Spreitenbach
13.02.2019

Spreitenbach braucht mutige Entscheidungen

Oliver Hager hat über zehn Jahre für die Gemeinde gearbeitet, jetzt reizt ihn die Arbeit auf der kantonalen Ebene. (Barbara Scherer)Spreitenbach ist eine vielfältige Gemeinde und besteht nicht nur aus Hochhäusern. (Barbara Scherer/ AZ Archiv)Im alten Dorfkern wirkt Spreitenbach noch sehr ländlich. (Barbara Scherer/ Az Archiv)

Oliver Hager hat über zehn Jahre für die Gemeinde gearbeitet, jetzt reizt ihn die Arbeit auf der kantonalen Ebene. (Barbara Scherer)

Spreitenbach ist eine vielfältige Gemeinde und besteht nicht nur aus Hochhäusern. (Barbara Scherer/ AZ Archiv)

Im alten Dorfkern wirkt Spreitenbach noch sehr ländlich. (Barbara Scherer/ Az Archiv)

Oliver Hager hat das Gemeindebild als Bauverwalter geprägt; jetzt wechselt er zum Kanton.

Barbara Scherer

Oliver Hager steht auf der Dachterrasse des Gemeindehauses und blickt in die Ferne. Er hebt die Hand und zeigt in Richtung Waldrand: Am Hang, versteckt hinter Bäumen, befinde sich noch ein kleines Wohnquartier.

Der 42-Jährige kennt die Gemeinde in- und auswendig. Seit über zehn Jahren arbeitet er auf der Bauverwaltung Spreitenbach; sieben war er als Bauverwalter tätig. Anfang März wechselt er nun zum Departement Bau, Verkehr und Umwelt. «Es reizt mich, auf kantonaler Ebene die Region Baden in ihrer Raumentwicklung zu betreuen», sagt Oliver Hager. Ganz verlasse er Spreitenbach somit nicht – er ändere nur die «Flughöhe».

Kindheit im Architekturbüro

Im Säuliamt aufgewachsen, hat Oliver Hager bereits als Kind seine freien Stunden im Architekturbüro seines Grossvaters verbracht. «Wir hatten immer eine sehr gute Beziehung zueinander.» So absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner, gefolgt von einem Architekturstudium, und stieg als Projektleiter im Büro seines Grossvaters ein.

Doch Oliver Hager zog es weiter, er wollte auf einer öffentlichen Verwaltung arbeiten. Also liess er sich zum Wirtschaftsingenieur ausbilden und bewarb sich auf der Limmattaler Gemeinde.

«Spreitenbach hat mich sofort gereizt. Die Gemeinde hatte damals ein eher schlechtes Image, was diametral zur Innensicht der Bevölkerung stand: Es ist ein extrem heterogenes Dorf», sagt Oliver Hager.

Neben Hochhäusern und Shoppingcenter biete die Gemeinde auch einen alten Dorfkern in ländlicher Idylle: «Mich reizte genau diese Herausforderung.» Auch stammte seine Urgrossmutter aus der Gemeinde an der Limmat.

Privatleben und Arbeit trennt er

Oliver Hager wohnte aber nie in Spreitenbach, er lebt seit vielen Jahren in Windisch: «Ich finde, es ist wichtig, Distanz zu wahren und die Arbeit vom Privatleben zu trennen. Nur so konnte ich in meinem anspruchsvollen Aufgabengebiet objektiv sein.»

Nach nur wenigen Jahren wurde Oliver Hager zum stellvertretenden Bauverwalter befördert. Dort erhielt er zum ersten Mal einen vertieften Einblick in die Raumplanung der Gemeinde: Das Thema packte ihn sofort. So stellte er sich 2012 dann auch gerne zur Wahl als Bauverwalter.

«Das war die herausforderndste Zeit», sagt Oliver Hager und blickt nachdenklich über den Brillenrand. «Einerseits fand ein Generationswechsel auf der Bauverwaltung statt, andererseits gab es strukturelle Anpassungen.» So wurden in dieser Zeit die Gemeindewerke in ihrer heutigen Form gegründet. Als junger Bauverwalter war es eine schwierige Zeit für Oliver Hager.

Gemeinde muss gesund weiterwachsen

Bauplanerisch stand Oliver Hager ebenfalls vor einer Herausforderung: Spreitenbach ist keine steuerstarke Gemeinde, liegt jedoch an bester Lage im Limmattal. «Ich stand vor der Frage, wie gehe ich vor, dass Spreitenbach sich nicht arm wachsen muss.»

Oliver Hager musste sich mit der Innenentwicklung und der Finanzierung befassen: Er war bei der Weichenstellung von grossen Projekten wie der Limmattalbahn, der Zentrumsentwicklung Neumatt und von Tivoli Garten dabei.

Alles sei lose geplant gewesen. «Wir mussten die ganze Situation zuerst analysieren und dann fundiert mittels einer räumlichen Entwicklungsstrategie angehen.» Ein wichtiger Entscheid dabei war: Die Gemeinde soll bis 2030 auf maximal 15000 Einwohner anwachsen. Diese Massnahme soll eine möglichst hohe Lebensqualität gewährleisten.

Überall wird gebaut - wie aus dem Puzzle ein Gesamtbild wird

«Das Schwierigste und Spannendste an der Raumplanung ist die Umsetzung», sagt Oliver Hager und faltet die Hände vor sich auf dem Tisch. «Überall passiert etwas und schlussendlich muss ein stimmiges Gesamtbild entstehen.»

Dazwischen entsteht eine Übergangsphase: Nichts scheint zusammenzupassen. Genau in so einer Phase befinde sich Spreitenbach im Moment: «Das muss man aushalten und es braucht weiterhin mutige Entscheidungen.» Denn geplant sei ein stimmiges Dorfbild, das die Identität sowie das Image von Spreitenbach stärke.

«Die Gemeinde muss sich sicherlich von der Idee lösen, ein kleines Dorf zu bleiben», so Oliver Hager und fügt an: «Das Wachstum wird uns einholen und es ist dabei wichtig, dass die Gemeinde diese Situation auf ihre eigene Art und Weise meistert.»

Neue Quartiere entstehen entlang der Limmattalbahn

Entscheidend sei dabei, richtig zu planen sowie zu entscheiden, wie und wo die Gemeinde wachsen soll, damit die Bevölkerung nicht in einen Verdichtungsstress kommt. «Entwicklungspotenzial hat Spreitenbach entlang der Limmattalbahn. Dort entstehen die neuen Quartiere.»

Trotz der Grösse will die Gemeinde aber keine Stadt werden. Denn Spreitenbach funktioniere weiterhin als Dorf, so Hager. Er blickt in die Ferne: Das Shoppi Tivoli ist zu sehen, im alten Dorf ragt der Kirchenturm in die Höhe und hinter ihm erstreckt sich der Wald am Heitersberg.

Oliver Hager weiss, er wird auch in seinem neuen Beruf ein Auge auf die Entwicklung der Limmattaler Gemeinde haben.