Zwar keinen Klosterschatz, dafür wichtige Hinweise

Um die kulturträchtige Klosterhalbinsel wieder näher in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen, werden seit Anfang April Ausgrabungen gemacht und Strassen saniert.

Noch vor einem halben Jahr setzten Hobbygärtner in ihren Schrebergärten auf der Wiese hinter dem Abthaus, auf der Nordseite des Klosterareals, Gemüse und säten Blumen. Zwar waren dort auch vergangene Woche Gärtner anzutreffen. Ihr Ziel war aber nicht, erste Gemüsesetzlinge zu pflanzen. Im Gegenteil: Die Schrebergärten sind längst verschwunden und der Bagger ist aufgefahren.

Die Klostergärtner Beni Egloff und Katrin Cavigelli hatten vergangene Woche ein anderes Ziel. «Wir wollen herausfinden, wo hier vor knapp 200 Jahren die Wege verliefen», sagt Egloff, Leiter der Klostergärtnerei. Um das Niveau zu eruieren und zu erfahren, welche Baumaterialen verwendet worden waren, suchten die beiden nach Fundamenten, Mauern, Resten von Treppen und Geländerspuren.

Auf diversen Bildern, Zeichnungen und anhand einer Landkarte aus dem Jahre 1845 kann man erahnen, wie es hinter dem Abthaus einst ausgesehen haben könnte – bevor die Wege zugeschüttet wurden, darüber später Schrebergärten entstanden sind und nur noch die mächtige Mauer ums Abthaus herum zu sehen ist.

Um hinweise zu finden, gruben die beiden Landschaftsgärtner dort, wo auf der Landkarte Wege und Geländesprünge eingezeichnet sind, zwei Meter tiefe, wegbreite Sondiergräben. Schon am ersten Morgen stiessen sie auf einen wichtigen Hinweis: Die beiden entdeckten den Sockel einer achtkantigen Säule. Im Laufe der Woche kamen verschiedene Reste von Wegbelägen, Randbefestigungen und Fundamenten hinzu. «Der Klosterschatz kam leider nicht zum Vorschein», sagt Egloff und lacht.

Dafür einige Hinweise, die möglicherweise eine Wiederherstellung der Parkanlage möglich machen. Das ist nämlich das Ziel des Kantons. Die Erkenntnisse und Fundstücke werden nun vom archäologischen Dienst und der Denkmalpflege analysiert. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird ein Landschaftsarchitekturbüro später versuchen, die ursprüngliche Parkanlage zu rekonstruieren und so einen neuen Zugang zum Abthaus zu schaffen.

Nicht nur die Parkanlage soll wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht werden, sondern auch die Klosterstrasse. Die sanierungsbedürftigen Werkleitungen und der Strassenoberbau werden jedoch nicht wie üblich nur im Untergrund und mit einem neuen Belag saniert. Um die ursprüngliche Strasse auch äusserlich so gut wie möglich zu zeigen, werden auch Kopfsteinpflaster eingesetzt. «Der grösste Teil der Klosterstrasse erhält einen grobkörnigen Belag mit beidseitigen Entwässerungsrinnen und vor der Löwenscheune soll eine Begegnungszone mit Dorfplatzcharakter entstehen», sagt Thomas Renold, Leiter Dienste an der Kanti Wettingen.

Die Strassensanierungen und die Parkanlage vor dem Abthaus sind der erste von mehreren Schritten, um die Klosterhalbinsel neu zu gestalten und näher an ihren ursprünglichen Zustand zu bringen. Um das Ortsbild nicht zu stören, wird die neue Dreifachturnhalle auf dem Areal unterirdisch gebaut. Wenn sie im Juni 2018 in Betrieb genommen wird, kann die alte Turnhalle abgerissen werden. Der dort entstehende Neubau Hönggerhaus soll das Kloster ebenfalls wieder näher an den Ursprung bringen. Zudem soll es Schulräume für die Kantonsschule geben und im Gegenzug Platz für Museumsräume schaffen.

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