12.08.2020

CEO vom Shoppi Tivoli: «Die Leute gehen noch immer offline einkaufen»

Blickt positiv in die Zukunft: Patrick Stäuble, CEO und Shoppi-Tivoli-Leiter, freut sich über den guten Start aus dem Coronalockdown. Chris Iseli

Blickt positiv in die Zukunft: Patrick Stäuble, CEO und Shoppi-Tivoli-Leiter, freut sich über den guten Start aus dem Coronalockdown. Chris Iseli

Den Geschäften im Shoppi Tivoli geht es drei Monate nach der Wiedereröffnung nach dem Lockdown erstaunlich gut. Centerleiter Patrick Stäuble nennt die Gründe dafür und erzählt, welche neuen Projekte im Einkaufszentrum anstehen.

Von: Sibylle Egloff

Das Shoppi Tivoli ist an diesem Samstag gut besucht – trotz schönstem Sommerwetter. Die heissen Temperaturen scheinen viele in die kühlen Shopping-Hallen statt an die pralle Sonne zu locken. Seit dem 11. Mai ist das Einkaufszentrum in Spreitenbach wieder offen. «Wir sind sehr gut aus dem Coronalockdown gestartet», sagt Centerleiter und CEO Patrick Stäuble. Die Indexzahlen zur Kundenfrequenz der ersten fünf Wochen nach der Wiedereröffnung lägen bei 105 bis 115 Prozent im Vergleich zur gleichen Zeit im Vorjahr.

Überrascht ist Stäuble, dass sich die Zahlen im Bereich Unterhaltungselektronik ebenso über denen des Vorjahres befinden. «Man hätte meinen können, dass sich zuhause während des Lockdowns alle mit Computern und Laptops eingedeckt hätten, doch dem ist nicht so.» Auch Telekommunikationsgeschäfte, Lebensmittelhändler und Apotheken hätten die 100-Prozent-Marke bereits geknackt. Den Uhren- und Schmuckgeschäften gehe es auch gut, ihr Umsatz Betrage bereits wieder 85 bis 88 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona. Kleidergeschäfte hätten mit einem Umsatz von 70 Prozent noch etwas mehr Mühe. «Das liegt auch daran, dass ihnen während des Lockdowns die zwei wichtigsten Monate für den Verkauf der Frühlings- und Sommerkollektionen wegfielen. Als die Geschäfte wieder öffneten, mussten sie die Ware gleich heruntersetzen. Das hat zur Umsatzeinbusse beigetragen», sagt Stäuble.

Der Lockdown scheint dem Shoppi Tivoli weniger zugesetzt zu haben als erwartet. «Die Menschen konnten in der Coronazeit sparen und möchten sich jetzt etwas gönnen. Das merken wir», sagt Stäuble. Zudem würden viele diesen Sommer nicht in die Ferien verreisen und hätten 3000 bis 4000 Franken zusätzlich zum Ausgeben zur Verfügung. Der Möbelbereich profitiere zum Beispiel davon. «Man verbrachte viel Zeit zuhause und hat dadurch festgestellt, was noch fehlt. Jetzt wollen viele ihre Wohnung oder ihr Haus verschönern», sagt Stäuble. Doch die Rückkehr aus dem Shutdown gelang nicht allen Einkaufszentren und Geschäften so gut wie dem Shoppi Tivoli. «Standort und Grösse spielen eine Rolle.» Shopping-Malls mit einem grossen Einzugsgebiet und einem vielfältigen Angebot mit Restaurants und Freizeitaktivitäten hätten es leichter als kleinere Einkaufszentren.

Lockdown hat die Grenzen des Onlinehandels aufgezeigt

Der Onlinehandel ist während der Pandemie gewachsen. Doch er hat dem ältesten Einkaufszentrum der Schweiz nicht geschadet. «Die Leute sind onlineaffiner geworden, doch ich glaube, dass der Lockdown auch die Grenzen des Onlinehandels aufgezeigt hat. Er kann den Kunden nicht alles bieten. Das ist eine Chance für den Detailhandel», sagt Stäuble. Online und offline hätten Platz nebeneinander. «Die Leute gehen immer noch gerne offline einkaufen. Es ist wichtig, dass der Konsument die Produkte anfassen, an- und ausprobieren kann», so Stäuble. Es liege nun an den Einzelhändlern, online und offline zu verbinden und mehr Innovation in die Branche zu bringen. «Wenn ihnen das gelingt, gehen sie als Gewinner aus dieser Krise hervor.»

