Wettingen
22.12.2021

Bis zum Schluss engagierten sich Nicole Meier, 	Désriée Mollet und Judith Gähler als Schulpflegerinnen für die Schule Wettingen. zVg

Bis zum Schluss engagierten sich Nicole Meier, Désriée Mollet und Judith Gähler als Schulpflegerinnen für die Schule Wettingen. zVg

Judith Gähler, Nicole Meier und Désirée Mollet stemmten die Aufgaben der Schulpflege Wettingen 15 Monate als Trio. Zum Abschied sprechen sie über ihren Ansporn und ihre Wünsche für die Schule.

Von: Sibylle Egloff

Dass die Schulpflegen im Kanton Aargau abgeschafft werden, damit haben die Wettinger Schulpflegerinnen Judith Gähler (FDP), Désirée Mollet (FDP) und Nicole Meier (Die Mitte) bereits vor der Volksabstimmung im Herbst 2020 gerechnet. Dass sie die Behörde aber 15 Monate lang bis Ende 2021 nur noch zu dritt leiten werden, das kam jedoch überraschend.

Thomas Sigrist (Präsident, parteilos) und Marcel Aebi (Vizepräsident, Die Mitte) traten bereits im Herbst 2020 aus dem Gremium zurück. Seitdem stemmen Gähler, Mollet und Meier die Aufgaben, die sonst fünf Personen erledigen. Im Abschiedsgespräch erzählen sie von ihrer Motivation weiterzumachen, intensiven Monaten und was sie sich für die Schule Wettingen wünschen.

Coronavirus, Ausfall der Schulgeschäftsleitung und die Übergabe Ihrer Aufgaben an den Gemeinderat und die Schulleitungen: 2021 war ein anstrengendes Jahr für die Schulpflege Wettingen. Haben Sie nie ans Aufgeben gedacht? Judith Gähler: Nein, wir waren stets motiviert, unser Amt weiterzuführen trotz widrigen Umständen. Wir sind davon ausgegangen, dass die Schulpflegen abgeschafft werden, weil dies bereits früher ein Thema war. Als ich mich für die Legislatur 2018 bis 2021 wieder zur Verfügung stellte, war mir klar, dass das wohl die letzte Amtsperiode sein wird. Einschneidend war für uns nicht das Resultat der Volksabstimmung, sondern der Rücktritt des Präsidenten und des Vizepräsidenten. Wir waren erleichtert, dass wir vom Kanton schliesslich das Okay bekamen, die Schulpflege zu dritt führen zu können, ohne dass es noch Ersatzwahlen gibt.

Nicole Meier: Die überraschenden Rücktritte haben uns einen zusätzlichen Kick gegeben. Uns war von Anfang an klar, wir packen das zu dritt. Wir wollten uns nicht im Selbstmitleid suhlen, sondern pragmatisch vorwärtsschauen und das Beste aus der Situation machen. Stark unterstützt haben uns dabei alle Schulleitenden.

Désirée Mollet: Ich glaube, das ist uns rückblickend auch gelungen. Wir sind die fünf Ressorts durchgegangen, haben gestrichen, neu verteilt und geschaut, was Priorität hat und was wir bereits an die Schulleitungen delegieren können. Der Vorteil zu dritt war, dass wir uns über spontane Anrufe auf Whatsapp sehr schnell kurzschliessen und Entscheidungen treffen konnten. Ein Glück war auch, dass Judith gerade eine achtmonatige Pause ihrer dreijährigen Ausbildung zum Coach und zur Organisationsberaterin hatte und sich so noch mehr engagieren konnte.

Sind Sie nicht traurig, dass diese Zeit nun zu Ende ist? Gähler: Ich habe mich in den letzten Wochen einige Male mit dem Loslassen beschäftigt. Es ist ein persönlicher Prozess. Ich werde den Austausch mit den Menschen und im Gremium vermissen. Es war für uns schön, Visionen zu schaffen. Ich war zwölf Jahre lang in der Schulpflege und vor allem der Schluss war sehr intensiv. Aber ich bin guter Dinge. Alles ist gut aufgegleist. Die Schule ist parat für den Wechsel.

Meier: Gemeinderat Sandro Sozzi (Die Mitte) ist sehr motiviert und vermittelt, dass er Freude an seiner Aufgabe hat. Er weiss, dass viel auf ihn zukommt. Die Schule Wettingen ist eine sehr tolle Schule. Es wird sicher immer wieder Herausforderungen geben, die sie bewältigen muss. Doch es gibt keine Baustellen, die unlösbar sind. Die Schule steht auf einem guten Fundament.

