Ein Leben lang verschuldet

Gestern hat der Leiter des Betreibungsamtes Spreitenbach und Killwangen, Reto Daniel, das Auto eines Mannes versteigert, der seine Schulden nicht bezahlen konnte. Pro Jahr kommt es in Killwangen und Spreitenbach zu 5500 Betreibungen.

Betreibungsbeamter Reto Daniel. Foto: bär
Betreibungsbeamter Reto Daniel. Foto: bär

Versteigerungen von Sachgegenständen wie dem Ford seien mittlerweile eine Seltenheit. «Wenn die Hypothekarzinsen wieder steigen, wird es aber vermutlich wieder vermehrt zu Versteigerungen von Liegenschaften kommen», glaubt Reto Daniel.

Seit zwölf Jahren leitet er das Betreibungsamt im Gemeindehaus Spreitenbach. Vorher war er als Kantonspolizist im Aargau tätig. Er und seine fünf Mitarbeiter haben vergangenes Jahr 5850 Betreibungsbegehren bearbeitet. Betroffen waren 60% Männer, 30% Frauen und 10% Firmen.

«Die Zahl wird in Zukunft vermutlich noch steigen, weil die Zahlungsmoral abnimmt und es immer einfacher wird, ein Kreditgeschäft zu tätigen», prophezeit Daniel. Die Zahl der Betreibungen für Krankenkassenprämien und für Steuerschulden steige von Jahr zu Jahr, weil das Geld zur Zahlung von Luxusgütern benötigt werde. Der Fernseher werde in Raten abgezahlt, das Auto geleast und der Kleinkredit monatlich abgezahlt. «Wenn dann etwas passiert, jemand Lohneinbussen hat, arbeitslos oder krank wird, dann fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen, weil die monatlichen Ausgaben bleiben und nicht mehr bezahlt werden können.»

Wird eine Rate nicht bezahlt, kann der Gläubiger beim Betreibungsamt ein Betreibungsbegehren stellen. Der Schuldner hat danach zehn Tage Zeit, Rechtsvorschlag zu machen oder die Schuld innert 20 Tagen zu begleichen. Tut er das nicht, kann der Gläubiger ein Fortsetzungsbegehren stellen. Die Betreibungsbeamten prüfen dann, ob der Schuldner arbeitet, Vermögen hat oder Sachgegenstände besitzt. In den meisten Fällen werde dann das Existenzminimum berechnet und der Teil des Lohnes verpfändet, der dieses Minimum übersteige. Die Betreibungsbeamten informieren den Arbeitgeber, damit dieser Lohnteil direkt dem Betreibungsamt überwiesen wird und die Schulden damit abgezahlt werden können. Manchmal dauere es Jahre, bis die Person wieder schuldenfrei sei. «Manche schaffen es gar nie, besorgen sich sogar während des Betreibungsverfahrens einen neuen Kredit und werden die Schulden ihr Leben lang nicht mehr los.»

 

Unterschiedlich sei auch die Moral der Schuldner. «Die einen setzen alles dran, um wieder schuldenfrei zu werden. Anderen ist es völlig gleichgültig, Schulden zu haben.» Es komme sogar vor, dass in Familien über Generationen hinweg Schulden bestünden. Als Betreibungsbeamter bekomme er manchmal das Gefühl, dass viele es als normal ansähen, Schulden zu haben. Daniel warnt davor, etwas zu kaufen, was man beim Erwerb nicht zahlen kann. So läuft man auch nicht Gefahr, dass das eigene Auto plötzlich vom Betreibungsamt versteigert wird.

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