Spreitenbach
12.01.2022

Mit veganen Pitas auf Erfolgskurs

Setzen auf pflanzliche Pitas: Mirko Lupatini und Giuseppe Moranda in ihrem Laden am Zürcher HB. (Bild: Sibylle Egloff)

Setzen auf pflanzliche Pitas: Mirko Lupatini und Giuseppe Moranda in ihrem Laden am Zürcher HB. (Bild: Sibylle Egloff)

Giuseppe Moranda und Mirko Lupatini eröffnen ihr erstes Restaurant mit pflanzlichem Fast Food. Ihren Traum starteten sie in einer Küche in Spreitenbach.

Von: Sibylle Egloff

Mittagszeit am Zürcher Hauptbahnhof. Vor Mirko Lupatinis und Giuseppe Morandas Laden bildet sich eine Schlange. Angestanden wird für vegane Pitas. Die beiden betreiben in der Pop-up-Station der SBB, die immer wieder junge Unternehmen beherbergt, seit November 2021 ihr Geschäft «Veganitas». Wie der Name bereits verrät, sind alle Zutaten des gefüllten Taschenbrots pflanzlich – von der Marinade über die Saucen, das Pitabrot, den Seitan oder das Tempeh – Letzteres stellen Lupatini und Moranda sogar selbst in ihrer Heimat im Tessin her.

Mitte Januar heisst es dann aber tschüss HB. «Wir eröffnen am 22. Januar nahe der Zürcher Langstrasse unser erstes Restaurant», sagt Giuseppe Moranda freudig. Die Erfolgsgeschichte der beiden Freunde startete vor vier Jahren in einer Gastroküche in der Spreitenbacher Industrie. «Wir konnten uns dort bei einem veganen Koch einmieten und unsere Rezepte entwickeln. Weil wir keine Gastronomen sind, dauerte es fast ein Jahr, bis wir den Geschmack so hatten, wie wir wollten», erinnert sich Mirko Lupatini.

Spreitenbach bleibt kulinarisches und logistisches Zentrum

Noch heute ist Spreitenbach das kulinarische und das logistische Zentrum von «Veganitas». «Wir erfinden dort neue Rezepte, stellen Saucen her oder bereiten das Essen für Events vor. Unser Food-Truck steht ebenso dort», erzählt Moranda. Die Lage sei ideal, weil der Ort Küche und Parkplatz vereine. Festhalten wollen die Freunde, die sich seit ihrer Schulzeit kennen, deshalb auch am Spreitenbacher Standort, wenn sie ihr Lokal Mitte Januar an der Brauerstrasse aufmachen.

Dass sie dank veganen Sandwiches einmal Restaurantbetreiber sein werden, damit hätten die ETH-Absolventen – Moranda ist Bauingenieur und Lupatini hat einen PHD in Physik – vor ein paar Jahren nicht gerechnet. «Ich habe bis 2017 jeden Tag Fleisch gegessen, bis ich den Dokumentarfilm Cowspiracy sah. Er öffnete mir die Augen bezüglich der Probleme, die mit unserem Fleischkonsum verbunden sind», sagt Moranda. Er wagte den Versuch und ernährte sich einen Monat lang vegan. «In dieser Zeit merkte ich, wie schwierig es ist, ein rein pflanzliches Sandwich zu bekommen.» Er erzählte seinem Freund davon und so kam es, dass Moranda und Lupatini schon bald an Ideen für pflanzliches Fast Food tüftelten.

«Das Feedback von Freunden und der Familie bezüglich unserer neuen Ernährungsweise und der veganen Pitas war sehr positiv – auch wenn meine Grossmutter anfangs nicht so recht wusste, was sie ihrem Enkel nun im Fresspäckli nach Zürich schicken sollte», sagt Moranda und lacht. «Die Unterstützung gab uns Kraft, weiterzumachen», ergänzt Lupatini. Sie sparten und kauften sich einen Food-Truck. «Das finanzielle Risiko ist kleiner als bei einem Restaurant. Deshalb wollten wir zuerst einmal auf einen Wagen setzen», sagt Lupatini. Auch weil sie keine Ahnung hatten, ob sie mit ihren Pitas erfolgreich sein würden.

Die Pandemie gab ihnen Zeit, ihre Strategie zu überdenken

2019 verkauften sie das Fast Food erstmals an einem Food-Festival. Das Produkt schmeckte den Leuten und so begannen Moranda und Lupatini, mit ihrem Food-Truck Halt beim Schiffbau und später beim Letzipark in Zürich sowie in der Stadt Luzern zu machen. Corona zwang die Freunde schliesslich zu einer Pause. «Ich bin sogar dankbar, denn wenn wir so weitergemacht und mit dem Food-Truck jedes Festival besucht hätten, hätten wir in kürzester Zeit ein Burn-out gehabt», ist sich Moranda sicher. «Wir hatten Zeit, unsere Strategie zu ändern.»

Erfolgreich, wie sich zeigt. «Wir standen schon lange auf der Warteliste des Pop-up-Stores der SBB. Ende 2021 hat es geklappt», erzählt Lupatini. Um den Laden betreiben zu können, haben die beiden sieben Personen angestellt. Die Pitas kommen bei den Zugreisenden gut an. «Einige besuchen uns jede Woche einmal», so Moranda. Darunter seien nicht nur Veganer oder Vegetarier, sondern Personen, die einfach mal etwas ohne Fleisch und tierische Produkte essen wollen. «Zu unseren Kunden gehören Geschäftsleute, Studenten, aber auch Pensionierte», sagt Lupatini. Ausgezeichnet wurden die Tessiner für ihre Pitas 2021 mit einem Swiss Vegan Award in der Kategorie Gastro.

Moranda und Lupatini ist es wichtig, das vegane Zürcher Gastroangebot zu bereichern. «Es müssen nicht alle gleich Veganer werden. Aber es sollte zumindest mehr fleischlose Alternativen geben», findet Moranda. Mit ihrem eigenen Restaurant, das sie nun eröffnen, geht der vegane Siegeszug weiter. «Unser Ziel ist es, dass wir irgendwann mal eine ganze Kette von Restaurants haben», sagt Lupatini. Und das nicht nur in Zürich, sondern auch in weiteren Städten der Schweiz. Moranda sagt: «Und vielleicht schaffen wir es ja sogar in unserer Tessiner Heimat, die Leute von unseren Pitas zu überzeugen.»