Würenlos
16.05.2018

Musik, das ist für ihn Gefühlssache

Martin Baschung ist passionierter Bluesmusiker und lebt seit Jahren in Spreitenbach. (Barbara Scherer)Auf dem Sternenplatz in Spreitenbach: Baschung und seine Gitarre.

Martin Baschung ist passionierter Bluesmusiker und lebt seit Jahren in Spreitenbach. (Barbara Scherer)

Auf dem Sternenplatz in Spreitenbach: Baschung und seine Gitarre.

Der Spreitenbacher Bluesmusiker Martin Baschung tritt mit seiner Band am Bluesfestival auf.

Barbara Scherer

Mit lockerem Schritt geht er die Dorfstrasse entlang. Schwarzer Anzug, schwarzer Hut, gelbes Hemd. In der rechten Hand trägt er eine Gitarrentasche. Beim Sternenplatz hält er inne: Martin Baschung ist Bluesmusiker und lebt seit über zwanzig Jahren in Spreitenbach. «Am Dorffest vor zwölf Jahren bin ich hier aufgetreten», sagt der 57-Jährige und blickt sich um.

Eigentlich ist der Sternenplatz eher eine grosse Kreuzung. Mittendrin ist ein grosser Stern gezeichnet. Heute fahren Autos unachtsam über ihn hinweg. Martin Baschung setzt sich auf die Holzbank vor dem roten Feuerwehr-Geräte-Lokal.

In der ganzen Stadt anzutreffen

Am Dienstag, 22. Mai, wird der Bluesmusiker zusammen mit seiner Band «Martin Baschung & Big B Tonic» in der Stanzerei am Bluesfestival Baden auftreten. Zusätzlich tritt der Spreitenbacher zehn Mal alleine in unterschiedlichen Ladenlokalen der Stadt auf. «Ich werde dort erst ein paar Stücke spielen und anschliessend etwas über die Geschichte des Blues erzählen», so Baschung.

Aufgewachsen ist Martin Baschung als ältester von drei Söhnen in Neuenhof. Wobei die Musik ihn schon seit seiner Kindheit begleitet: Der Vater war semiprofessioneller Volksmusiker.

Nach zwei Jahren freiwilligem Blockflötenunterricht entschied sich Baschung mit zehn Jahren für die Gitarre. Doch nur nach einem halben Jahr schmiss Martin Baschung den Unterricht hin. Von da an brachte er sich das Gitarrenspielen selber bei. «Ich war nicht für den Musikunterricht gemacht.»

Er spielt nach Gehör

Notenlesen konnte er nicht. Bis heute spiele er nie ab Blatt, sondern könne die Melodien auswendig. Musik sei für ihn stets eine Gefühlssache gewesen. Noten brauchte er dafür nicht: Er spielte nach Gehör.

Doch nur von der Musik leben, das war nicht die Idee. Stattdessen zog es Baschung für die Lehre als Chemielaborant nach Basel. Dort trat er zum ersten Mal in einem Café auf: er und seine Gitarre.

Nach sechs Jahren kehrte Martin Baschung aber doch wieder ins Limmattal zurück. «Ich bin eben ein richtiger Aargauer.» Baschung steht auf und geht über die Strasse zum Dorfbrunnen. Wo er sich auf den Rand setzt und seine Gitarre vor sich auf den Boden stellt.

Solo Blues packte ihn

Neben der Arbeit in der Wäschereibranche spielte er stets weiter Gitarre. Für Livemusik fuhr Baschung oft nach Zürich. Dort begegnete ihm dann auch zum ersten Mal ein Solo-Bluesmusiker. Bis dahin hatte Baschung sich vor allem der amerikanischen Volksmusik verbunden gefühlt. Doch das sollte sich ändern: «Die Bluesmusik hat mich damals gepackt und nie mehr losgelassen.»

Mit über dreissig brachte sich Martin Baschung schliesslich das Notenlesen bei; richtig gut könne er es zwar bis heute nicht. Das hielt ihn aber nicht davon ab, seine erste Band zu gründen: eine Blues- und Partyband.

Zwölf Jahre lang spielten sie Coversongs. «Zum Schluss haben wir aber immer mehr Mainstreammusik gespielt, das hat mir nicht mehr gepasst.» Denn Mainstream, das ist nichts für Martin Baschung. Er habe sich immer an Spitzenmusikern orientiert, die nicht viele Leute kennen.

Über Nacht zum Bandleader

Baschung verliess seine alte Gruppe und gründete sofort seine neue Band: «Martin Baschung & Big B Tonic». Über Nacht wurde aus dem Gitarristen ein Bandleader und Sänger. Bis dahin hatte Baschung nur ab und zu gesungen.

«Ich hatte lange das Gefühl, dass ich nicht so gut singen kann.» Denn der Vater sei ein sehr guter Sänger gewesen und nie vom Talent seines Sohnes überzeugt gewesen. «Ich denke, ich bin nicht wahnsinnig gut, aber es ist okay.»

Martin Baschung lächelt kurz und packt die elektronische Gitarre aus der Tasche aus: eine von 15 Gitarren. «Das ist gar nicht so viel.» Baschung blickt ernst über die dicken Ränder seiner Brille. Dann lächelt er verschmitzt. Über den kleinen Finger der Greifhand stülpt er ein Glas: «Ich spiele öfters auch mit Bottleneck», erklärt Baschung und beginnt zu spielen.