Neuenhofer suchen einen zweiten Gemeindeschreiber

Weil der Gemeindeammann fehlt, wird die Verwaltungsreorganisation in Neuenhof gezwungenermassen vorangetrieben.
Im September informierte der damalige Gemeinderat in einer Medienmitteilung, dass der Wechsel zum Verwaltungsleitungsmodell sinnvoll sei. In der anschliessenden Vernehmlassung unterstützten auch Parteien und Kommissionen die Trennung vom Strategischen (Politik) und dem Operativen (Verwaltung). Bisher war das Ammannamt ein 80- oder 100-Prozent-Pensum, die Person war für die Personalleitung zuständig und nahm Einsitz in die Geschäftsleitung.
Nachdem Neuenhof nun ohne Ammann dasteht und die Verwaltung per sofort Arbeiten übernehmen musste, wird die Verwaltungsreorganisation gezwungenermassen schnell umgesetzt. Auf jobs.ch ist bereits eine Stelle als Gemeindeschreiber II mit 100-Prozent-Pensum ausgeschrieben. Eigentlich müsste der Souverän über solche Stellenaufstockungen entscheiden. «Weil ‹Gefahr im Verzug› herrscht, kann der Gemeinderat die Stelle in eigener Kompetenz bewilligen», sagt Gemeindeschreiber Jürg Müller. Zumindest für eine Übergangsfrist, zumal durch die Pensenreduktion beim Ammann Geld gespart wird. «Wir brauchen auf der Verwaltung sowieso dringend eine weitere Gemeindeschreiber-Fachperson», so Müller.
Kandidat dank Pensenreduktion
Als Auswirkung der Verwaltungsreorganisation beträgt das Amt als Ammann nur noch 40 Prozent. Bereits im Dezember hatte Gemeinderat Tobias Baumgartner (parteilos) mitgeteilt, dass er unter diesen Umständen am 8. März als Ammann kandidieren wird. Weil keiner seiner Ratskollegen Interesse am Amt hat, stehen seine Chancen gut – nur wer im Gemeinderat sitzt, kann als Ammann gewählt werden.
Kommt es so weit, will Baumgartner sein Pensum bei seinem jetzigen Arbeitgeber reduzieren. «Eine Kündigung wäre für mich nicht in Frage gekommen, auch wenn mich das Ammannamt schon gereizt hat», sagt der 44-Jährige, der im Mai als Ersatz für den verstorbenen Felix Mehmann gewählt wurde.
Arbeitslast bleibt
Auch wenn mit der Wahl des Ammanns die Hälfte der Arbeitslast wieder an die Exekutive zurückgeht, bleibt der operative Teil als Mehraufwand bei der Verwaltung. Vizeammann Daniel Burger (parteilos): «Im Rahmen der Verwaltungsreorganisation soll der Verwaltungsleiter künftig fürs Personal zuständig bleiben.» Gemäss Müller liegen solche Organisationsänderungen in der Kompetenz des Gemeinderats. Als Gemeindeschreiber I habe er den Grossteil der anstehenden Arbeit übernommen. «Zusammen mit dem Team decken wir das Sachgebiet so gut es geht ab, bis eine definitive Lösung steht.»
An der nächsten Gemeindeversammlung im Sommer soll der Souverän die bereits vollzogene Stellenaufstockung absegnen, danach soll gemäss Baumgartner die Verwaltungsleiterstelle ausgeschrieben werden. «Wer Verwaltungsleiter wird, ist noch offen. Es ist auch denkbar, dass es einer der Gemeindeschreiber sein wird, weil wir dort durch die jetzige Stellenaufstockung sonst ein zu grosses Pensum hätten», so Baumgartner. Bis es so weit ist, besteht in Neuenhof das 2017 eingeführte Geschäftsleitungsmodell. Dieses wird durch die Abteilungsleiter Dienste, Bau und Planung, Finanzen und Bildung zusammengesetzt, Gemeindeschreiber Jürg Müller hat den Vorsitz. In der Gemeinde Würenlos gibt es ebenfalls das Geschäftsleitungsmodell, in Wettingen und Spreitenbach das Verwaltungsleitermodell.


