«Mein Kopf motiviert meinen Körper»

Der Würenloser Gemeinderat Consuelo Senn rannte zum vierten Mal durch die Wüste.

Zeltdorf, in dem die Läuferinnen und Läufer übernachteten. Thiago Diz/RacingThePlanet

Zeltdorf, in dem die Läuferinnen und Läufer übernachteten. Thiago Diz/RacingThePlanet

Consuelo Senn im Zeltlager ...

Consuelo Senn im Zeltlager ...

Consuelo Senn (r.) nahm am Ultramarathon teil und lief 250 Kilometer durch die namibische Wüste. Thiago Diz/RacingThePlanet

Consuelo Senn (r.) nahm am Ultramarathon teil und lief 250 Kilometer durch die namibische Wüste. Thiago Diz/RacingThePlanet

… und auf einer Sanddüne. Thiago Diz

… und auf einer Sanddüne. Thiago Diz

Vor dem Gebäude der Axpo an der Parkstrasse in Baden ist gerade eine Grossbaustelle. Baufahrzeuge versperren den Weg. «Mich stört das nicht. Ich fahre sowieso meistens mit dem Velo zur Arbeit», sagt Consuelo Senn, der als Bauingenieur bei der Axpo arbeitet. Damit umgeht er nicht nur den Stau, sondern hat schon seine erste sportliche Tätigkeit gemeistert. «Wobei ich die Fahrt ins Büro eigentlich nicht zum Sport zähle», sagt der 61-Jährige schmunzelnd.

Ist es auch nicht, wenn man bedenkt, dass er vor einem Monat am Ultramarathon 250 Kilometer durch die namibische Wüste lief. Als Bester in seiner Alterskategorie der über 60-Jährigen. Gerade mal 37 Stunden und 50 Minuten brauchte er für die 250 Kilometer, legte im Schnitt also 6,5 Kilometer pro Stunde zurück. «Ich bin zufrieden», sagt er bescheiden. Er erwähnt nicht, dass er nicht nur in der Kategorie Senioren gewann, sondern als guter 16. von 122 Teilnehmenden ins Ziel lief. Knapp ein Viertel sind Frauen, 19 Personen haben aufgegeben.

Wüstenlauf bei 50 Grad

Was reizt ihn daran, mitsamt 10 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken bei teilweise mehr als 50 Grad in der afrikanischen Wüste zu rennen? «Die Komfortzone zu verlassen», antwortet er und gesteht gleichzeitig, dass er sich manchmal selbst gefragt habe, warum er das tue. «Aber der Gedanke verflüchtigt sich schnell wieder. Spätestens, wenn ich an das Gefühl denke, das ich beim Zieleinlauf spüre, dann, wenn ich all die Unwegbarkeiten überwunden habe», sagt er und lacht. Sein Ehrgeiz, den Lauf zu beenden, sei gross: «Mein Kopf motiviert meinen Körper.»

Unwegbarkeiten gab es in Namibia einige. Mal waren es die meterhohen Sanddünen, die sich bildeten und überwunden werden mussten. Ein anderes Mal war es der falsche Weg, dem er gefolgt war und auf welchem er plötzlich keine Fahnen mehr sah, die den Weg kennzeichnen. Mühe machte ihm auch die getrocknete Nahrung, die er aus der Schweiz mitgenommen hatte und vor dem Essen mit heissem Wasser anrührte. «Es widerstrebte mir richtig und trotzdem wusste ich, dass ich die Kalorien brauche, wenn ich den Lauf beenden will.» Nahrung, Kleidung, Unterlage und Schlafsack – all das und die vorgeschriebene Ausrüstung wie Messer oder Kompass trägt jeder Läufer mit sich. Einzig das Zelt wird von den Organisatoren mitgebracht und aufgestellt. Auch Wasser steht an den Checkpoints parat.

Mit GPS und SOS-Knopf unterwegs

«Der Lauf war hervorragend organisiert», lobt Senn. Alle Teilnehmenden sind mit einem GPS ausgestattet. «So waren auch meine Frau und meine Töchter beruhigt.» Gerät jemand in Not, kann der SOS-Knopf gedrückt werden, den alle mit sich tragen. «Das macht aber niemand freiwillig. Drückt man ihn nämlich, ist man disqualifiziert.» Heuer tat das niemand. Aufgegeben haben trotzdem einige. Manche hatten so grosse Blasen, dass ein Weiterlaufen zu schmerzhaft war. «Man kann es sich fast nicht vorstellen, aber dieses Jahr musste jemand aufgeben, weil er mit einem einheimischen Velofahrer zusammenstiess und sich verletzte», erzählt Senn. Bereits um halb sieben dunkle es ein und danach sei es stockfinster. Der Lauf startet jeden Tag um 8 Uhr, die sechs Tagesetappen verteilten sich über sieben Tage. «Die längste Etappe war mehr als 80 Kilometer lang und dauerte bis in die Nacht oder für langsamere Läufer bis in die Morgenstunden des nächsten Tages.»

Geschlafen wird zu acht in Zelten. «Richtig erholsam ist das nicht.» Dafür sei der Austausch mit Läufern aus aller Welt interessant. «Man trifft auch immer mal wieder bekannte Gesichter von anderen Rennen», sagt Senn. Er selbst hat bereits an drei weiteren Wüstenläufen teilgenommen: in der Sahara, der Atacama- und der Gobi-Wüste. «Manchmal rennst du ganz alleine durch diese besondere Landschaft, das ist schon einmalig.»

Mit Badener Stadtlauf angefangen

Zum Laufen ist er übers Tennisspiel gekommen. «Das ist ja eigentlich auch ein Laufsport», sagt Senn, dessen erster Laufwettkampf der Badener Stadtlauf war. Es folgten der 21 Kilometer lange Halbmarathon um den Hallwilersee, der Zürich-Marathon, Mitte 30 kamen der erste Berglauf und vor 14 Jahren der erste Ultramarathon durch die Wüste dazu. Vor ernsthaften Verletzungen blieb Senn verschont.

«Vielleicht war das der letzte Ultramarathon, keine Ahnung», sagt er und lässt offen, ob er an weiteren Rennen teilnehmen wird. Auch wenn er sich dank seiner Grundfitness und der Sportaktivitäten nicht sehr intensiv auf den Ultramarathon vorbereiten musste, so sei so ein Lauf trotzdem sehr kräftezehrend. «Ich brauchte danach eine Woche Erholung und war froh, dass ich keine Ferienwoche in Namibia angehängt hatte, sondern direkt nach Hause flog.» Mittlerweile ist er wieder in seiner Schweizer Komfortzone angekommen und hat sich an sein bequemes Bett, die tägliche Dusche, das frisch gekochte Essen und auch an die Baustellen und den Verkehr gewöhnt – nicht alles hat er in der Wüste vermisst ...

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