12.01.2023

Optimistin wurde 100 Jahre alt

Hildi Schwarz in der Cafeteria im Regionalen Pflegezentrum Baden.
Melanie Bär

Hildi Schwarz in der Cafeteria im Regionalen Pflegezentrum Baden.

Optimismus ist Hildi Schwarz’ Rezept für ein langes, zufriedenes Leben. Sie muss es wissen: Ende Jahr ist die Wettingerin 100 Jahre alt geworden.

Von: Melanie Bär

Hildi Schwarz sitzt am Tisch in der Cafeteria des Regionalen Pflegezentrums Baden (RPB). Neben ihr steht ein Rollator. Ihr Rollator. Es ist
das einzige Hilfsmittel, das die 100-Jährige mittlerweile regelmässig braucht. Seit rund zwei Jahren. Damals hatte sie den Schenkelhals gebrochen, als sie sich nach dem Briefkastenleeren bücken wollte, um eine hinuntergefallene Zeitung aufzuheben, und dabei das Gleichgewicht verlor. Doch die alte Dame ist zäh. Sie kehrte nach dem Spitalaufenthalt in ihre Wohnung der Lägere-Genossenschaft zurück, die sie mit ihrem Mann 70 Jahre zuvor – damals neu gebaut – als Erstmieter bezog. Einen Lift gibt es darin nicht, das Treppensteigen hielt die 98-Jährige fit. Bis sie erneut stürzte. Zur Erholung kam sie ins RPB – und blieb. 
Das Zimmer teilt sie sich mit zwei anderen Frauen. «Ja, es gefällt mir», sagt sie und nickt zufrieden. Erst beim Nachfragen gesteht sie, dass es nicht immer einfach sei, zu dritt in einem Zimmer zu wohnen, es im RPB auch unzufriedene Bewohnerinnen und Bewohner gebe. 

Positiv und optimistisch


Sie hingegen hat nichts auszusetzen und will keine Energie in Negatives investieren. Lieber wendet sie sich dem Positiven zu. An diesem Nachmittag ihren «Schätzen», wie sie Bea Grünig und Hanspeter Müller bezeichnet, die mit ihr am Tisch sitzen. Die beiden gehören zu ihrem grossen Freundeskreis und besuchen sie regelmässig. Mindestens einmal pro Woche kommen sie zum Mittagessen ins RPB. An diesen Tagen isst Hildi Schwarz nicht mit den anderen Senioren im Speisesaal im ersten Stock, sondern in der Cafeteria im Erdgeschoss. «Dann gibts Essen vom Buffet – sehr fein», sagt die alte Dame und erzählt, wie sie sich im Badener Café Himmel kennen gelernt haben. Dort traf sie sich regelmässig mit einer Gruppe Frauen zum Kaffeetrinken. Hanspeter Müller war der freiwillige Fahrer, der diejenigen, die nicht gut zu Fuss waren, hin- und herfuhr. Bea Grünig begleitete ihre kranke Mutter, die mittlerweile verstorben ist. So entstand eine Freundschaft. 
Leute kennen lernen – das fällt Hildi Schwarz dank ihrer offenen und herzlichen Art leicht. «Und sie ist sehr grosszügig und gastfreundlich, hat ihr Leben lang Leute eingeladen und bekocht», sagt ihre Nichte Vreni Schneider später am Telefon, um Ergänzungen aus dem Leben ihrer Tante zu erzählen. Denn viele Fragen kann Hildi Schwarz nicht beantworten. «Ich weiss es nicht mehr», antwortet sie immer wieder. Was auch ohne Erinnerungsvermögen geblieben ist, sind Lebensfreude und Interesse an Menschen – auch mit 100 Jahren. 

Altes Brot zu Kriegszeiten


In einer Schularbeit, die ihr mittlerweile erwachsener Enkel in der Volksschule über seine Grossmutter schrieb, ist dennoch einiges festgehalten. Etwa, dass sie mit fünf Brüdern und einer Schwester im solothurnischen Oekingen aufwuchs, wo sie sich das Zimmer mit zwei Geschwistern teilte. Während ihre fünf Brüder Schmid, Mechaniker, Bäcker und Sanitärmonteur lernten, durften die Mädchen trotz Bezirksschulabschluss höchstens einen Welschlandaufenthalt machen. Hildi Schwarz lernte dort Französisch, betreute Kinder, half im Haushalt und bei der Traubenlese mit. Als Lohn gab es fünf Franken pro Monat und zwei, drei Stunden Freizeit pro Woche. 
«Da die Wohnstube das einzige geheizte Zimmer war, traf man sich nach dem Feierabend am Stubentisch zum Kartenspiel», hielt ihr Enkel fest. Auch das, was sie als Kind und Jugendliche im Weltkrieg erlebte und woran sie sich heute nicht mehr erinnert, hat er in seiner Schularbeit niedergeschrieben: «An vieles musste man sich gewöhnen, beispielsweise die Verdunkelung der Fenster am Abend. Am Velo montierte man dunkelblaue Glühbirnen und das Brot durfte man erst essen, wenn es drei Tage alt war, weil Essen gespart werden musste.» Während die Männer Militärdienst leisteten, erledigten die Frauen die Arbeit auf dem Hof, die Kindererziehung und den Zivildienst daheim – ohne jegliche Entschädigung. Weil Hildi Schwarz als Siebzehnjährige in einem Hotel in Genf arbeitete, kam sie auch mit Flüchtlingen in Kontakt: Juden und Deutsche, die mit Adolf Hitler nicht einverstanden waren.

Zum 100. Geburtstag ein Fondue


Mit 28 Jahren heiratete sie ihren zehn Jahre älteren Mann, den sie in einer Bar kennenlernte. Sie zogen nach Wettingen, bekamen einen Sohn und eine Tochter. Ihr Mann verstarb bereits mit 66 Jahren an Krebs. «Ich habe ihn noch gepflegt», sagt Hildi Schwarz und erinnert sich auch daran, dass sie danach eine Stelle im Badener Landvogteischloss antrat. 
Die Arbeit im Historischen Museum gefiel ihr gut. Sie schwärmt noch heute davon: «Ich lernte viele Leute kennen und habe einige zusammengebracht.» Dort hat sie auch ihren 70. Geburtstag gefeiert. Feiern tut sie auch dreissig Jahre später noch gerne: Einige Freunde von damals kamen am 29. Dezember auch zum 100. Geburtstag. Die Feier fand diesmal im RPB bei einem Fondue statt.
Weggehen mag sie nicht mehr so gerne. Die Energie habe abgenommen, sie sei schnell müde, begründet sie. Über den Besuch ihrer «Schätze» freue sie sich aber immer, sagt sie und lacht ihren heutigen Besuchern zu. Auch darüber, ein Gläschen Wein mit ihnen zu trinken. Sagts und zeigt auf die halb volle Flasche Rotwein, die im Korb ihres Rollators parat liegt. Es scheint, als würde sie jeden Moment, der ihr im Leben noch bleibt, so gut wie möglich geniessen.

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