Ein Sport, der Generationen verbindet

Der Minigolfclub Spreitenbach veranstaltet nur fünf Monate nach seiner Gründung die Schweizer Meisterschaft der Nationalliga B. Präsident Walter Wiederkehr und Vorstandsmitglied Hans Michael Sablotny sprechen über ihre tollkühnen Ziele.
Der Minigolfclub Spreitenbach (MC Tivoli) ist sportlich unterwegs. Fünf Monate nach seiner Gründung im Januar trägt er am Auffahrtswochenende vom 15. bis 17. Mai die Schweizer Meisterschaft der Nationalliga B aus. «Wer den Wettbewerb gewinnt, steigt in die Nationalliga A auf. Das ist unser Ziel und wir haben gute Chancen, es zu erreichen», sagt Walter Wiederkehr zuversichtlich. Er ist Präsident des MC Tivoli und kaufte die Minigolfanlage neben dem Einkaufszentrum Shoppi Tivoli vor fünf Jahren. Nach einer einjährigen Renovation brachte der 66-Jährige den etwas in Vergessenheit geratenen Minigolfplatz wieder zum Laufen. Und auch der Sport soll nun mit dem neu ins Leben gerufenen Verein und dem grossen Turnier wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden.
Spreitenbach war schon früher beliebt bei Minigolferinnen und Minigolfern. 1982 entstand deshalb der PC Tivoli Spreitenbach, der diverse Turniere und Schülerkurse organisierte. 1998 wurde der Verein aufgelöst. «Die damaligen Pächter der Anlage legten mehr Wert auf das kulinarische Angebot im Restaurant als auf den Sport», erzählt Walter Wiederkehr.
Dass der Minigolfgeist in Spreitenbach mit dem Ende des ersten Vereins jedoch nicht gänzlich verschwunden ist, zeigt das rege Interesse am MC Tivoli. «Wir zählen bereits 47 Mitglieder und 16 lizenzierte Spieler. Das ist für Minigolf schon fast königlich», sagt Vorstandsmitglied Hans Michael Sablotny.
Zehn Teams sind mit dabei
Und auch die Schweizer Meisterschaft stösst auf Anklang. Zehn Teams aus der Deutschschweiz haben sich angemeldet. Sie kommen etwa aus Wetzikon, Burgdorf, Grenchen, Kloten oder Windisch. Der MC Tivoli rechnet mit bis zu 100 Spielenden am Auffahrtswochenende. «So viele haben wir nicht erwartet», sagt Hans Michael Sablotny. Als neuer Club so einen grossen Anlass zu organisieren, sei eine Herausforderung. Vor allem den vielen Leuten Platz auf der Anlage zu verschaffen, sei nicht ohne. «Schliesslich erwarten wir auch noch Publikum, das die Teams anfeuert.»
Stolz sind Wiederkehr und Sablotny, dass der MC Tivoli am Turnier nicht nur ein Männer-, sondern auch ein Frauenteam stellt. «Weil sie die Einzigen sind, steigen sie automatisch auf.» Zwischen den weiblichen Spielerinnen liegt ein Altersunterschied von 55 Jahren. «Die ehemalige Schweizer- und Europameisterin Heidi Stricker ist 67 Jahre alt und unser jüngstes Mitglied Lara Burger ist 12», sagt Sablotny. Das sei auch das Schöne am Minigolfen. «Es ist der einzige Sport, der Generationen verbindet. Eine Grossmutter kann ihn ohne Weiteres mit ihrer 5-jährigen Enkelin ausüben.»
Der Ball spielt eine grosse Rolle
Schade finden die beiden, dass Minigolf häufig belächelt werde. «Es braucht Konzentration, eine positive Einstellung, mentale Stärke und Schlaggefühl», sagt Wiederkehr. Viel Disziplin und Übung seien nötig, damit der Ball mit möglichst wenig Schlägen im Loch landet. «Manchmal spiele ich 60-mal auf Bahn 1, bis ich den Dreh raushabe», erzählt Sablotny. Und auch der Ball spielt eine grosse Rolle. Sablotny packt seine Minigolftasche aus und kramt zwei Dutzend verschiedene Bälle hervor. Gewisse springen in die Höhe, wenn er sie auf den Boden fallen lässt, andere bleiben liegen. «Die Beschaffenheit des Balls macht viel aus», sagt er.
Neben dem Aufstieg hofft der MC Tivoli auch auf mehr Nachwuchs. Die Schweizer Meisterschaft, die am Freitag, 15. Mai, um 17 Uhr mit einem Apéro in Anwesenheit des Spreitenbacher Gemeinderats Beat Frei (Mitte) und eines Vertreters des Verbands Swiss Minigolf eröffnet wird, biete dem Verein die Chance, den Sport auch Jüngeren schmackhaft zu machen. «Und wer weiss, vielleicht starten wir in die Nationalliga A mit einigen jungen Talenten», sagt Wiederkehr und Sablotny ergänzt: «Diese Einstellung passt zum Minigolf.»