Kein einziges der 150 Geschäfte muss im Shoppi Tivoli aufgrund des Coronavirus schliessen, versichert Stäuble. Das heisst aber nicht, dass alle bleiben. Vor kurzem wurde bekannt, dass die Globus-Filiale in Spreitenbach Ende August zugeht. Neun Mitarbeitende sind davon betroffen. Das Geschäft war schon länger am Kriseln. Wegen schrumpfender Umsätze wurden bereits mehrere Filialen geschlossen. Anfang Jahr verkaufte die Migros die Warenhauskette an die österreichische Signa-Gruppe und deren thailändischen Partner Central Group. Die neuen Besitzer wollen sich auf das Luxus- und Premiumwarenhausgeschäft in den grossen Städten fokussieren, heisst es.
Stäuble kann noch nicht verraten, wer in das Ladenlokal einziehen wird. Doch er weiss, dass Globus bereits Mitte August geht. «Wir starten dann bereits mit dem Umbau der Räume. Die Fassade gegen die Strasse, wo die künftige Limmattalbahnhaltestelle zu liegen kommt, wird erweitert.» Über den heutigen Globus-Standort soll künftig der Zugang von aussen zum Shoppi Tivoli erfolgen. Der Bau der Limmattalbahnhaltestelle ist Teil des Bauprojekts Tivoli Garten. Für über 200 Millionen Franken entstehen dort fünf Mehrfamilienhäuser mit 438 Wohnungen, ein Kindergarten und ein Obi-Baumarkt. Vom Shoppi Tivoli ist durch den Tivoli Garten zudem eine Verbindung bis zum Pathé-
Kino Spreitenbach in der Überbauung Limmatspot geplant. «Das Projekt ist super für uns, weil wir mit der Limmattalbahn noch besser an Zürich angebunden sein werden. Kinobesucher können vor- oder nachher bei uns vorbeikommen, einkaufen oder etwas essen», sagt der Centerleiter.

Attraktive Schaufenster oberhalb der neuen Haltestelle

Da das Zentrum gegen aussen geöffnet werde, entstünden auf der Plattform oberhalb der Limmattalbahnhaltestelle Platz für Restaurants, Sitzmöglichkeiten und attraktive Schaufenster für neue Einzelhändler, so Stäuble. Ab 2022 sollen die neuen Räume, die Haltestelle und der Baumarkt fertig gestellt sein. Auch aufgrund dieser Projekte blickt er der Zukunft des Shoppi Tivoli positiv entgegen.

Neues gibt es bereits jetzt ein paar hundert Meter vom Einkaufstempel entfernt im ehemaligen Globus-Lager neben dem doppelspurigen Kreisel. In die frühere doppelstöckige Ladenfläche des Interio ist der Discount-Möbelhändler Mömax des österreichischen Konzerns XXXLutz gezogen. Vergangene Woche feierte man erfolgreich Eröffnung. «Bereits vor Ladenöffnung um 10 Uhr standen über 100 Personen Schlange. Es war wirklich ein toller Start», sagt Mömax-Schweiz-Chef Régis Paudex. Bei der Möbelhauskette ist man trotz Coronapandemie und Schwierigkeiten im Einzelhandel positiv gestimmt. 

«Der Möbelmarkt ist wieder am Wachsen. Die Leute waren lange zuhause, haben weniger Geld ausgegeben und gesehen, was sie zuhause verändern wollen. Das kommt uns entgegen», sagt Paudex. Die Branche sei unglaublich in Bewegung. In den letzten zehn Jahren habe ein starker Verdrängungskampf geherrscht etwa aufgrund von Einkaufstourismus und der starken Euro-Franken-Parität. Gewisse Möbelhäuser hätten aufgegeben. «Als Neuling ist es das Ziel von Mömax, sich einen Marktanteil zu sichern und sich zu etablieren», sagt Paudex. Dies wolle man mithilfe des Angebots aus trendigen Möbeln und Dekorationsartikeln zu günstigen Preisen erreichen.