sonnentage», sagt sie und zieht ihre Schuhe an, um mir «einen der schönsten Plätze» zu zeigen. Als Tourist Guide kennt sie nicht nur die klassischen Attraktionen wie den Tafelberg oder die Waterfront, sondern auch Geheimplätze.

Einer befindet sich im Naturreservat «Silvermine». Nach 20 Minuten Fahrt hält Pamela Nayler vor dem Eingang, öffnet das Autofenster und streckt der Kassierin eine 200-Rand-Note hin. «Das ist noch einer der wenigen Parks, wo man nur mit Bargeld bezahlen kann», bemerkt sie lachend. Wir befinden uns im «Table Mountain National Park». Mit einer Fläche von 221 km² ist er im Vergleich zum 18000 km² grossen Krüger Nationalpark winzig. Dank Kapstadts Hausberg «Table Mountain» aber nicht minder bekannt.

Die 59-Jährige steigt aus dem Auto und will von einer entgegenkommenden Frau wissen, wie der Schwumm war. Ein paar Schritte weiter wird klar, warum sie fragt: Das Naturschutzgebiet bietet nicht nur Wander- und Bikewege, sondern auch einen Damm. «Hier kann man bedenkenlos schwimmen.»

Der Liebe wegen ausgewandert

Während sie weitergeht, erzählt sie, dass sie 1992 ihren Job als Flight Attendant aufgab, um nach Südafrika auszuwandern. Ein Jahr, nachdem sie sich während einer Reise durch Südafrika verliebt hatte. Nicht nur ins Land, sondern auch in einen Südafrikaner, den sie später heiratete. Mit ihm zusammen lebte sie in George, einer Stadt an der bekannten Garden Route. Seine Familie betrieb dort eine Apfelfarm. Er arbeitete als Ingenieur, sie an einer Hotelrezeption. «Der Job wurde mir schnell langweilig», sagt sie und fügt lachend an: «Mein Bruder sagt, ich sei nicht anstellbar.» Sie machte sich kurz nach ihrer Ausbildung als anerkannte Touristenleiterin selbstständig.

Nur wenige Guides sprechen Deutsch, entsprechend war und ist sie begehrt. Während es im Job aufwärtsging, hielt die Liebe nicht. Zu gross war der Kulturunterschied. «Man könnte meinen, die weissen Südafrikaner seien unserer Kultur ähnlich. Doch sie sind konservative Machos. Das passt nicht zu mir als freiheitsliebende, selbstständige Person.» Pamela Nayler entschied sich, nach acht Jahren wieder in die Schweiz zu ziehen. Zu gross war ihre Angst vor der finanziellen Unsicherheit in der Ferne.

Zurück in die Schweiz

Zurück im Aargau verbrachte sie viel Zeit in Killwangen. Am Ort, wo sie aufgewachsen war, pflegte sie nun mit ihrer Mutter zusammen den demenzkranken Vater bis zu seinem Tod. Doch sie war nicht glücklich. «Es war mir zu getaktet, zu viel Druck. Im Vergleich zu Südafrika kam ich mir in der Schweiz vor wie im Disneyland: Alles ist perfekt, ohne dass ich etwas dazu beitragen muss. Mir fehlte etwas.»

Nach 16 Jahren in der Schweiz kehrte sie zurück, kaufte ein Bed and Breakfast in Kapstadt. Nach zehn Jahren hatte sie genug von der grossen Verantwortung, der Sorge um gutes Personal. Vor einem Jahr verkaufte sie es und zeigt seither wieder Touristen ihre neue Heimat. Sie bleibt stehen, zeigt auf den Damm im «Silvermine». Das Wasser am Ufer ist braungefärbt. «Eisen», klärt Pamela Nayler auf und fügt an: «Baden kann man trotzdem.»

Das Land der Gegensätze

Auf dem Weg zum Auto begrüsst sie zwei Provinzpolizisten. Sagt, sie wünsche sich, es gäbe mehr von ihnen. «Im Gegensatz zur South African Police Force sorgen sie sich wirklich ums Wohl der Bevölkerung.» Kriminalität, Drogen- und Alkoholabhängigkeit sind ein Problem – besonders in den Armenvierteln. Das grösste in Kapstadt heisst Khayelitsha. Rund eine Million Menschen leben dort. Ein Teil in notdürftigen Unterkünften aus Blech und Holz. Das Viertel am Stadtrand stammt aus der Zeit der Apartheid, wo sich Menschen mit dunkler Hautfarbe nicht überall aufhalten durften. Auch wenn das seit der Aufhebung in den 1990er-Jahre erlaubt ist, existieren die Viertel bis heute im ganzen Land. «400 Jahre Apartheid kann man nicht in drei Jahrzehnten wegmachen.»

Auch ihre Hausangestellte lebt in einem solchen Quartier. Sie muss den Gangs Schutzgeld zahlen, um nicht ausgeraubt zu werden. Die Gebäudebesitzer ausserhalb der Armenviertel schützen sich mit Zäunen, Alarmanlagen und Kameras. «Damit hatte ich am Anfang Mühe. Doch man gewöhnt sich daran. Und wenn man sich an die Sicherheitsvorschriften hält, ist es hier nicht gefährlicher als in einer anderen Grossstadt.»

Natur pur

Wir fahren weiter, vorbei an Feldern mit wilden Lilien und Blick aufs Meer. Beim «Cape Point Vineyard» halten wir erneut. «Ich liebe mein Land», sagt Pamela Nayler und zeigt auf das Weingut, einen Teich mit Koi-Fischen und Blick auf Berge und Meer. Hierher kommt sie nicht nur mit ihren Kunden, sondern auch mit Freunden und Familie aus der Schweiz. Und freut sich, wenn sie von Einheimischen bedient wird. «Sie sind Lebenskünstler und immer gut gelaunt. Ihre Witze passen zu meinem englischen, schwarzen Humor.» Zwar wuchs Nayler in Spreitenbach und Killwangen auf, ihr Vater stammte jedoch aus England.

Zwei Stunden später sind wir zurück in Constantia. Seit drei Jahren ist der südliche Vorort ihr Zuhause. Das Haus hat sie mit ihrem Partner bauen lassen, einem Deutschen Auswanderer, der seit seiner Pension fix in Südafrika lebt. Zusammen wollen sie hier alt werden – auch wenn sie nicht nur die Kägi frets, sondern vor allem ihre Freunde und die Berge in der Schweiz vermisst.

Einmal im Jahr fliegt sie deshalb für ein paar Wochen in die alte Heimat zurück. Mit der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiss ist sie in 11 Stunden daheim, während der Sommerzeit ohne Zeitdifferenz. «Doch sobald wir uns beim Rückflug Kapstadt nähern, fühle ich mich wieder daheim. Statt vier machen sie hier zwei Schritte. Das entschleunigt mich. Ich habe ich das Gefühl, in meinem Traumland angekommen zu sein.»

Gut zu wissen

Südafrika liegt auf der Südhalbkugel, an der Südspitze von Afrika. Wer es heiss mag, reist während der südafrikanischen Sommermonate von Dezember bis Februar. Die Monate März bis Mai (Herbst) oder September bis November (Frühling) sind ebenfalls angenehm warm. Edelweiss Air fliegt von Mitte September bis Mitte Juni mehrmals wöchentlich nonstop von Zürich nach Kapstadt. (bär)

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