Neuenhof
23.03.2022

Aufgrund Ukraine-Krieg: Asylunterkunft bleibt

Drei Mehrfamilienhäuser an der Stockstrasse in Neuenhof hätten einem Neubauprojekt weichen sollen. Nun ziehen dort Flüchtlinge aus der Ukraine ein. Auf deren Ankunft bereitet sich auch die Schule Neuenhof vor.

Von: Sibylle Egloff

Eigentlich hätte die kantonale Asylunterkunft an der Stockstrasse in Neuenhof Ende Mai geschlossen werden sollen. Doch angesichts des Ukraine-Kriegs und der bevorstehenden Flüchtlingswelle will der Kanton Aargau die beiden Häuser an der Stockstrasse 9 und 11 weiterbetreiben und auch das dritte Mehrfamilienhaus an der Stockstrasse 7 für die Unterbringung von Menschen aus der Ukraine nutzen.

Die Gemeinde Neuenhof informiert, dass sie vom kantonalen Departement für Gesundheit und Soziales darüber orientiert worden sei, dass sich aufgrund der derzeitigen Lage eine sofortige Weiterführung der Unterkunft aufdränge. Diese soll laut Gemeinde vorwiegend mit ukrainischen Flüchtlingen belegt werden, insbesondere mit Frauen und Kindern. «Die Gemeinde möchte alles im Rahmen des Möglichen tun und es den in Neuenhof ankommenden Personen wenigstens bei uns so sicher und einfach wie möglich machen. Es ist für Neuenhof eine Selbstverständlichkeit, in dieser tragischen Situation Hand zu bieten», sagt Gemeindeschreiber Raffaele Briamonte. Aktuell leben 24 Personen in der Unterkunft, neu sollen die drei Häuser bis zu 90 Personen Platz bieten. Der Kanton und die Gemeinde nutzen die Gunst der Stunde. Möglich machen die Weiterführung nämlich Verzögerungen des dort geplanten Bauprojekts.

Unterkunft könnte bis im Frühling 2023 weiterbetrieben werden

Die Eigentümerin der drei Häuser, die Leematten AG aus Niederrohrdorf, beabsichtigt den Bau dreier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 54 Wohnungen und mehr Volumen. Gegen das erste Baugesuch, das Anfang 2021 auflag, gingen mehrere Einwendungen ein und auch gegen das zweite Baugesuch, das kürzlich auflag, regte sich Widerstand. Die Gemeinde wartet nun auf die Stellungnahme der Bauherrschaft. Bis die Eigentümerin weiss, wie es weitergeht, soll die Unterkunft bis mindestens Ende Jahr weiterbetrieben werden. Denkbar ist laut Gemeinde auch eine Verlängerung bis im Frühling 2023. Das ist aber abhängig davon, wann die Eigentümerin die Baubewilligung für den Abriss und die Erstellung der Neubauten erhält und wann sie die Realisierung an die Hand nimmt.

Die ukrainischen Kinder und Jugendlichen, die bald in Neuenhof leben werden, sollen auch dort zur Schule gehen. Der Kanton stellt die dafür nötigen zusätzlichen Ressourcen zur Verfügung. Die Erfahrung der Schule Neuenhof mit der Aufnahme von Schülerinnen und Schülern aus anderen Kulturen komme nun zum Tragen, wie Gesamtschulleiterin Renate Baschek sagt. «Die Schule nimmt seit Jahren Kinder aus der kantonalen Asylunterkunft Neuenhof auf. Zudem existiert der kommunale Integrationskurs KiK. Dort werden neu zugezogene Schülerinnen und Schüler, die noch keine deutschen Sprachkenntnisse haben, aufgenommen und betreut», erklärt Baschek. Bei Bedarf würden zudem auch Lehrpersonen für Deutsch als Zweitsprache zusätzlich involviert. Nach einer gewissen Zeit sollen die Kinder in bestehende Klassen integriert werden.

«Auch die Klassenlehrpersonen sind sich den Umgang mit Kindern aus anderen Kulturen und solchen mit Sprachschwierigkeiten gewohnt. Es gehört zu ihrem Berufsalltag. Die emotionale Aufnahme ist zu Beginn das Wichtigste», sagt Baschek. Die Schule gehe mit den ukrainischen Flüchtlingskindern gleich um wie mit Schülerinnen und Schülern aus anderen Krisengebieten. Es brauche das nötige Fingerspitzengefühl. Bei Bedarf werde der Schulpsychologische Dienst beigezogen.

Kreativität und Spontaneität sind jetzt gefragt

Auch platztechnisch hat Baschek wenig Bedenken. «Im Zusammenhang mit den neuen Schulbauten konnten wir viele Klassen innerhalb der bestehenden Schulräume unterbringen. Das werden wir auch dieses Mal schaffen, Kreativität und Spontaneität sind dabei gefragt.» Wie gross der Aufwand für die neuen Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine sein wird, weiss Baschek noch nicht. «Das lässt sich noch nicht abschätzen. Es kommt auf die Anzahl der schulpflichtigen Kinder und deren Alter an.»

Die Beschulung der Kinder aus der Ukraine ist für die Gesamtschulleiterin eine Selbstverständlichkeit. «Die Aufnahme von Kindern aus Krisengebieten gehört zum Alltag der Schule, zumal wir Kinder aus der kantonalen Asylunterkunft aufnehmen. Wir werden die Kinder aus der Ukraine mit dem gleichen Respekt und mit der gleichen Wertehaltung aufnehmen wie alle anderen Flüchtlingskinder, unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe. Es sind alles Menschen, welche Schwieriges durchgemacht haben und unfreiwillig entwurzelt wurden.»