Wettingen
25.08.2022

Zwischen Ehrgeiz und Selbstliebe

Silvan Dezini möchte mit der klassischen Musik durchstarten und sie modernisieren. Corinne Bürki

Silvan Dezini möchte mit der klassischen Musik durchstarten und sie modernisieren. Corinne Bürki

Der 21-jährige Spreitenbacher Geiger Silvan Dezini startet nach einer Auszeit eine eigene Konzertreihe und erzählt, warum er eine Pause brauchte.

Von: Corinne Bürki

An einer schwarzen Stehlampe im Wohnzimmer von Silvan Dezini klebt ein Zettel, etwa auf Augenhöhe, auf dem steht: «Locker». Am Spiegel gegenüber findet man noch zwei weitere. Auf dem einen steht «Schulter tief» und auf dem anderen «Ellbogen hoch». Der Notenständer und die Geige, die zum Spielen bereit auf dem Sofa liegt, verrät den Grund der Botschaften: Sie helfen Silvan Dezini beim Üben – der Spreitenbacher hat gerade das erste Jahr des Musikstudiums an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen und will mit seiner Geige hoch hinaus. «Ich möchte als Musiker in der klassischen Schiene so richtig durchstarten und das Genre modernisieren, indem ich mit dem Zeitgeist gehe, das Alte aber trotzdem dazu kombiniere», so der 21-Jährige spürbar begeistert. 

«Ich hatte keine Energie mehr»

Die Leidenschaft, die Dezini treibt, hatte aber auch schon seine Schattenseiten. Bereits mit sieben Jahren hat er mit dem Spielen begonnen, seine Eltern übten keinen Druck aus, hatten keine Ahnung von klassischer Musik. Doch wenn man Jahr für Jahr, während vieler verschiedener Entwicklungsphasen, jeden Tag stundenlang ein und dasselbe Instrument übt, kann es irgendwann zu einem Koller kommen: «Ich hatte wirklich eine Krise und habe den Sinn der Musik hinterfragt – ich hatte keine Energie mehr.» So sollte es aber nicht sein und es könne nichts Gutes daraus entstehen, wenn man sich in dieser Situation befinde, reflektiert Dezini und ihm war bewusst, dass dieser Punkt irgendwann kommen müsse. «Ehrlich gesagt konnte ich es mir gar nicht anders vorstellen. Jeder, der so früh mit etwas anfängt, was so intensiv ist, muss einmal eine Krise haben.» Er beschloss, sich eine Pause zu gönnen, und nahm eine einjährige Auszeit. 

Das Geigespielen konnte er in dieser Zeit aber nicht ganz lassen, bereits nach ein paar Monaten fing er wieder an. Doch dieses Mal wollte er das Ganze anders angehen. «Ich habe versucht, nur die positiven Aspekte des Spielens zu sehen, und habe all das Negative ausgeblendet», so habe er sich mehr darauf konzentriert, was ihm beim Spielen Spass mache und vor allem, warum er vor so vielen Jahren damit begonnen hat. «Ich habe mich daran erinnert, wie es war, als ich zum ersten Mal auf eine Geige traf, das war am Musikfest in Spreitenbach. Der Klang der Geige hat mich direkt getroffen mit einer Ehrlichkeit, so pur und rein», beschreibt der Musikstudent den Moment. Sowieso sei die Geige ein Instrument, das einem im Leben viel nützen würde, ist sich Dezini sicher. Sie sei wie ein Lehrer mit Beständigkeit und Ausdauer. «Wenn du etwas nicht spielen kannst, dann gibt es keine Abkürzung. Du kannst auch nicht jemandem 100 Franken geben, um dahin zu kommen, und es wird auch nicht besser, wenn du die Geige an die Wand wirfst. Du kannst nur üben – und die Geige hat viel Zeit», fügt er wissend an.

Ein Luxusproblem

Doch die Krise habe ihm im Nachhinein auch geholfen, meint Dezini. «Solche Krisen sind auch der Grund für weite Entwicklungssprünge. Leute, die jedem Konflikt aus dem Weg gehen, brauchen länger, um sich selbst besser kennen zu lernen.» Er wisse nun, wie wichtig «die Balance zwischen Ehrgeiz und Selbstliebe» sei. Zudem wurde ihm während dieser Zeit bewusst, welcher Stellenwert seine Familie für ihn hat. «Das mit dem Spielen ist ja eigentlich ein Luxusproblem. Was am Schluss immer übrig bleibt, ist die Familie – das wichtigste Auffangnetz im Leben», so der 21-Jährige. 

Heute weiss er besser, wie er mit dem Leistungsdruck umgehen kann und wo er hinwill. Auch das Studium leiste einen grossen Beitrag dazu: «Es ist so cool, wenn man endlich die Menschen um sich hat, die man das ganze Leben gesucht hat. – das zwingt einen manchmal auch anderes auszuprobieren und sich in verschiedenen Stilrichtungen zu versuchen.» 

Seiner Stilrichtung bleibt er vorerst aber treu. Am 28. August startet der Musiker seine erste klassische Konzertreihe in der Klosterkirche Wettingen. Sie trägt den Namen «Ostinato-Konzerte». «Wir suchen dafür auch noch mehrere Musiker an verschiedenen Instrumenten.» Bei Interesse soll man sich gerne melden, sagt der Spreitenbacher lächelnd. Danach steht er auf und nimmt seine Geige in die Hand – ein wahres «Dreamteam», die beiden. 
Am Sonntag, 28. August, findet sein erstes Konzert der Reihe «Ostinato-Konzerte» in der Klosterkirche in Wettingen statt. Das Ostinato-Ensemble, bestehend aus einfacher Besetzung von Tonhallenmusikern, Mitgliedern des bekannten Casal-Quartetts und anderen international bekannten Musikern, spielt unter der Leitung von Silvan Dezini «Die Vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi. Türöffnung 16.30 Uhr, Eintritt frei/Kollekte. 17–18.30 Uhr.

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