Würenlos
04.11.2020

Neue Debatte um das Alterszentrum

2025 soll das Alterszentrum auf der Zentrumswiese stehen. Rahel Bühler

2025 soll das Alterszentrum auf der Zentrumswiese stehen. Rahel Bühler

Die Flugblattaktion der Einwender sorgt für Standortfragen. Vizeammann Nico Kunz sagt, dass am vom Volk gewählten Standort festgehalten wird.

Von: Sibylle Egloff

Seit 50 Jahren hat man in Würenlos vor, ein Alterszentrum zu bauen. Zwei Projekte scheiterten bereits und das aktuelle Projekt «Margerite» hat auch gegen Widerstand zu kämpfen. Im Oktober wandten sich die Einwender des Vorentscheidgesuchs mit einem offenen Brief an den Gemeinderat und an alle Haushalte. Sie stören sich am Rückzug des Gesuchs durch die Bauherrin, die Alterszentrum Würenlos AG.

Im Flugblatt wurde der Gemeinderat dazu aufgefordert, «ein rechtlich korrektes Vorgehen für die Planung des Alterszentrums in die Wege zu leiten und zum jetzigen Zeitpunkt auf vorgezogene Detailplanungen zu verzichten». Die Einwender beziehen sich auf das neue Ziel der Bauherrin. Diese zog im Juni das Vorentscheidgesuch zurück, nachdem Einwendungen – etwa bezüglich der Gebäudedimensionen oder der Erschliessung – eingingen und sich keine Einigung finden liess. Um weniger Zeit zu verlieren, erstellt die Bauherrin ein genehmigungsfähiges Baugesuch.

«Es geht uns nicht um Namen, sondern um die Sache»

Die Einwender berufen sich auf den Masterplan «Zentrum Würenlos» aus dem Jahr 2007. «Dieser wurde uns von der Gemeinde als aktuellster Plan übergeben. Der Gemeinderat hat sich bei der Beurteilung von Bauvorhaben daran zu halten», schreiben sie der Limmatwelle. Es fehle der zwingend erforderliche Gestaltungsplan. Das Projekt «Margerite» widerspreche in entscheidenden Punkten dem Masterplan, etwa bezüglich Ziel der Zentrumswiese, Zentrumsplatz, Furtbach, Parkierung oder Ortsbildschutz. Der Gemeinderat nahm in der Ausgabe vom 22. Oktober der Limmatwelle Stellung zum offenen Brief und sprach von einem «anonymen Flugblatt». «Dem Gemeinderat sind die Personen bekannt, die Einwendungen gegen das Vorentscheidgesuch erhoben hatten. Im Brief an ihn ist die Kontaktadresse angegeben. Der Vorwurf der Anonymität ist verfehlt», entgegnen die Einwender. Sie wollen nichtsdestotrotz in diesem Artikel, ebenso wie auf dem Brief, der an alle Haushaltungen ging, anonym bleiben. Ihnen gehe es um eine sachlichen Diskussion über das Alterszentrum.

Vizeammann Nico Kunz (FDP) verweist auf die Stellungnahme des Gemeinderats: «Das korrekte planerische Vorgehen wurde schon länger mit dem Masterplan definiert, und es wurde im Studienauftrag für das Alterszentrum zur Auflage gemacht, dass das Siegerprojekt gemäss geltender Bau- und Nutzungsordnung gebaut werden soll.» Die Einwender hätten es selber provoziert, dass die Alterszentrum AG ihr Gesuch zurückgezogen habe, noch bevor der Gemeinderat sich mit den gestellten Fragen hätte auseinandersetzen können. Aussagen wie «Ich erhebe Einsprache, weil ich hier keine Bauten will» würden nicht der Umsetzung des demokratisch gefällten Entscheids dienen.

Die Debatte lässt Zweifel am Standort Zentrumswiese aufkommen. So zumindest bei einer Leserin der Limmatwelle. Sie sorgt sich um das Dorfbild und bringt den Standort Wiemel wieder ins Spiel. «An der Gemeindeversammlung 2013 sprach sich das Stimmvolk für den Standort Zentrumswiese aus und bestätigte diesen Entscheid an der Gmeind 2015 insofern, dass zwischen der Ortsbürger- und der Einwohnergemeinde ein Tausch einer Parzelle auf der Zentrumswiese mit einer Parzelle im Gatterächer vollzogen wurde», so Kunz. Daher wolle man die Planung in diese Richtung nicht aufnehmen. Dass das Projekt für Gesprächsstoff sorgt, stört Kunz nicht. «Das ist Politik in einem politisch engagierten Dorf.»

Am 8. Dezember fällt der nächste Entscheid in Sachen Alterszentrum. An der Gemeindeversammlung befinden die Würenloser über den Baurechtsvertrag, mit dem die Gemeinde das Land auf der Zentrumswiese der Alterszentrum AG zur Verfügung stellen will.