18.03.2020

Solidarität in Zeiten von Corona

Zeichnen ist eine der Beschäftigungen, die auch Daheim gemacht werden können. Symbolbild: Melanie Borter

Zeichnen ist eine der Beschäftigungen, die auch Daheim gemacht werden können. Symbolbild: Melanie Borter

Jetzt, wo in der ganzen Schweiz der Ausnahmezustand gilt, kommen immer mehr solidarische Projekte auf. So zum Beispiel die «Solibox» oder Nachbarschaftshilfe in Neuenhof, Spreitenbach und Killwangen.

Von: Melanie Bär und Rahel Bühler

Die Massnahmen, die der Bundesrat an der Pressekonferenz am vergangenen Montag verkündet hat, greifen tief in das Leben in der Schweiz ein: Es herrscht im ganzen Land der Ausnahmezustand. Soziale Kontakte sind zu vermeiden. Nur «Lebensmittelläden und sonstige Läden, soweit sie Lebensmittel oder Gegenstände für den täglichen Bedarf anbieten», dürfen gemäss Verordnung des Bundesrats noch besucht werden. Bundesrat Alain Berset riet der Bevölkerung am Montag gar, ganz zuhause zu bleiben. 

Unter diesen Massnahmen leidet das soziale Leben. Aus diesem Grund tauchen immer mehr solidarische Projekte auf. So zum Beispiel  die «Solibox». Das ist eine Geschenkbox mit Lesestoff, Zeichnungen und Geschichten über das Thema Solidarität und das Zusammenleben mit älteren Menschen. Die Aktion richtet sich primär an Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen. «Wir wollen den älteren Personen, die gerade unter dieser Situation leiden und keine Besuche mehr erhalten dürfen, eine Freude bereiten und ein kleines Zeichen lancieren», schreiben die Betreiber Sandra Sutter und Benno Kästli auf ihrer Website solibox.ch. 

Verschiedene Magazine aus der Deutschschweiz machen mit

Entstanden ist die Idee Anfang März: Sutter und Kästli waren auf dem Weg zu einem Geburtstag. «Was wäre, wenn der Besuch in Altersheimen nicht mehr möglich wäre?», fragten sie sich. Wenige Tage später war die Box geboren.

Verschiedene Magazine machen in der Zwischenzeit bei der Aktion mit: so etwa die «Schweizer Familie», die Magazine «Reportagen», «50 plus» oder «Natürlich». Nebst Leselektüre enthält die Box Zeichnungen oder ein Jassset mit Schiefertafel und Kreide. Die Zeichnungen stammen von Kindern aus der Deutschschweiz, die gerne zeichnen.
Die Aktion verläuft so: Die Initianten schreiben Altersheime in der Deutschschweiz an, ob sie Interesse an den Boxen hätten. Bei einer Zusage senden sie den Altersheimen Exemplare per Post zu. Der Versand startete am Montag, 16. März. Die Initianten senden auch Pakete an Einzelpersonen: In dieser Box sind zwei Magazine und eine Zeichnung oder eine Geschichte enthalten.

In Spreitenbach, Killwangen und Neuenhof helfen sich Nachbarn

Mittlerweile haben sich vielerorts auch Nachbarschaftshilfen formiert. So zum Beispiel in Killwangen, Spreitenbach und Neuenhof. Über die Plattform hilf-jetzt.ch haben sich acht Personen aus diesen drei Gemeinden zusammengetan, die fortan nachbarschaftliche Hilfe anbieten. Eine davon ist Ela Diboky aus Killwangen. Die 32-jährige Logopädin ist seit fünf Tagen beim Projekt dabei. Ihr zufolge existiert es bereits einige Tage  länger. «Unser Ziel ist es, Senioren zu unterstützen, die Hilfe brauchen. Etwa beim Einkaufen», sagt sie. Auch Kinderbetreuung sei allenfalls möglich. Bis jetzt hat die Gruppe noch keine Anfrage erhalten. Im Moment ist die Gruppe daran, entsprechende Informationszettel in den drei Gemeinden aufzuhängen. Diboky selbst hilft mit, weil sie als Logopädin nur noch von zu Hause aus arbeiten darf und daher flexibel ist. «Ich finde es eine sinnvolle Sache. Ausserdem gibt mir das Helfen Energie, denn ich sehe, dass ich die Situation dadurch verbessern kann», sagt die Killwangenerin. 

Im Shoppi sind nur noch 16 Geschäfte geöffnet.

Auch im Shoppi Tivoli in Spreitenbach sind die meisten Geschäfte geschlossen. Nur noch 16 Geschäfte sind geöffnet. Und zwar jene, die ausschliesslich Lebensmittel verkaufen, zwei Apotheken und eine Drogerie, zwei Imbissbetriebe, drei Telekommunikationsanbieter und das Optikergeschäft. Es darf Brillen, die als medizinisches Hilfsmittel gelten, reparieren. Alle anderen Geschäfte sind geschlossen. Die Sicherheitskontrollen wurden verstärkt, damit das Shoppi nur für die zwingend notwendigen Einkäufe genutzt wird. «Wer nur zum Flanieren ins Shoppi Tivoli will, wird freundlich weggeschickt», sagt Zentrumsleiter Patrick Stäuble. Er hofft für die Betreiber mit geschlossenen Geschäften, dass sich die Kundschaft solidarisch zeigt und der Kauf von nicht dringend Notwendigem nicht online, sondern später vor Ort getätigt wird. «Wir müssen jetzt alle zusammenhalten», ruft er auf.

Weitere Informationen unter: www.solibox.ch, www.hilf-jetzt.ch, www.ag.ch oder www.bag-coronavirus.ch.

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