Neuenhof
17.03.2021

Der Ex-Lernende übernimmt die Sattlerei

Wechsel nach 29 Jahren: Leo Hüppi (rechts) tritt kürzer und überlässt die Geschäftsleitung Bettina und Christian Schmid. (Bild: Romi Schmid)
Konzentriert am Werk: Leo Hüppi arbeitet weiterhin in der Sattlerei.

Wechsel nach 29 Jahren: Leo Hüppi (rechts) tritt kürzer und überlässt die Geschäftsleitung Bettina und Christian Schmid. (Bild: Romi Schmid)

Wechsel nach 29 Jahren: Leo Hüppi (rechts) tritt kürzer und überlässt die Geschäftsleitung Bettina und Christian Schmid. (Bild: Romi Schmid)
Konzentriert am Werk: Leo Hüppi arbeitet weiterhin in der Sattlerei.

Konzentriert am Werk: Leo Hüppi arbeitet weiterhin in der Sattlerei.

Leo Hüppi zieht sich als Geschäftsführer der Polster- und Autosattlerei Hüppi AG zurück und gibt die Firma nach zwei Generationen im Familienbesitz in neue Hände.

Von: Romi Schmid

Aus alt mach neu: So könnte das Motto der Hüppi AG in Neuenhof lauten. Die Polster- und Autosattlerei, die anno 1959 in Neuenhof gegründet wurde, ist eine der wenigen verbliebenen in der Region. Ob Omas alter Ohrensessel, ein Schlitten oder die Rückbank eines uralten Autos: Wo die Zeit zu sehr am Leder genagt hat, kommt Leo Hüppi ins Spiel. Der 61-Jährige führt die Hüppi AG seit 29 Jahren in der zweiten Generation und kann fast alles ausbessern, verschönern oder nachbauen. Nun kommt es zu einem Besitzerwechsel.

Hüppi hat den Betrieb per 1. März seinem ehemaligen Stift Christian Schmid (39) und dessen Frau Bettina überschrieben. Das Logo bleibt, die fünf Mitarbeitenden ebenso – und auch das Konzept wird weitergeführt. «Ein Nachfolger aus der Familie war nicht vorhanden, Christian und ich kennen uns seit über 20 Jahren. Mit ihm habe ich einen würdigen Nachfolger gefunden», sagt Hüppi. Schmid ergänzt: «Nach meiner Lehre bei der Hüppi AG habe ich in diversen anderen Firmen gearbeitet und komme nun wieder zurück. Ich und meine Frau freuen uns sehr darauf, das Geschäft weiterzuführen».

Die Arbeit ganz an den Nagel hängen will Hüppi aber nicht – nur kürzertreten. «Ich liebe meinen Beruf und möchte ihn noch nicht aufgeben. Schon als kleiner Junge habe ich hier meinem Vater über die Schulter geschaut», sagt der gelernte Sattler, der sich nun vermehrt seinem Gemeinderatsmandat in Mägenwil widmen möchte. Als sich Hüppi vor über 40 Jahren für eine Ausbildung zum Fachmann Ledertextil entschied, war er einer von zwölf Lernenden schweizweit. Heute sind es rund fünfzig, die den Beruf pro Jahr wählen. Sattlereien gibt es in der Schweiz nur noch wenige.

Der Wendepunkt kam, als das Militär auf Kunststoff setzte

Hüppi erklärt: «Wegen des Internets und der Möglichkeit, sich aus dem Ausland billigere Produkte bestellen zu können, sind viele Sattlereien nicht mehr konkurrenzfähig.» Früher, als das Militär noch Hauptauftraggeber war, habe es Massenbestellungen für Gürtel, Taschen und Rucksäcke aus Leder gegeben. «Als das Militär in den 1990er-Jahren auf Kunststoffprodukte umstellte, musste eine Sattlerei nach der anderen schliessen.»

Obwohl viele Zulieferer seit Beginn der Pandemie mit Lieferengpässen zu kämpfen hätten, sei die Nachfrage während der Krise merklich gestiegen, so Hüppi. «Mittlerweile gibt es einen leichten Trend zu hochwertigeren und nachhaltigeren Produkten.» Zudem laufe vor allem die Polsterei gut: In der Werkstatt erhalten Stühle, Sessel und Sofas ein zweites Leben. Gerade arbeitet Hüppi an einem roten Verdeck für ein Triumph-Cabriolet mit Baujahr 1954. «Ich arbeite gern an Oldtimern», sagt Hüppi. Vielleicht, weil er mit Jahrgang 1960 auch schon fast einer sei.