Wettingen
13.02.2019

Littering, Mobbing und Ladendiebstahl – darum braucht es die «Jugendpolizei»

Die Jugendpolizisten Christoph Frei und Sonja Kieser suchen die Hotspots der Jugendlichen auf. (Melanie Bär)

Die Jugendpolizisten Christoph Frei und Sonja Kieser suchen die Hotspots der Jugendlichen auf. (Melanie Bär)

Sonja Kieser und Christoph Frei sind für die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal als «Jugendpolizisten» unterwegs. Sie wollen eine bessere Zusammenarbeit mit den Jugendlichen fördern

Melanie Bär

Vor drei Monaten hat Sonja Kieser von der Regionalpolizei Zurzibiet zur Repol Wettingen-Limmattal gewechselt. Zusammen mit Christoph Frei ist sie als Jugendpolizistin unterwegs. Im Interview erzählen die beiden, was die Jugendlichen in der Region verbrechen.

Sind Jugendliche heute straffälliger als früher oder wieso sind heute sogenannte «Jugendpolizisten» unterwegs?

Sonja Kieser: Früher haben die Eltern ihren Kindern Werte mitgegeben. Heute wird offener erzogen und es ist vermehrt Aufgabe der Polizei, den Jugendlichen die Grenzen aufzuzeigen.

Christoph Frei: Deshalb gibt es seit ein paar Jahren für Polizisten einen mehrtägigen Kurs, in dem der Umgang, das Verhalten und die Rechtslage in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen gelehrt werden. Ziel ist es, so einen besseren Zugang zu dieser Altersgruppe zu erhalten. Die Arbeit als Jugendpolizist macht etwa einen Drittel der Arbeitszeit von uns beiden aus. Die Hauptarbeit liegt in der Verkehrsinstruktion.

Die Polizei als Erzieher?

Christoph Frei: Nein, in der Regel sind die Jugendlichen gut erzogen und anständig. Es gibt immer wieder Ausnahmen. Ihnen muss man die Grenzen aufzeigen und auch mal einen Nagel einschlagen.

Wie meinen Sie das?


Christoph Frei: Es gibt heute keinen Graubereich mehr. Wird das Gesetz verletzt, müssen wir Anzeige erstatten. Manchmal hat es eine präventive Wirkung, wenn der Jugendliche dann bei der Jugendanwaltschaft erscheinen und dort den Fall aufarbeiten muss.

Sonja Kieser: Wenn es Probleme mit Jugendlichen gibt, liegt es aber nicht immer nur am Jugendlichen. Das Sprichwort «So, wie man in den Wald hineinruft, so tönt es zurück» gilt bei allen. Ich hatte bisher nie Probleme damit, sondern konnte Auseinandersetzungen mit verbaler Kommunikation regeln. Es gibt aber Polizisten, die den rabiaten Weg wählen. Ich glaube grundsätzlich ans Gute im Menschen.

Sind es heute immer noch frisierte Mofas, weswegen die Jugendlichen in Gesetzeskonflikt geraten?

Sonja Kieser: Auf dem Land ist das noch ein Thema. Doch in städtischer Umgebung wie hier haben wir andere Probleme: Littering, Schmierereien und Sachbeschädigung von fremdem Eigentum, Mobbing im Unterricht und Ladendiebstähle.

Wie wirkt die Jugendpolizei dem entgegen?

Sonja Kieser: Wir suchen die Hotspots der Jugendlichen auf dem Schulhausareal oder anderen öffentlichen Plätzen auf und machen sie aufs Gesetz aufmerksam. In der Regel haben wir einen sehr guten Draht zu ihnen und sie hören auf uns.

Christoph Frei: Das liegt auch daran, dass wir sie teilweise schon lange kennen. In Wettingen sind wir als Verkehrsinstruktoren auch für die Jugendlichen zuständig. Deshalb schulen wir sie bereits ab dem Kindergartenalter.

Werden Sie auch gerufen, wenn Kinder oder Jugendliche straffällig werden?

Christoph Frei: Nein, in der Regel bearbeiten diejenigen den Fall fertig, die sie während einer Patrouille aufgreifen. Wir werden höchstens als Beratung hinzugezogen. Auch von Eltern und Lehrpersonen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Sonja Kieser: Vor den Ferien wollte eine Lehrerin unseren Rat, weil in der Umkleidekabine gestohlen wurde. Wir haben ihr erklärt, dass dies ein Antragsdelikt ist und die bestohlene Person Anzeige erstatten kann. Zudem haben wir ihr geraten, den Fall mit der Schulsozialarbeit zu besprechen. Wenn wir das nächste Mal in dieser Klasse unterrichten, werden wir mit den Schülern das Thema aufgreifen und aufzeigen, welche Folgen Diebstahl für sie hat.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit als Jugendpolizist besonders gut?

Sonja Kieser: Ich habe Plausch an der jungen Bevölkerung.

Christoph Frei: Nach 30 Jahren bei der Aargauer Kantonspolizei habe ich hier eine neue Herausforderung gefunden.