«Meine Tür ist am Montag und Freitag immer offen»

Am Sonntag hat die Neuenhofer Bevölkerung Tobias Baumgartner zum neuen Ammann gewählt. Nach zwei Monaten sind nun wieder alle Ämter besetzt.
Am Sonntag wurde Tobias Baumgartner (parteilos) mit 837 Stimmen gewählt. Am Montag bezog er bereits sein Büro im Gemeindehaus und posiert über Mittag fürs Foto für die Limmatwelle. Nachdem sich anfänglich keiner der gewählten Gemeinderäte fürs Amt zur Verfügung gestellt hatte, stand Neuenhof seit Anfang Januar ohne Ammann da. Baumgartner übt das Amt im 40-Prozent-Pensum aus. Er wird künftig Montag und Freitag im Gemeindehaus anwesend sein.
Sie wurden mit 837 klar gewählt, Gratulation! Tobias Baumgartner: Danke.
Als einziger Kandidat fürs Amt als Gemeindeammann konnten Sie mit der Wahl rechnen. Ist es so gelaufen, wie Sie es sich vorgestellt haben? Ja, so wie ich es mir vorgestellt und mir gewünscht habe. Ich habe damit gerechnet, dass die anderen Gemeinderäte ein paar Stimmen mehr erhalten und die Wahl nicht so eindeutig verläuft. Ich bin sehr zufrieden. Dass über 90 Prozent für mich gestimmt haben, zeigt, dass die Bevölkerung hinter mir steht.
161 Personen haben sich zwar an der Ammannwahl beteiligt, den Wahlzettel aber leer abgegeben. Wie beurteilen Sie das? Entweder haben sie vergessen, diesen Wahlzettel auszufüllen, oder sie wollten damit protestieren. Das gibt es immer und ist einfach so. Für mich ist das nicht relevant.
Wie haben Sie gefeiert? Im kleinen Kreis habe ich zu Hause mit ein paar Gemeinderäten angestossen. Abends sind ein paar Kollegen vorbeigekommen und ich habe ein paar Bratwürste grilliert.
Sie haben unter der Prämisse kandidiert, dass Sie das Ammannamt nicht wie Ihr Vorgänger mit einem 80-, sondern mit einem 40-Prozent-Pensum ausführen können. 60 Prozent bleiben Sie als Planer bei den SBB. Das bedingt eine Reorganisation der Verwaltung. Wird diese nun mit Ihrer Wahl per sofort umgesetzt? Grundsätzlich ja. Wir sind seit Anfang Jahr dran, die Organisation vom Geschäftsleitungs- zum Verwaltungsleitermodell umzustellen.
Werden Sie also nicht wie Ihr Vorgänger Einsitz in der Geschäftsleitung nehmen und auch nicht für die Personalleitung zuständig sein? Nein.
Sie haben angekündigt, dass Sie an der Gemeindeversammlung im Juni die Stelle eines Verwaltungsleitenden bewilligen lassen und die Stelle danach ausschreiben. Bereits im Januar haben Sie eine Stelle als Gemeindeschreiber II ausgeschrieben. Wurden Sie fündig? Nein. Der Markt ist ausgetrocknet. Es ist davon auszugehen, dass wir bisher noch keine geeigneten Bewerbungen erhalten haben, weil das Stellenpensum noch nicht von der Gemeindeversammlung genehmigt worden ist.
Was tun Sie, wenn Sie niemanden finden? Wir sind davon überzeugt, dass wir die Stelle spätestens nach der Pensenbewilligung durch die Gemeindeversammlung besetzen können. Mit der zusätzlichen Gemeindeschreiberstelle hätte die Situation bis zur effektiven Lösung überbrückt werden sollen.
Stimmt der Souverän nur über die Erhöhung der Stellenpensen ab oder wird er sich auch zur Reorganisation äussern können? Er stimmt nur über die Stellenerhöhung ab. Eine Ablehnung des Stellenpensums wäre eine schwierige Ausgangslage für den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung. Dann müssten wir alles nochmals neu überdenken und das würde Unsicherheit schaffen.
