20.05.2020

Valentin Schmid tritt nach acht Jahren zurück: «Langfristige Planungen sind Meilensteine»

Eigentlich wollte Valentin Schmid im Sommer mit dem VW-Bus nach Norwegen fahren. Jetzt plant er eine Rundreise durch die Schweiz. Alex Spichale/CHMedia

Eigentlich wollte Valentin Schmid im Sommer mit dem VW-Bus nach Norwegen fahren. Jetzt plant er eine Rundreise durch die Schweiz. Alex Spichale/CHMedia

Seine letzte Amtshandlung als Gemeindepräsident hatte Valentin Schmid (FDP) letzten Sonntag bei der Wahl seines Nachfolgers. Im Gespräch mit der Limmatwelle schaut er zurück und voraus.

Von: Rahel Bühler

Die letzte Amtswoche von Valentin Schmid war vollgepackt mit Terminen. Er hatte noch so viel zu tun, Zeit für das Interview mit der Limmatwelle fand er erst am Samstagvormittag, an seinem zweitletzten Amtstag. In den acht Jahren zuvor stand der 52-jährige FDP-Politiker der Gemeinde Spreitenbach mit ihren 12000 Einwohnern als Gemeindepräsident vor. 

Valentin Schmid, mit welchen Gefühlen haben Sie dem Ende Ihrer Amtszeit entgegengeschaut?

Ich bin zufrieden mit dem, was wir in diesen acht Jahren erreicht haben. Zum einen als Gesamtgemeinderat, zum anderen auch mit dem Verwaltungspersonal. Andererseits bin ich auch enttäuscht über die Ablehnung der «Neumatt» im Januar. 

Was haben Sie denn alles erreicht?

Das grösste Projekt ist die Limmattalbahn. Als ich 2012 das Amt angetreten habe, hatte die Projektierungsphase der Bahn grad angefangen. Ich bin auch stolz auf die vielen kleineren Projekte, die wir realisiert haben. Der Neubau des Gemeindehauses wird Spreitenbach 40, 50 Jahre lang prägen. 

Sie waren acht Jahre im Amt. Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag erinnern?

Ja. Es ging alles sehr schnell: Zwischen meiner Wahl am 26. Februar 2012 und dem Amtsantritt am 1. März lagen nur drei Tage. Am ersten Tag bin ich mit meinem Vorgänger, Josi Bütler, durch das Gemeindehaus gelaufen. Er hat sich verabschiedet und ich habe mich vorgestellt. Das war ein bewegender Moment.

Wie meinen Sie das?

Da gehen zwei Personen durch das Gemeindehaus. Die eine verabschiedet sich. Für die andere ist es ein Schritt in eine neue Richtung. Ich bin ursprünglich Elektroingenieur. Von daher war der Einstieg in die Politik auch ein Stück weit ein Sprung ins Ungewisse.

Hatten Sie ein Motto, das Sie durch diese Zeit begleitet hat?

Nicht wirklich. Geblieben ist mir aber folgende Begegnung: Nach etwa drei Jahren ging ich mit dem damaligen Stadtpräsidenten von Dietikon, Otto Müller, mittagessen. Er fragte mich, wie lange ich schon im Amt sei. Ich sagte drei Jahre. Darauf antwortete er: «Drei Jahre reichen nicht, damit du alle einmal ‹verrückt› gemacht hast.» Diese Aussage stimmt schon: Man muss auch Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen. Entscheide fallen auch nicht immer einstimmig. Aber man muss sie mittragen und sie sind auch immer gut begründet. 

Welches Ereignis ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Der Baustart für die Limmattalbahn. Das ist ein Infrastrukturprojekt, das Jahrzehnte überdauern wird. Als Gemeindepräsident habe ich auch Einwohner und Einwohnerinnen an ihrem 90. oder 100. Geburtstag besucht. Das waren immer sehr interessante Gespräche. 

Wo war Spreitenbach vor acht Jahren?

Spreitenbach war die Gemeinde im Kanton Aargau, die sich am meisten entwickelt hat. Ich bin in einer Phase Gemeindepräsident geworden, in der mit dem Projekt Tivoli Garden ein solcher Entwicklungsschub im Gange war. Das Projekt hat mich mit den Einsprachen und Verzögerungen bis zum Baustart die ganze Zeit begleitet.  

