Spreitenbach
03.02.2021

Noch ist es unklar, ob es einen Ortsbus gibt

Gibt es in Spreitenbach bald einen Ortsbus wie in Würenlos (im Bild)? Das ist noch unklar. CH Media/Archiv

Gibt es in Spreitenbach bald einen Ortsbus wie in Würenlos (im Bild)? Das ist noch unklar. CH Media/Archiv

Um Spreitenbachs Bevölkerung den Zugang zur Limmattalbahn zu vereinfachen, schlägt der Gemeinderat einen Ortsbus vor. Im Herbst gab es eine Vernehmlassung.

Von: Rahel Bühler

Braucht Spreitenbach einen Ortsbus? Wenn ja, wo soll er verkehren? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Spreitenbacher Politik derzeit. Das Ziel eines solchen Busses ist es, die Bevölkerung im südöstlichen Gemeindegebiet weiterhin an den öffentlichen Verkehr anzubinden. Der Ortsbus soll Anschlüsse an die Limmattalbahn (LTB) und das bestehende Netz der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) sicherstellen. Nötig wird dies, weil die Buslinie 303, die von Dietikon nach Killwangen fährt, mit der Eröffnung der LTB im Dezember 2022 gestrichen wird. Es soll keine Konkurrenz zwischen Bahn und Bus geben.

Als Ersatz ist der Kanton bereit, einen Ortsbus in Spreitenbach für eine Testphase von zwei bis drei Jahren zu finanzieren, erklärt Gemeinderat und Ressortvorsteher Edgar Benz (SVP). Allerdings nur, wenn bloss ein Fahrzeug auf der Linie verkehrt. Will die Gemeinde einen zweiten Bus, muss sie die Kosten dafür selbst tragen.

Um die Meinungen der Ortsparteien, Kommissionen und des Vereins Pro Spreitenbach abzuholen, startet der Gemeinderat im Herbst eine Vernehmlassung. Darin schlägt er ihnen zwei Linienvarianten vor:

Variante eins ist ein Lassobetrieb mit einem Bus. Start und Ziel ist die zukünftige LTB-Haltestelle Kreuzäcker. Die Kosten für den Kanton belaufen sich auf 650 000 Franken pro Jahr. Für diese Variante gäbe es sechs Haltestellen entlang von Seefeldquartier und Dorfstrasse. Die Investition für die Gemeinde beträgt etwa420 000 Franken.

In Variante zwei würden zwei Busse gleichzeitig verkehren. Als Start und Ende sind das Shoppingcenter und die LTB-Haltestelle Kreuzäcker vorgesehen. Der Kanton würde auch für diese Linie 650 000 Franken pro Jahr übernehmen. Weil sie aber ein zweites Fahrzeug und damit einen zweiten Chauffeur braucht, kommen nochmals 385 000 Franken dazu. Diesen Betrag müsste die Gemeinde finanzieren. Die Linienführung sieht acht Haltestellen vor. Von «Kreuzäcker» Richtung Seefeldquartier. Dann via Dorfstrasse zum Shoppi und wieder zurück. Die Investition für die Haltestellen belaufen sich auf etwa 560 000 Franken. Auch für diesen Betrag müsste die Gemeinde aufkommen.

Bei beiden Varianten fährt der Bus zu den Hauptverkehrszeiten alle 15 Minuten, zu Randzeiten alle 30.

Die Ortsparteien sind sich nicht ganz einig

Die SVP spricht sich für die erste Variante aus: «Leider lässt es die Finanzlage nicht zu, eine optimale Lösung für unsere Bürger anzubieten. Trotzdem sind wir der Meinung, mit der von der Gemeinde vorgeschlagenen Variante eins ein adäquates Angebot zu schaffen», sagt Aktuar Marcel Suter. Die SVP würde die Linie jedoch anpassen: Sie würde die bereits bestehende Haltestelle vom Shoppi an die Lasso-Linie anbinden. So wären Anschluss an Einkaufszentrum, Post und Buslinien 2 und 4 vorhanden.

Auch die FDP befürwortet Variante eins, weil sie günstiger ist. Sie ist auch für die Verlängerung der RVBW-Buslinie 10. Diese würde auch die zukünftigen «Wachstumszonen» von Spreitenbach berücksichtigen, sagt Präsident Josef Bütler. Zudem kritisiert er das Vorgehen des jetzigen Gemeinderats: «Leider wurde den Parteien nur der Protokollauszug des Gemeinderats zur Vernehmlassung zugestellt. So hatten die Parteien keine Kenntnis der Studien, die im Vorfeld gemacht wurden.» Das motiviere viele Anwohner dazu, ihre eige-nen «Fachkenntnisse» einzubringen, ohne die dazu nötige Kompetenz.

Die CVP hingegen spricht sich für Variante zwei aus, wie Präsident Mato Banovic sagt: «Wir sind der Auffassung, dass die Bevölkerung entlang der zusätzlichen Strecke, die sich im Gegensatz zur Variante eins ergibt, verkehrstechnisch besser angebunden werden soll.» Auch hier spielt die Anbindung ans Shoppi eine Rolle. Variante eins sei nur ein Zubringer zur LTB.

Die SP stellt die Grundsatzfrage: Sind Ortsbusse – in ihrem Aktionsradius naturgemäss sehr beschränkt – die richtige Antwort, um das ÖV-Angebot zu verbessern? Aus der Vernehmlassung gehe nicht hervor, wieso es einen Bus brauche. Die SP sieht in beiden Varianten Potenzial, sagt Präsident Manuel Fischer. Wegen der Anbindung ans Shoppi spricht sie sich aber für Variante zwei aus. Zudem sei das Risiko von nur einem Bus zu gross. Dafür seien die Bushaltestellen Brüel und Altersheim nicht mehr bedient. Die SP findet, man soll die Linienführung womöglich mit diesen Haltestellen ergänzen.

Der Gemeinderat bevorzugt die Variante mit einem Fahrzeug

«Um die Kosten der Infrastruktur, die die Gemeinde tragen muss, so tief wie möglich zu halten, würde der Gemeinderat die Variante «Lasso» bevorzugen», sagt Benz. Der Rat favorisiere zudem eine Lösung unter Einbezug möglichst viel bestehender Infrastruktur, sprich Haltestellen, um die Kosten überschaubar zu halten.

Der Gemeinderat wird laut Benz in den nächsten Wochen die Rückmeldungen sichten und eventuell andere Lösungen berücksichtigen. Dann wolle man eine Variante suchen, die den Anliegen am meisten entspricht. Wegen der Coronapandemie könne es allerdings in diesem Prozess zu Verzögerungen kommen. Schliesslich können die Stimmberechtigten an einer Gemeindeversammlung über das Thema abstimmen.

Der Kanton hat bereits in Aussicht gestellt, wenn die Testphase erfolgreich sei, sprich der Bus ausgelastet ist, er den Bus weiterhin finanzieren würde.