Neuenhof
13.03.2019

Eine Neuorganisation der Werke steht im Fokus – nicht der Verkauf

Um die Schulden ausweisen zu können, sollen die Strom- und Wasserwerke in eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt abgeändert werden.

rahel Bühler

Neuenhof hat Schulden in der Höhe von 44 Millionen Franken. Sie stammen von den hohen Investitionen, die die Gemeinde in der Vergangenheit in Schulhäuser, Strassen und Werke getätigt hat. «Um diesen Betrag abzubauen, sind wir über die Bücher gegangen», erklärt Finanzverwalter Hanspeter Frischknecht an der Medienorientierung vom vergangenen Freitag. Eine der beschlossenen Massnahmen ist die Verselbstständigung der Werke.

Die Gemeinde hat festgestellt, dass ein Teil der Verschuldung durch die Investitionen in die Infrastruktur der Werke entstanden ist. Deshalb sollen diese Schulden klar ausgewiesen werden. Das war bislang nicht so. Damit dies gemacht werden kann, möchte der Gemeinderat die Rechtsform der Wasser- und Elektrizitätswerke ändern und sie in einer «selbstständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt» organisieren. Abwasser und Abfall bleiben als Spezialfinanzierungen bestehen.

Gestartet wurde das Projekt im Oktober 2018. Eine siebenköpfige Gruppe unter der Leitung von Vizegemeindepräsidentin Petra Kuster nahm sich der Thematik an. «Wir standen vor dem Grundsatzentscheid: Wollen wir eine Aktiengesellschaft oder eine solche Anstalt bilden?», blickt Frischknecht zurück. Auch er gehört zu diesem Gremium. Die Projektgruppe habe daraufhin die Aspekte abgewogen und sich für die Anstalt ausgesprochen. «Der Haupteffekt, also die genaue Bezifferung der Schulden, würde mit beiden Rechtsformen erreicht werden», erklärt er. Der Vorteil der Anstalt sei jedoch, dass das Stimmvolk die Oberhand über die Werke behalten könne.

«Das Ziel ist eine Neuorganisierung und kein Verkauf der Werke», erläutert Kuster. Die Mitarbeiter würden weiterhin als Gemeindeangestellte ihrem Job nachgehen. Am Kerngeschäft, den Wasser- und Stromleitungen sowie den Trafostationen, werde sich nichts ändern, nur an der Organisationsform. Ausserdem soll eine nachhaltige Entwicklung der Werke nach wie vor gewährleistet bleiben. «Wir möchten in erster Linie die Schulden transparent machen, die Werke effizient betreiben und eine moderne Infrastruktur unterhalten. Wenn dann Geld übrig bleibt, streben wir auch den Abbau der Schulden an», erläutert der Finanzverwalter.

Die Arbeiten am Projekt sind so weit fortgeschritten, dass der Gemeinderat es bereits einer ebenfalls siebenköpfigen Begleitgruppe, bestehend aus Vertretern der Ortsparteien sowie aus Mitgliedern der Werk- und Finanzkommission, vorgestellt hat. «Die Begleitgruppe hat vorwiegend positiv reagiert», sagt Kuster. Auch die kritischen Fragen, die vonseiten dieser Gruppe geäussert wurden, konnten laut der Gemeinderätin beantwortet werden.

Noch sind nicht alle Fragen beantwortet: «Wir wären der erste Ort im Kanton Aargau, der auf kommunaler Ebene eine solche Anstalt einführt. Deshalb haben wir noch keine Erfahrungswerte», weiss Frischknecht.

Geht es nach dem Willen des Gemeinderats, wird der Souverän an der Gemeindeversammlung im November über das Vorhaben abstimmen. Zwei Wochen vorher wird die Bevölkerung an einer Veranstaltung darüber informiert. Ausserdem werden die Unterlagen während zweier Wochen auf der Gemeindeverwaltung zur Einsicht aufliegen.