05.08.2020

Erste öffentlich-rechtliche Anstalt im Aargau: «Der Weg war eine Zangengeburt» 

Verwandelten die Werke in eine selbstständige Anstalt: Hanspeter Frischknecht (links), Petra Kuster Gerny und Adrian Fuchs. Sibylle Egloff

Verwandelten die Werke in eine selbstständige Anstalt: Hanspeter Frischknecht (links), Petra Kuster Gerny und Adrian Fuchs. Sibylle Egloff

Vizeammann Petra Kuster Gerny, Abteilungsleiter Finanzen Hanspeter Frischknecht und der neue Geschäftsführer von Elektrizität Wasser Neuenhof (ewn) erzählen, was es brauchte, um die erste selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt im Kanton zu werden.

Von: Sibylle Egloff

«Wir sind froh, dass wir gegenüber unseren Kunden und Lieferanten nun als Unternehmen auftreten können», sagt Vizeammann Petra Kuster Gerny (SVP). Sie amtet neu als Werkkommissionspräsidentin der selbstständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt namens Elektrizität Wasser Neuenhof – kurz ewn. 
Die Neuenhofer Stimmberechtigten gaben im Dezember 2019 an der Gemeindeversammlung grünes Licht für die Verselbstständigung der Gemeindewerke im Bereich Wasser und Elektrizität. Die Geburtsstunde der ewn folgte per 1. Januar, dann wurde sie gegründet. Doch erst vor kurzem konnte das Unternehmen seine Tätigkeit richtig aufnehmen: «Die Vorbereitungen für die Gemeindeversammlung und die Abstimmung machen für mich bald einen kleineren Teil aus als die Umsetzung der Verselbstständigung im vergangenen halben Jahr», sagt Kuster Gerny.

Die Pionierrolle barg einige Herausforderungen 

Neuenhof nahm mit diesem Schritt eine Pionierrolle ein, ist es doch die erste Gemeinde im Kanton Aargau, die Teile der Gemeindewerke in eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt auslagert. Doch das Neuland barg auch Herausforderungen: «Der Weg dahin war eine Zangengeburt», sagt Kuster Gerny. Nachdem das Stimmvolk das Geschäft abgesegnet hatte, musste auch der Regierungsrat der Gründung zustimmen. Im Februar war es so weit. «Mit dem Regierungsratsbeschluss waren wir faktisch handlungsfähig. Doch es fehlte der Eintrag im Handelsregister», sagt Hanspeter Frischknecht, Abteilungsleiter Finanzen der Gemeinde Neuenhof. Er regelte die bürokratischen Aufgaben auf dem Weg zur selbstständigen Anstalt. 

«Die Anmeldung beim Handelsregisteramt wurde zum Spiessrutenlauf. Da es eine Anstalt wie unsere noch gar nicht gab, existierten auch keine passenden Formulare. Bis wir wussten, welche Papiere wir ausfüllen müssen und welche Unterlagen wir benötigen, dauerte es», sagt Frischknecht. Dass der Prozess teilweise während des Coronalockdowns erfolgte, war zusätzlich erschwerend. «Dadurch, dass viele Mitarbeitende im Homeoffice tätig waren, zog sich die Kommunikation in die Länge», sagt Frischknecht. Doch es gab genug anderes, das erledigt werden konnte: Man entwarf ein Logo, feilte am Internetauftritt, wählte Werkkommission und Geschäftsleitung und setzte Verträge mit der Regionalwerke AG Baden auf, die sich um die technische und die administrative Betriebsführung kümmert.

Andere Abrechnungsform sorgt für Verwirrung

Doch alles war nicht möglich. «Aufgrund des fehlenden Handelsregistereintrags konnten wir noch kein Konto eröffnen und Geld einnehmen», sagt ewn-Geschäftsführer Adrian Fuchs. Man habe die Strom- und Wasserbezüger daher informiert, dass es nicht wie üblich Akontorechnungen im April geben werde, sondern dass Ende Juli direkt der Schlussbetrag des ersten halben Jahres fällig werde. Dieser Umstand sorgt nun für Verwirrung. «Der Betrag sieht grösser aus, weil nun alles auf einer Rechnung steht. Kunden kommen auf uns zu und wollen wissen, ob die Preise angestiegen sind.» Fuchs versichert: «Das sind sie nicht. Die Rechtsformänderung hat keinen Einfluss auf Preise und Gebühren.» 

Die Auslagerung der Bereiche Wasser und Elektrizität hat nichtsdestotrotz einen finanziellen Hintergrund: Die Gemeinde beabsichtigt, damit Schulden abzubauen. «Wir hatten Ende 2019 Schulden von 42 Millionen Franken, das sind fast 5000 Franken pro Einwohner, was sehr hoch ist. Die selbstständige Anstalt soll uns dabei helfen, diesen Schuldenberg zu tilgen», sagt Kuster Gerny. Jährlich sollen im Durchschnitt 650 000 Franken aus den Werken dafür eingesetzt werden. Das habe den Beteiligten auch die Motivation gegeben, die herausfordernde Zeit der Umstellung durchzustehen, sagt Kuster Gerny. Sie freue sich, dass nun alles so aufgegleist sei, dass dieses Vorhaben gelingen könne. 

Weitere Informationen und Hinweise zu Rechnungsfragen zur neuen Anstalt Elektrizität Wasser Neuenhof (ewn) finden Sie online unter 
www.ewn-neuenhof.ch.