Gefahr von Hochwasser eindämmen

Am 9. Juni kommt der Kredit für den Ausbau des Hochwasserschutzes und die Revitalisierung des Dorfbachs an die Urne. Am vergangenen Montag orientierte die Gemeinde über das Projekt und stellte sich den Fragen der Bevölkerung.

Die Wettinger Bevölkerung erhielt im Tägi die Möglichkeit, sich über das Hochwasserschutzprojekt zu informieren.Philippe Neidhart

Es sei ein «epochales Werk», das Wettingen bevorsteht, sagte Gemeindeammann Roland Kuster gleich zu Beginn zu den zahlreich erschienenen Gästen im Tägi. Und eines, das dringend nötig sei, denn die kantonalen Gefahrenkarten zeigen erhebliche Schutzdefizite bei der Hochwassersicherheit des Dorfbachs. Ein Blick in die Geschichte macht dies deutlich: Im Sommer 1955 verwandelte ein heftiges Gewitter das sonst so friedliche Gewässer in einen reissenden Strom und die Strassen Wettingens in eine wilde Flusslandschaft. Damals sprach man von einer Jahrhundertflut, und genau auf ein solches Szenario fokussiere sich auch das neue Hochwasserschutzprojekt, so Markus Zumsteg, Sektionsleiter Wasserbau des kantonalen Departements für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU): «Wir dürfen stolz sein auf die Aargauer Gewässer – doch sie können auch gefährlich sein. Und für einen verantwortungsbewussten Umgang gilt: Vorsorgen ist besser als heilen.»

Entlastungskanal und Revitalisierung

Das Gesamtprojekt lässt sich grob in drei Hauptabschnitte einteilen, wie André Meng vom Planungsbüro Basler & Hofmann AG an diesem Abend aufzeigte: Der erste verläuft vom Friedhof Brunnenwiese via Dorfstrasse bis zum Lindenplatz. Hier ist ein «Doppelstöcker» geplant, oberirdisch der revitalisierte Bachlauf entlang der Strasse, unterhalb der Hochwasserabfluss. Beim Lindenplatz würde der Bach neu freigelegt werden mit der Möglichkeit, diesen abzudecken, um den Platz für Veranstaltungen weiter nutzen zu können. Beim zweiten Abschnitt handelt es sich um einen Hochwasserentlastungskanal, der in rund 10 Meter Tiefe vom Lindenplatz via Alberich-Zwyssig-Strasse in gerader Linie unter den Bahngleisen bis in die Limmat führt. Der dritte Abschnitt – vom Lindenplatz bis zur Altenburgstrasse – dient der Revitalisierung, um den Dorfbach für die Bevölkerung erlebbarer zu machen und einen attraktiven Lebensraum für Flora und Fauna zu schaffen. Die Gesamtkosten für das Projekt betragen 27640000 Franken, wobei sich die Einwohnergemeinde mit rund 10 Millionen Franken beteiligt. Falls alles nach Plan läuft, wird die etappenweise Ausführung im 2026 beginnen und in sechs bis sieben Jahren abgeschlossen sein.

Projekt wirft Fragen auf

In der nachfolgenden Diskussion sorgte in erster Linie die Revitalisierung des Bachs bei der anwesenden Bevölkerung teilweise für Unbehagen. Im Bereich des Bächliwegs komme es bereits heute zu Lärmemissionen und Vandalismus durch ungebetene Besucher, und dies könnte sich durch das Projekt noch verstärken. Ebenfalls warf die geplante Offenlegung des Bachs bei der Dorfstrasse Fragen auf – so wird befürchtet, dass die Unfallgefahr für Fussgängerinnen, Velofahrende und Automobilisten zunehme. André Meng gab allerdings Entwarnung: «Durch die Verschmälerung der Fahrbahn wird die Geschwindigkeit des Verkehrs reduziert, was zu weniger Unfällen führen sollte.» Zudem wies er darauf hin, dass es in der kommenden Abstimmung am 9. Juni um den Kredit gehe und im weiteren Verlauf in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung das Projekt im Rahmen der Detailplanung noch optimiert werden könne. Schliesslich wollte die Bevölkerung wissen, weshalb über den Hochwasserschutz und die Revitalisierung nicht einzeln abgestimmt werden könne. Dazu Markus Zumsteg: «Wenn ein Hochwasserschutzprojekt realisiert wird, ist es eine zwingende Forderung des Bundesgesetzes, die betroffenen Gewässer ökologisch aufzuwerten.» Würde dies nicht getan, gäbe es keine Gelder von Bund und Kanton.

Neue Online-Plattform

Für alle, die sich für die Zukunft der Gemeinde Wettingen interessieren, hatte Roland Kuster zum Schluss der Veranstaltung eine gute Nachricht: «Ich darf Ihnen ein Novum präsentieren – eine Plattform für alle unsere Grossprojekte.» Auf der neuen Website «zukunft-wettingen.ch» kann sich die Bevölkerung ab sofort vertieft mit dem geplanten Hochwasserschutz, der Schullandschaft und der Allgemeinen Nutzungsplanung auseinandersetzen. «Unser Ziel ist es, besser zu kommunizieren und Informationen zu den Projekten in Wettingen für alle zugänglich zu machen.»

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