 

Mollet: Ich bin überzeugt, dass der Übergang gut klappt, daher kann ich beruhigt loslassen, auch wenn mir besonders die strategische und konzeptionelle Arbeit mit so vielen Fachpersonen fehlen wird. Sandro Sozzi hat ein gutes Team, auf das er sich verlassen kann. Und auch er ist gut vorbereitet. Seit vier Jahren kümmert er sich um das Ressort Bildung. Zudem ist er seit eineinhalb Jahren an allen Schulpflegesitzungen dabei.

 

Sie engagierten sich zwölf, acht und zwei Jahre lang für die Schulpflege. Was reizte Sie an diesem Amt? Gähler: Ich bin ursprünglich Lehrperson und mich hat es schon immer interessiert, die andere Seite zu sehen und die Schule mitzugestalten. Zudem war es mir wichtig, Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen. Ich bin nicht in Wettingen aufgewachsen und auf diese Art und Weise war es für mich einfacher, Fuss zu fassen.

Mollet: Mir ging es ähnlich. Ich bin in meiner Schulzeit viel umgezogen und habe verschiedene Schulen erlebt. Mich reizte es zu sehen, wie eine Schule organisiert ist. Ich fühle mich dank meinem Engagement als Schulpflegerin mehr zu Hause in Wettingen, weil ich die Schule aktiv mitgestalten kann. Schön ist auch, dass ich viele Leute kenne, wenn ich durchs Dorf gehe.

Meier: Die Schule ist Dreh- und Angelpunkt für die künftige Gesellschaft. Kinder werden darin zu jungen Menschen ausgebildet, Werte werden vermittelt. Dieses System braucht viel Unterstützung, damit es funktioniert. Dazu wollte ich einen Beitrag leisten.

Was wird denn künftig auf die Schule zukommen? Mollet: Neue Schulbauten und der Lehrplan 21 werden die Schule auf Trab halten.

Meier: Die Schule wird permanent von Entwicklungen und Systemanpassungen verändert. Gesellschaftliche Themen wie Jugendkriminalität und Gewalt, die in den letzten Jahren ständig zunahm, werden die Schule beschäftigen. Damit verbunden ist auch die Coronasituation, die bei Kindern und Jugendlichen ihre Spuren hinterlässt.

Was wünschen Sie sich für die Schule Wettingen? Meier: Sie soll lebendig und offen bleiben. Ich wünsche dem Schulleitungsgremium weiterhin Lust, die Schule zusammen weiterzuentwickeln und sie vorwärtszubringen. Ich hoffe, man schafft unter den verschiedenen Schulkreisen den Balanceakt von Individualität und Einheit.

Mollet: Die Schule braucht Raum und Ressourcen. Die letzten zwei Jahre waren durch die Pandemie, den neuen Aargauer Lehrplan, eine neue Ressourcenverteilung und ein neues Lohnsystem geprägt. Ich würde mir wünschen, dass die Schule nicht so stark auf äussere Umstände reagieren muss, sondern dass sie Veränderungen auch wieder vermehrt selbst von sich aus initiieren kann. Geduld und gegenseitiges Verständnis sollen helfen, die unterschiedlichen Denkweisen zu vereinen.

 

Gähler: Ich hoffe, dass die Schule ihren Innovationsgeist bewahrt und entwicklungsfreudig bleibt. Ich wünsche dem Gemeinderat und den Mitarbeitenden der Schule ein gutes Händchen bei Entscheidungen und Mut zu unkonventionellen Lösungen. Ich bin sicher, dass die Schule so unter einem guten Stern steht.

Zu Den Personen

Nicole Meier ist 46 Jahre alt und engagiert sich seit zwei Jahren in der Schulpflege Wettingen. Sie amtete als Co-Vizepräsidentin und betreute die Ressorts Laufbahn, Infrastruktur und Finanzen. Die Politikerin (Die Mitte) war von 1997 bis 2012 Aargauer Grossrätin. Seit Oktober unterstützt die Public-Affairs-Spezialistin den Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos). Meier ist verheiratet und hat drei Kinder.

Désirée Mollet ist 39 Jahre alt und setzte sich während acht Jahren für die Schulpflege Wettingen ein. Zuletzt kümmerte sie sich als Co-Vizepräsidentin um die Ressorts Personal und Eltern. Die Rechtsanwältin politisiert seit dem 1. Januar 2015 im Wettinger Einwohnerrat für die FDP. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

Judith Gähler amtete zwölf Jahre lang als Schulpflegerin, in den letzten 15 Monaten kümmerte sie sich um das Präsidium, die Qualität der Schule und die Schulentwicklung. Gähler ist ausgebildete Lehrperson und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Coach, zur Supervisorin und Organisationsberaterin. Die 45-Jährige sitzt zudem seit dem 16. März 2017 für die FDP im Wettinger Einwohnerrat. Gähler ist verheiratet und hat zwei Kinder.