Wo ist Spreitenbach heute?

Immer noch auf gutem Weg.

Können Sie das etwas konkretisieren?

Spreitenbach wird sich positiv weiterentwickeln. Die Infrastruktur dafür ist vorhanden. Es ist die Gemeinde der Quartiere: Schleipfe, Seefeld, Langäcker, Halde und so weiter. Jedes Quartier hat seinen eigenen Charakter. Das macht Spreitenbach aus.

Was macht Spreitenbach sonst noch aus?

Das Zusammenleben von verschiedenen Kulturen. Wir haben ein intaktes Dorfleben mit vielen Vereinen und Anlässen: die Fasnacht, der Pizzaplausch des Turnvereins, die Konzerte der Musikgesellschaft. 

Inwiefern haben Sie zu dieser Entwicklung beigetragen?

Es ist schwer zu sagen, was genau ich beeinflussen konnte. Der Gemeinderat ist ein Gesamtgremium. Als Einzelner kann man sicher mit den Themen, die man auf den Tisch bringt, die Agenda der Gemeinde beeinflussen. 


Welche Errungenschaften oder Entscheide würden Sie denn als Ihre persönlichen Meilensteine bezeichnen?

Es ist die Summe vieler kleiner Dinge: Die Verwaltung hat im Gemeindehaus zu wenig Platz. Da fragten wir uns: Wollen wir das alte sanieren, ein neues bauen? Wir entschieden uns, Synergien zu nutzen und das alte in ein Schulhaus umzubauen. Ich denke, das sind Meilensteine: langfristige Planungen.


Sind Sie auch einmal in ein Fettnäpfchen getreten?

Ich glaube nicht. Es kommt mir grad nichts in den Sinn. Aber das schliesst nicht aus, dass ich einmal etwas Peinliches gemacht habe. Vielleicht habe ich es gar nicht gemerkt (lacht)

Jetzt, zum Ende Ihrer Amtszeit, gab es mit dem Coronavirus noch einmal eine besondere Herausforderung zu meistern. Wie sind Sie als Gemeindepräsident damit umgegangen?

Mit dem Fall der Kindergartenlehrperson im Langäcker sind wir sehr schnell mit dem Thema konfrontiert worden. Danach haben wir alle Massnahmen auf der Gemeindeverwaltung umgesetzt. Es fanden keine externen Sitzungen, wie die von BadenRegio oder anderen Gremien, statt. Von diesen Leuten konnte ich mich nicht verabschieden. Das ist schade.

Was werden Sie jetzt beruflich machen?

Das ist noch ungewiss. Ich kann mir vorstellen, Richtung Technik zurückzugehen. Während meiner Amtszeit habe ich auch einen Master in Public Management gemacht. Ich könnte bei einer öffentlichen Verwaltung oder einem Energieversorger arbeiten. Die Coronakrise ist mir da etwas dazwischengekommen. Ich bin in verschiedenen Bewerbungsprozessen drin. Aber sie stehen im Moment still. Ich suche einen Job per 1. Oktober. 

Welche Pläne haben Sie für die Zwischenzeit?

Dazwischen wollte ich mit meinem VW-Bus sechs Wochen durch Norwegen reisen, Land und Leute kennen lernen und Landschaften fotografieren. Das ist ein Hobby von mir. Landschaften und der Weg dorthin faszinieren mich. Bis zum 20. August kann man als Europäer aber nicht nach Norwegen einreisen. Deshalb plane ich jetzt eine Route durch die Schweiz.

Werden Sie in Spreitenbach wohnhaft bleiben?

Ja. Meine Partnerin und ich haben vor fünf Jahren eine Wohnung gekauft. Ich bin Spreitenbacher und ich bleibe Spreitenbacher. Spreitenbach ist für mich die tollste Gemeinde der Welt: Es ist eine urbane Gemeinde mit ländlichem Charakter und grossstädtischen Zügen. Wir haben Arbeitsplätze, Einkaufscenter, ein Naherholungsgebiet. Es ist einfach lebenswert.