Würenlos
03.06.2021

Schwab-Beck muss wegen Corona schliessen

Durch Corona in die Knie gezwungen: Nach 74 Jahren Familienbetrieb mussten Stefanie und Martin Schwab den Schwab-Beck schliessen.  Romi Schmid

Durch Corona in die Knie gezwungen: Nach 74 Jahren Familienbetrieb mussten Stefanie und Martin Schwab den Schwab-Beck schliessen. Romi Schmid

Ofen aus bei Würenloser Traditionsbeck: Der Schwab-Beck schliesst seine Türen ab sofort. Der Grund: die Coronapandemie.

Von: Romi Schmid

Die Coronakrise treibt ein weiteres Unternehmen in den Ruin: Die Schwab-Beck GmbH in Würenlos muss schliessen. Ende Mai verkündete der beliebte Traditionsbeck die Schliessung mit einem Schreiben: «Schweren Herzens nehmen wir Abschied. Die Krise hat die wirtschaftliche Situation in unserer Branche massiv verschärft, was uns zur Betriebsaufgabe gezwungen hat.» Martin Schwab, der den Betrieb in der dritten Generation gemeinsam mit Schwester Stefanie führt, erklärt: «Seit Beginn der Coronapandemie hatten wir mit starken Umsatzeinbussen zu kämpfen. Unser Geschäftsmodell beruht auf Kundenaufträgen wie Apéros und Catering für Privatkunden und Firmen. Diese sind seit Beginn der Krise weggefallen.» Trotz dem Ausbau des Ladenangebots, der Anpassung der ­Ladenöffnungszeiten und einem Coronakredit vom Bund: «Die Umsatz­­­­einbussen wogen zu schwer. Wir hatten keine Chance. Es ist ein sehr schwerer Schritt für uns alle – Corona hat uns in die Knie gezwungen.»

Traditionsbeck seit 1947

Mit der Schliessung der Bäckerei geht eine traditionsreiche Ära zu Ende. «Der Schwab-Beck ist seit 74 Jahren im Familienbesitz. Mein Grossvater gründete die Firma 1947, später führte mein Vater während mehr als dreissig Jahren den Betrieb», sagt Schwab. 2014 übernahmen er und seine Schwester die Führung der Bäckerei in der dritten Generation von Vater Hans. «Auch für meine Eltern, die immer noch oberhalb der Backstube wohnen, ist die Situation nicht einfach. Mein Vater erlitt letztes Jahr einen schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag. Er konnte seither nicht mehr in der Bäckerei mithelfen, war aber mit dem Herzen immer dabei.»

Keine «Würenloser Chriesi» mehr

Bekannt war der Schwab-Beck neben den feinen Cremeschnitten und Nussgipfeln insbesondere für die «Würenloser Chriesi». Die beliebte und traditionsreiche Spezialität ist weit über Würenlos hinaus bekannt: «Die Kirschen für diese Spezialität haben wir jeweils handverlesen. Die ‹Würenloser Chriesi› waren bei unseren Kunden sehr beliebt», sagt Martin Schwab mit einem Seufzen. Für den 39-Jährigen ist die Situation schwierig. «Mein ganzes Leben habe ich hier verbracht», sagt er und ergänzt: «Ich und meine Schwester sind hier im Haus oberhalb der Backstube gross geworden. Den Laden leer und die Öfen kalt zu sehen, ist sehr traurig für uns alle.» Auch für die zehn Mitarbeitenden sei die Schliessung ein Schock gewesen. «Für uns war wichtig, alle Mitarbeitenden noch zahlen zu können und mit ihnen gemeinsam Nachfolgelösungen zu suchen», erklärt Schwab.

Firma ist Konkurs

«Wir machen zu, weil der Coronakredit sowie unsere eigenen Mittel erschöpft sind», sagt der gelernte Koch. Verbittert sei er deswegen nicht. «Es ist, wie es ist.» Alle Kleinbetriebe würden unter der jetzigen Situation leiden. Die Unterstützung des Staates sei einfach nicht genug, um die Mindereinnahmen abzufedern. Zwar habe auch die Gemeinde Würenlos Unterstützung angeboten, so Schwab, aber das Risiko, später dennoch schliessen zu müssen, sei einfach zu gross: «Wir sind zum Schluss gekommen, dass sich die Wirtschaft zu wenig schnell von der Pandemie erholen wird und der Betrieb in absehbarer Zeit nicht wieder rentabel sein würde. Wir ziehen den Schlussstrich lieber jetzt», sagt er.

Die Backstube ist gefegt, die Aufträge sind storniert, die Öfen aus: «Wir kümmern uns nun um alles Organisatorische», sagt Schwab. Was dann kommt, sei offen. «Wir wissen noch nicht, was wir nach der Schliessung machen.» Auch wie es mit dem Lokal weitergeht, steht noch nicht fest. «Zuerst müssen wir das mit der Schliessung setzen lassen», sagt Schwab.