Spreitenbach
05.02.2020

Eine Sportart mit mehreren Möglichkeiten

Martin Eerhard in der Schiessanlage der «Swiss Shooting Group». Rahel Bühler

Martin Eerhard in der Schiessanlage der «Swiss Shooting Group». Rahel Bühler

Den Schiesssport kann man unterschiedlich ausüben. Sind private Anlagen Konkurrenten zu herkömmlichen Schützenvereinen?

Von: Rahel Bühler

Schiessen hat in der Schweiz Tradition. Am eidgenössischen Schützenfest, das im Sommer in Luzern zum 58. Mal stattfindet, werden 40000 Schützinnen und Schützen und 100000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

Ein Beispiel für einen Schützenverein in der Limmatwelle-Region: der Schiessverein Spreitenbach. Seit Dezember gibt es im Dorf auch eine weitere private Schiessanlage. Eine Sportart, mehrere Möglichkeiten, sie auszuüben. Wie funktioniert das?

In Spreitenbach gibt es für jede Sportschiessdistanz einen eigenen Verein: «Es gibt eine 300-Meter-Gewehr-Sektion, eine 25- und 50-Meter-Pistolen-Sektion und eine Kleinkalibersektion», erklärt Präsident Claudio Müller. Der 300-Meter-Schiessverein hat aktuell 35 Mitglieder. Zusammen mit der Schützengesellschaft Bergdietikon führt der Spreitenbacher Verein eine Nachwuchssektion mit 20 Jugendlichen und Jungschützen. 2019 nahm der Verein an 40 Schützenfesten teil. Das jüngste Mitglied ist 12, das älteste 89 Jahre alt. Immer mittwochs trainieren die Aktiven auf der Gemeinschaftsschiessanlage Härdli in Spreitenbach. Das Juniorentraining findet samstags im «Härdli» statt. Der Spreitenbacher Verein teilt sich die Anlage mit den Vereinen aus Baden, Geroldswil ZH, Oetwil an der Limmat ZH und Würenlos. Ohne Aufsicht dürfe man die Anlage nicht benutzen: «Es muss immer ein ausgebildeter Schützenmeister dort sein. Ausserdem müssen wir die Schiess- tage den Behörden melden.» So weit, so bekannt.

Nur wenige 100 Meter vom «Härdli» entfernt, hat die «Swiss Shooting Group» ihren Sitz. Im ersten Stock befinden sich Büros, im Untergeschoss, seit Mitte Dezember 2019, eine Schiessanlage für den privaten Gebrauch. Die Baubewilligung hat die Gemeinde im August 2019 erteilt. Vorher stand dort eine Lagerhalle. Wie funktioniert die Anlage? Der Schiessstand besteht aus zwei Kammern mit je sechs Schussbahnen. Sie sind 20 Meter lang. Die Zielscheiben lassen sich auf verschiedene Distanzen einstellen. Nebst dem Schiessstand betreibt die Firma einen Munitions- und Waffenverkauf, bietet Schiesskurse an. Für Ersteres hat Geschäftsführer Martin Eerhard eine Waffenhandlungsbewilligung eingeholt. Auch alle anderen Bewilligungen, die es für den Betrieb der Anlage braucht, laufen auf seinen Namen.

Die Auslastung sei gut, sagt er: «Pro Monat haben wir 350 Neuanmeldungen.» Seine Firma betreibt seit 2015 auch einen Standort in Schinznach. Unter seinen Kunden befänden sich Personen vom Amateur bis zur ausgebildeten Polizistin. Schiessen kann man mit Pistolen, Revolvern, Schrotflinten und Jagdgewehren. Als Neuling könne man eine Probelektion machen, erklärt Eerhard. Dabei gehe es darum, dem Amateur den Schiesssport näherzubringen. Kursleiter würden den Gästen erklären, wie man korrekt mit einer Waffe umgeht und Schüsse abgibt. Will man weitermachen, muss man Kurse besuchen und einen Waffenerwerbsschein bei den zuständigen Behörden beantragen.

Viele der Kunden kämen regelmässig, um eine Stunde zu schiessen. «Länger geht wegen der sinkenden Konzentration meist nicht», sagt Eerhard, der selbst mehrere Waffenerwerbsscheine besitzt. Auch verschiedene Kantonspolizeien nutzen laut dem Geschäftsführer die Anlage: «Sie kommen im Dienst und privat.»

Eerhard ist gebürtiger Argentinier. Sein Vater hat holländische Vorfahren. In Argentinien war der heute 42-Jährige Polizist. «In dieser Funktion war die Pistole für mich meine Lebensversicherung», sagt er. Heute wohnt er in Dietikon ZH. «Eine Faszination für die Waffe habe ich nicht. Ich musste sie oft genug einsetzen. Es sind der Fokus und die Konzentration, die den Reiz des Schiesssports für mich ausmachen.» Als Geschäftsführer komme er allerdings nicht mehr häufig zum Schiessen.

Unter den Nutzern der Schiessanlage sind laut Eerhard auch Schützen, die einem traditionellen Schützenverein angehören. «Gerade jetzt im Winter können sie draussen oft nicht gut trainieren. Da bietet sich unsere Anlage an.» Eine Konkurrenz zu den traditionellen Vereinen seien sie nicht: «Beides ist optimal, um schiessen zu lernen.» Ausserdem würden die Schützenvereine nur Ordonnanzwaffen benützen, in seinem Schiessstand gäbe es alle Waffen.

Ganz die gleiche Sportart scheint es also doch nicht zu sein. Claudio Müller, Präsident des Schiessvereins Spreitenbach, sagt auch: «Die privaten Schiessanlagen decken ein anderes Segment des Schiesssports ab. Bei unseren Schützenvereinen geht es um das sportliche Präzisionsschiessen. Bei jenen, die in den Schiesskellern schiessen, geht es mehr ums Taktische und um das Schiessen mit anderen Kalibern und Waffen. In den privaten Schiessanlagen gibt es vermehrt Pistolenschützen.» Eine Möglichkeit, den Keller der «Swiss Shooting Group» im Winter als Trainingsort zu benutzen, sieht er für 300-Meter-Schützen hingegen nicht: «Dort schiesst man kniend oder stehend. Wir aber schiessen liegend.» Der 36-Jährige wohnt in Hermentschwil und arbeit als Projektleiter im Bereich Schaltanlagenbau. Für ihn liegt die Faszination des Schiesssports im Ausgleich zum Alltag: «Man muss sich auf den Schiessablauf konzentrieren.» Zudem ginge es ihm um die Kameradschaft unter den Vereinsmitgliedern. Wenn, dann sieht er nur kleine Schnittpunkte zwischen Schützenvereinen und privaten Schiessanlagen: «Zum Beispiel, wenn eine Gruppe mal das Andere ausprobieren möchte.»

Fazit: Sowohl Mitglieder von Schützenvereinen wie auch Benutzer von privaten Anlagen schiessen mit Waffen auf verschiedene Distanzen. Präzision und Konzentration stehen im Vordergrund. Der Unterschied liegt allerdings in der Ausführung.