Auch darüber, ob das Ammannpensum im 40-Prozent-Pensum ausgeführt werden kann – was würde das für Sie bedeuten? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich vertraue auf den Souverän, dass er die Stellenaufstockung gutheisst und somit auch Ja zur Verwaltungsreorganisation sagt.
Als Gemeinderat waren Sie fürs Ressort Bildung, Kultur/Vereine, Sport, Forst und Landwirtschaft sowie Ortbürgergemeinde zuständig. Was verändert sich bezüglich Ressort und Zuständigkeiten mit der Wahl für Sie? Nichts. Mit der neuen Zusammenstellung im Gemeinderat auf die neue Amtsperiode hin haben wir das bereits so verteilt. Damals habe ich zusätzlich die Ortsbürger und den Forst übernommen.
Zwei heisse Themen in Neuenhof sind die Finanzen und das Härdli. Wollen Sie dort nicht den Lead haben? Nein, aber nicht wegen der Situation, sondern weil es nicht meine Kernkompetenzen sind. Als Vorsitzender des Gemeinderates bin ich automatisch involviert und will Bescheid wissen, aber der Ressortinhaber ist im Lead. Zurzeit sind wir dran, mit einem externen Fachbüro zusammenzuarbeiten. Mit den Direktbeteiligten – also den Ortsbürgern, dem Alterszentrum Sonnmatt und der Einwohnergemeinde – suchen wir das Gespräch.
Zu vielen Emotionen führte die Verlegung der Tennisplätze und der Familiengärten. Ist der Gemeinderat mit den Beteiligten auch im Gespräch? Sie sind Mieter auf Ortsbürgerland. Somit sind sie durch die Ortsbürger vertreten. Wir werden aber gleichwohl den weiteren Dialog suchen.
Der Gemeinderat hat im Sommer mitgeteilt, dass er rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Finanzverwalter eingereicht hat. Wie ist der aktuelle Stand? Das Verfahren läuft noch, deshalb kann ich nichts dazu sagen. Äussern kann ich mich zur allgemeinen Finanzsituation: Im Moment sind wir im Bereich Finanzen am Aufschaffen. An der Gemeinderatsklausur hat uns letzte Woche die Leiterin Finanzen aufdatiert. Das interne Kontrollsystem greift, wir haben jetzt einen Überblick. Es braucht Zeit, wir können nicht alles von heute auf morgen erledigen. Trotz knappen Finanzen steht die Gemeinde Neuenhof im Finanzvergleich in Sachen Effizienz gut da. Das zeigt ein Artikel, der am Samstag in der «Aargauer Zeitung» publiziert wurde.
Ein Thema, mit dem sich der Gemeinderat befassen muss, ist der mangelnde Schulraum. Wie lösen Sie diese Herausforderung? Wir sind an der Kapazitätsgrenze. Die Geburtenrate stagniert oder ist leicht rückläufig. Doch aufgrund des allgemeinen Bevölkerungswachstums werden uns im Jahr 2035 Schulräume für sieben bis acht Klassen fehlen. Zurzeit erarbeiten wir eine Substanzanalyse, damit wir im Sommer entscheiden können, wie zusätzlicher Schulraum geschaffen werden kann. Je nach Bausubstanz ist eine Aufstockung eine Option. Im Sommer wissen wir mehr.
Der Gemeinderat war in letzter Zeit vor allem negativ in den Schlagzeilen. Braucht es Veränderung in der Kommunikation? Ja, es kann nicht wie bisher weiterlaufen. Kommunikation ist mir wichtig. Meine Türe ist am Montag und Freitag immer offen. Der Gemeinderat will neue Kommunikationsgefässe schaffen. Sie sind noch nicht abschliessend diskutiert. Aber vermutlich werden wir künftig so etwas Ähnliches wie einen Stammtisch anbieten.
Da warten einige Herausforderungen auf Sie als Gemeindeammann. Wie gehen Sie mit dem Druck um? Ich habe heute mit Freude gestartet und auch gut geschlafen. Es ist eine grosse Verantwortung, dessen bin ich mir bewusst. Ich empfinde es aber nicht belastend, sondern freue mich, die Herausforderungen gemeinsam anzugehen.


