Grosse Schäden durch Borkenkäfer

Nach dem trockenen und heissen Sommer im 2023 mit heftigen Gewittern, aber unterdurchschnitt­lichen Niederschlagsmengen kämpfen die Forstgebiete nun mit den Folgen: Der Borkenkäfer findet ideale Bedingungen vor.

Käferholz: Ein gefällter Baum wird abtransportiert. Irene Hung-König

Käferholz: Ein gefällter Baum wird abtransportiert. Irene Hung-König

Revierförster Peter Muntwyler zeigt an einer Rinde die Borkenkäferspuren.ihk

Revierförster Peter Muntwyler zeigt an einer Rinde die Borkenkäferspuren.ihk

Unterwegs mit Revierförster Peter Muntwyler aus Spreitenbach. In «seinem» Gebiet Heitersberg mit den Gemeinden Spreitenbach, Bellikon, Oberrohrdorf, Killwangen und Remetschwil ist der Befall durch den Borkenkäfer besonders verheerend. Die Folgen: Rund vier Hektaren Wald müssen abgeholzt werden. Auf Oberrohrdorfer Gebiet ist er mit seinem Team momentan daran, die kaputten Bäume abzuholzen.

Wenig Niederschläge und ausgeprägt hohe Temperaturen, das sind für den Schädling ideale Bedingungen. «Die Fichten – Rottannen – haben wenig bis kein Wasser. Dadurch ist der Harzfluss – also die Abwehr gegen den Borkenkäfer – eingeschränkt», erklärt Peter Muntwyler. Ein Käfer mache drei bis vier Bruten jährlich. Pro Brut werden rund 50 Eier gelegt, die Population entwickelt sich rasant. «Die vom Borkenkäfer befallenen Bäume sterben ab. Sie müssen gefällt werden, da sie innert weniger Jahre instabil werden und spontan umfallen könnten. Dies bedeutet eine Gefahr für Mensch und Tier», sagt Peter Muntwyler.

Weibchen legt 50 Eier ab

Man merkt, wie ihn die grossen Kahlflächen im Wald schmerzen. Noch bis Mitte Juli habe man versucht, der Menge Käferholz Herr zu werden. Doch der mangelnde Absatz beendete den Versuch. Vor Ort zeigt Peter Muntwyler eine Rinde, welche die Spuren des Borkenkäfers aufzeigt. «Das Männchen fliegt einen Baum an, macht eine sogenannte Rammelkammer und lockt das Weibchen an. Nach der Befruchtung fliegt das Männchen weg und das Weibchen legt im Ablegegang rund 50 Eier ab. Die daraus entstehenden Maden fressen sich quer durch den Baum. Zum Schluss fliegen die Maden und das Weibchen wieder aus.» Die Schädlinge sind clever und gehen dorthin, wo es viele Nährstoffe hat – nämlich ins Kambium, zwischen Holz und Rinde. Wenn man die Menge dieser Käfer anschaut, ist klar, dass sie das ganze Wachstumsgewebe wegfressen. Der Baum stirbt ab, Saftströme sind unterbrochen, er vertrocknet. «Oben ist die Krone noch grün, unten ist die Rinde schon weg. Das Holz ist statisch problemlos verwendbar. Einzig die Blauverfärbung weist auf den Befall hin. Das Käferholz muss zu deutlich tieferen Preisen verkauft werden als normal genutztes Holz. «Der Holzerlös deckt gerade mal die Holzerntekosten», sagt Peter Muntwyler. Dadurch fehle das Geld für die Pflege der daraus entstehenden Jungwaldflächen. «Das ist eine grosse Hypothek für die Waldeigentümer.» Aktuell bestehe die gesamte Jahresnutzung von rund 6000 m3 aus klimageschädigten Bäumen.

Schäden sind auch eine Chance

Obwohl es grosse Kahlflächen im Wald gibt, sind diese auch eine Chance: «Die immensen Schäden sind auch eine Chance, den Wald zu verjüngen und den klimatisch veränderten Baumbestand zu erhalten», so Muntwyler. Auch Blumen, Kräuter und Sträucher, die viel Licht benötigten, sowie die Käfer und Insekten seien Profiteure von grossen Waldlücken. Auch das sei wichtig für die Biodiversität und das gesamte Ökosystem. Damit sich die Situation wieder beruhigen kann, braucht es ein 2024 mit genügend Niederschlägen, verteilt übers ganze Jahr. Zudem werden auch Bäume wie der Spitzahorn oder die Edelkastanie gepflanzt, die mit der Trockenheit besser umgehen können.

Anders sieht es im Forstgebiet Wettingen aus: «Auch wir hatten Schäden durch den Borkenkäfer. Wir sind aber deutlich weniger stark betroffen, da der Fichtenanteil in unseren Wäldern kleiner ist. Unser Schadensbild sind in den meisten Fällen Käfernester mit rund 20 bis 50 m3, selten auch grössere», sagt Revierförster Moritz Fischer. Ob ein Käfernest geräumt werde, hange von verschiedenen Kriterien ab. Beispielsweise in welchem Larvenstadium der Käfer sich befinde, wie das Waldgebiet erschlossen sei, um das befallene Holz abzutransportieren, oder wo sich die nächsten Fichten befinden, führt Moritz Fischer weiter aus.

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